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Konzertbericht

Rihanna in Berlin – Ein Konzert muss wie Internet sein

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Und Internet, das ist ein Kampf. Wie eine Boxerin betritt sie also die Halle. Läuft durch das Publikum ein, im Bademantel mit Kapuze auf dem Kopf. Ihr Ring, die Bühne, bleibt erstmal unbespielt. Auf einem mit Bettlaken verhangenen Quader singt sie am Fuß der Halle „Stay“. Das Stück endet im Like der Masse, bevor sie zu „Love The Way You Lie“ übergeht – ein Song, der das Publikum in ein nur kurzes Stimmungshoch schickt. Denn auf ihrer „Anti“-Tour skippt sich die Sängerin wie ein YouTube-User von Hit-Refrain zu Hit-Refrain.

Ein zeitgemäßer Popstar muss tun, was zeitgemäß ist. Und manchmal bleibt ihr als Königin aller Feature-Popstars eben auch nur der Refrain vom Song übrig. Mächtige E-Gitarren-Soli schließen dann die Lücken zwischen einzelnen Liedern. Dancebeats sausen im Regenbogenlicht. Nur die eigentlich starke Stimme der Sängerin geht im lauten Livegemisch oft unter.

Ihrer dröhnenden Musik steht eine leere Bühne gegenüber. Ohne Backdrop schaut man ins gleißende Licht der Scheinwerfer. Davor ist alles weiß: Band, Boden und auch die Sportflasche, aus der sie trinkt. Rihanna ist modisch, trägt jetzt einen mit großen Nähten versehenen Anzug, denn sie ist die, bei der alle losen Enden mit einer heißen Nadel zusammengeflickt werden.

Ihren Hit „Diamonds“ widmet sie den Opfern des Amoklaufs von München und auch all denen, die ihre Musik kaufen. Die Leinwände zeigen dazu wehende deutsche Flaggen. Während Rihanna singt, fällt Schaum von der Decke und bright wie ein Diamond beginnen die Handydisplays zu scheinen. Das Publikum feiert sich selbst für das RiRi-Unterstützen und gedenkt zeitgleich der Opfer von München. Das findet das Publikum nicht komisch, das ist es schon so gewöhnt, aus dem Internet. Ein Like für ein R.I.P., zwei Likes für RiRi und alles sowieso für einen selbst. Für Rihanna ist das normal, für sie ist es „Work, Work, Work“, auch wenn der europäische Teil der Tour mit diesem Konzert erstmal zu Ende geht.



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