Tinariwen ELWAN


Wedge/[PIAS] Coop/RTD

Natürlich sind Gastmusiker nicht zwingend ein Qualitätsmerkmal. Und doch kommt man angesichts der illustren Gesellschaft, die sich in den Credits der jüngeren Tinariwen-Alben findet, nicht umhin, selbige auch als Indikator für die Brillanz des nordafrikanischen Nomaden-Kollektivs auszumachen, dessen Name übersetzt so viel wie „Wüs­ten“ oder „leerer Ort“ bedeutet. Waren auf TASSILI noch Kyp Malone und Tunde Adebimpe von TV On The Radio, sowie Wilco-Gitarrist Nels Cline vertreten, gaben sich auf EMMAAR Red-Hot-Chili-Peppers-Gitarrist Josh Klinghofer und HipHop-Tausendsassa Saul Williams die Ehre.

So wirkt es auch nicht überraschend, wenn sich auf ELWAN nun mit Kurt Vile (Gitarre) und Mark Lanegan (Vocals) abermals zwei Gäste finden, die auf den Sound der seit 1979 stets im Wandel begriffenen Band im Rahmen zweier Songs zwar nur unwesentlich Einfluss nehmen, und sich doch wunderbar einfügen in dieses Album.

Aufgenommen im kalifornischen Wüs­tenstudio „Rancho de la Luna“, sowie in Zusammenarbeit mit marokkanischen Gnawa-Musikern nahe der algerischen Grenze, entfalten die 13 Songs eben jene rhythmisch vertrackten, Blues-infizierten Grooves zwischen filigran verschnörkelten Gitarrenfiguren und treibender Djembe, zwischen Handclaps und Chants, für die man diese Band so zu schätzen lernte, seit man vor 15 Jahren die Chance dazu bekommen hatte.

Jahrelang verbreitete die Band ihre Musik nur regional über Audiokassetten, erst 2000 erschien mit The Radio Tisdas Sessions erstmals einer ihrer Tonträger weltweit. Ihr neuer, ELWAN, ist mal erhaben und entschleunigt, mal geschmeidig und nuanciert voranstrebend; mal elektrisch, mal akustisch – immer aber derart vitalisierend strömend, dass man alsbald ganz von selbst in Bewegung gerät.


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