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RIOPY: Wie Coldplay-Sänger Chris Martin einem ehemaligen Sektenkind auf dem Weg zum Starpianisten half

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Die Geschichte des französisch-britischen Pianisten RIOPY liest sich, als wäre sie der Plot eines Hollywood-Films: vom Kind in den Fängen einer Sekte zum weltweit gefeierten Starpianisten — und das mit der spontanen Hilfe von einem der größten Popstars unserer Zeit.  Aber alles der Reihe nach.

Jean-Philippe RioPy wurde in einer ländlichen Gegend Frankreich geboren. Seine Mutter schloss sich einer Sekte an, als er wenige Monate alt war und nahm ihn mit in diese Abhängigkeit und Isolation. So war RIOPYs Kindheit geprägt von Gehorsam gegenüber dem Sektenguru. Ein altes, verlassenes Klavier war sein langsamer Weg in die Freiheit: Er brachte sich das Klavierspiel selbst bei, komponierte die ersten Songs. Dabei war er ganz seiner eigenen Kreativität überlassen, denn weltliche Einflüsse von Einflüssen waren in der Sekte strengstens verpönt. Es war ein langer, beschwerlicher Weg in die Freiheit für den Musiker — aber er ging ihn.  Am Tag seiner Volljährigkeit floh er von der Sekte und verlor damit jeden Kontakt zu seiner Familie. Ein krasser Schritt — aber eine Selbstbefreiung.

Der Weg in die Freiheit

Den Guru wurde er los, die inneren Dämonen vorerst nicht. Er kämpfte mit Süchten und psychischen Problemen. Depressionen und Zwangszustände hingen wie ein dunkler Schatten über ihm. Eine Entscheidung sollte schließlich alles verändern: Er zog nach Großbritannien, studierte Musik, spielte als Pianist in Bars. Genau hier kommt der vorhin genannte Weltstar ins Spiel: Niemand Geringeres als Coldplay-Frontmann Chris Martin hörte RIOPY eines Tages nämlich spielen. Martin war so begeistert, dass er dem finanziell strauchelnden Musiker ein Piano schenkte… und zwar nicht nur irgendein Piano, sondern einen Steinway.

Fragt man RIOPY, war das einer der wichtigsten Momente seines Lebens. Der Kampf gegen die Dämonen wurde immer erfolgreicher: Mit Yoga, Meditation und dem Fokus auf die Musik schritt der Heilungsprozess voran. Apropos voranschreiten: Das tat auch RIOPYs Karriere — und zwar mit Riesenschritten. Längst ist er ein weltweit gefeierter Klassikstar. Sein letztes Album „Tree of Life“ schaffte in den USA den Spitzenplatz der Billboard Classical Album Charts und blieb unglaubliche 90 Wochen in den Top 10.

„[extended] Bliss“: RIOPY und sein Weg zur Glückseligkeit

Sein letztes Album „Bliss“ erschien im Jahr 2021. Der Titel bedeutet Glückseligkeit — und genau die scheint RIOPY trotz seiner unglaublich schwierigen Vergangenheit gefunden zu haben. „Der pure Klang des Klaviers zusammen mit meiner eigenen Stimmung sollen uns in diesen Zustand versetzen. Musik kann nicht alles kurieren, aber bei dem, was gerade ansteht, kann sie sicherlich unseren mentalen Zustand stärken“, erzählt er über sein Werk, das in der Corona-Pandemie entstand. Das Werk erschien vor kurzem als erweiterte Version „[extended] Bliss“. „Extended Bliss“ von RIOPY könnt ihr hier anhören und streamen.

Ein Zeugnis der Kraft der Musik

RIOPYS Geschichte ist ein Zeugnis davon, wie kraftvoll Musik sein kann. „Die Musik befreite mich“, erzählt er — und erinnert sich an die Zeit, als er zum ersten Mal als Sektenkind das Klavier für sich entdeckte: „Ich entdeckte einen Platz in meinem Kopf, wo ich komponieren und gestalten konnte. Wenn ich mich auf die Musik konzentrierte, blieb kein Raum für andere Gedanken…“ 


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