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Saint Thomas (1976-2007)

Thomas Hansen alias Saint Thomas ist tot. Dies musste ich gestern abend als Randnotiz in einer Musikzeitschrift lesen, woraufhin ich umgehend die Internet-Seite des norwegischen Songwriters aufsuchte. Zu erfahren war nicht allzu viel. Nur eben, dass er am Morgen des 11. September 2007 in seiner Wohnung in Oslo tot aufgefunden wurde. Dass er depressiv war sowie Drogenprobleme hatte, war kein Geheimnis. Er soll sogar einmal gesagt haben, dass er es bereue, seine Musik je veröffentlicht zu haben. In der noch aktuellen Ausgabe einer Musikzeitschrift stand in einem Special über Norwegens Musikszene zu St. Thomas zu lesen: „Die tragischste Figur der dortigen Songwriterszene. Verehrt, gefeiert, aber auch depressiv und alkoholgetränkt. Der ehemalige Postbote schrieb in den späten Neunzigern so großartig zerrissene Lieder und ist bis heute noch musikalisch interessant, wurde bei all dem aber nie glücklich. Eher im Gegenteil, wie es manchmal scheint.“Es ist nun etwas mehr als zwei Jahre her, dass ich erstmals seine Musik zu hören bekam. Es war ein warmer Tag, Frühsommer, wenn ich mich recht erinnere. Ich saß in meiner damaligen Stammkneipe am Tresen, als der „Cool Song“ erklang. Das Lied gefiel mir auf Anhieb. Im ersten Moment des Hörens dachte ich an Neil Young. Doch war recht bald klar, dass dies kein Abklatschkünstler ist, sondern einer, der konsequent sein eigenes Ding macht. Ich ließ mir vom Wirt mit dem vorzüglichen Musikgeschmack Titel und Interpreten sagen und kaufte mir die CD. So entwickelte sie sich bald zu einem meiner Lieblingsalben jenes Jahres. Es traf meinen Nerv, mit der zum Teil sehr zurückgenommenen Geschwindigkeit, der ungeschliffenen Produktion, der eigenwilligen Musik mit ihren häufig schrägen Klängen, der wunderschönen Kopfstimme des Sängers und der weinseligen Sehnsucht, die er in Texten wie Musik ausstrahlte. Ein kleines Juwel, keine Frage.Im Herbst desselben Jahres erschien eine weitere CD von ihm. Viel glatter kam sie daher, mit klarerem Sound und insgesamt nicht mehr ganz so zurückgenommen und ergreifend wie die vorige, dafür höchstprofessionell aufgenommen und produziert. Gleich geblieben waren jedoch die wunderbaren Songs, die schönen Melodien, und immer und immer wieder sein unverwechselbarer Gesang. Es war besonders ein Lied dieser CD, welches mich durch viele Monate begleitete, und noch heute eine besondere Bedeutung für mich hat; und selbst wenn der Sänger darauf keinerlei Einfluss haben konnte, kam dieser Song zum denkbar passendsten Zeitpunkt zu mir.Im Frühjahr diesen Jahres entdeckte ich dann beim eher gelangweilten Bestöbern eines CD-Regals in einem großen Drogeriemarkt eine CD, die ich zuerst nicht wirklich für ein richtiges, das heißt offizielles Album hielt. Kein Booklet, nur eine Pappseite mit selbstgemalt und selbst per Hand beschriftetem Cover, schwarz-weiß, mit nur den allernötigsten Infos. Aber groß stand St. Thomas drauf. Ich kaufte sie, natürlich, und kurz darauf konnte ich darüber lesen (was er selbst auch in einem der Songs besingt), dass er sich eine Zeit lang völlig zurückgezogen hatte, die Lieder überwiegend allein in seinem Schlafzimmer aufgenommen hat. Ein bisschen zurück zu den Wurzeln und doch ganz anders. Alles klang irgendwie ein wenig unfertig, nicht wirklich vollendet, und doch hatte das Album wieder den typischen, eigenwilligen Charme. „There’s Only One Of Me“, so der Titel wie auch schönste Song darauf, erneut so ein St. Thomas-Lied, was nicht mehr aus dem Gehörgang zu kriegen war. Ich hatte gehofft, ihn bald auch live erleben zu dürfen, doch ist dies nun leider nicht mehr möglich. Möge er seinen Frieden gefunden haben.

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