Virgin Prunes … If I Die, I Die (40th Anniversary Edition)


BMG (VÖ: 11.11.)

von

Gavin Friday weist auf seiner Website darauf hin, dass die Prunes auf diesem Album durchaus Witz aufböten, immerhin spielten sie mit „Ballad Of A Man“ eine Bruce-Springsteen-Parodie ein, was – und darauf weisen wir jetzt hin – für eine Band aus der Gothic-Schule im Postpunk-Unterhaus der frühen Achtziger ein Beinahe-No-Go darstellte. Und überhaupt, der Album-Titel: …IF I DIE, I DIE gibt in seiner schlichten Zwangsläufigkeit doch ein schönes Beispiel für britischen, pardon, irischen Humor ab. Oder haben wir das jetzt falsch verstanden?

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Die Virgin Prunes gaben auf ihren ersten Alben und Konzerten in Dublin aber auch ein paar Rätsel auf, mehr noch: Sie polarisierten, weil sie so waren, wie sie waren. Outsider in ihrem eigenen Klangtheater, antipatriarchalisch, antikommerziell und gar nicht daran interessiert, sich auf die Spuren des Superstardaseins zu begeben, wie das die Kollegen von U2 schon erfolgreich vormachten,
die sie eben noch zu ihren besten Buddies gezählt hatten. Die Prunes-Musik verzichtete dennoch nicht auf Verweise; die Band klingt auf diesem Album bisweilen wie eine Dark-Wave-Antwort auf den Bowie der Berlin-Jahre oder ein zerquetschtes Stück The Cure, ein bisschen rock’n’rollig („Walls Of Jericho“) und unheimlich beseelt – Vorbotin für das Zerfließen des Postpunk im Sound der Neunziger („Theme For Thought“).

Gavin Friday war einer der drei Sänger der Band, und „Bau-Dachöng“ ist vielleicht das größte Klangkunstwerk, das sie produzierten, der Titel eine Sprachschöpfung, die Zeit und Raum überwindet (Bauhaus? Dachau?). Die Ausgabe zum 40. Geburtstag erscheint mit Colin Newmans 2004er-Remix von „Baby Turns Blue“ und einem halben Dutzend bislang unveröffentlichter Rough Mixes, die jetzt keinen Anlass geben, die Prunes-Geschichte umzuschreiben. Wer mag, tanzt sich aber durch diese Fußnoten.


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