Schwarz, weiß, grün

von

Da kommt der Mann, der den einen Hit gemacht hat, auf den sich in diesem Herbst alle einigen können – obwohl (oder gerade weil) er provozierend “Fuck You” heißt. Mit watschelndem Gang betritt Cee Lo Green die Hotelbar, angetan in einem grasgrünen Trainingsanzug, eher ein Kuschelanzug. Der Rücken schmerzt, also legt er sich auf ein Sofa; die riesige Sonnenbrille lässt er auf. Während sich die Bar mit den Teilnehmern eines Kardiologenkongresses füllt, rutscht die eine Hand gemütlich in die Kuschelhose, mit der anderen greift er sich das Aufnahmegerät. Weil das Kardiologengequassel immer lauter wird, muss ich den Stuhl ans Kopfende des Sofas rücken – wie der Therapeut über den Patienten gebeugt.“Willst Du die Wahrheit hören?”, fragt Cee Lo Green. Na klar, bitte. “Ich werd’s Dir sagen. Es ist wie reines Kokain.” Ich lache kurz nervös auf. “Nein, nein, hör zu: Reines Kokain ist das beste, aber man muss es mit etwas vermischen. Ich habe auch so eine Reinheit an mir, die man verpacken muss. Sonst würden die Menschen sie nicht aushalten. Verstehst Du die Analogie?” – Klar: Die ersten beiden Soloalben nach seinem Ausstieg bei der Southern-Rapgruppe Goodie Mob floppten. Um sicherzustellen, dass sein drittes, das erste nach seinem Ausflug zu Gnarls Barkley, auch wirklich gehört wird, hat er die Musik in ein gefälliges Sixties-Soulkleid gesteckt. – “Ich will nicht nach Motown klingen oder so. Das finde ich fast beleidigend. Aber das ist ein Business, ich darf es nicht persönlich nehmen. Glaub mir: Musik ist ein bisschen wie Drogenhandel. Und, wie gesagt: Wenn es zu rein ist, bringt es dich um.” Cee Lo Greens neueste Lieferung, das Album “The Lady Killer”, ist vor allem textlich nicht ganz so harter Stoff wie das düstere zweite Gnarls-Barkley-Album, oder auch der Welthit “Crazy”, der ja von Geisteskrankheit handelte. “Wenn ich wieder von Qualen und gebrochenem Herzen gesungen hätte, hättest Du nicht gedacht: Typisch, immer dasselbe?” – Vielleicht hätten mich die Songs aber auch gerührt. – “Da hast Du Recht. Aber nimm das letzte Portishead-Album. Ich bin ein großer Fan, aber ich höre es mir nie an. Mit diesem Album darf ich kein Risiko eingehen. Ich brauche ein Sicherheitsnetz, den Leuten wird die Show trotzdem gefallen. Aber vielleicht rede ich zu viel über solche Sachen…” Er wolle bloß, dass seine Hörer wissen, was er alles zu bedenken habe. Und dennoch: “Dass ‘Fuck You’ der verkehrte Titel fürs Radio sein soll, ist mir vollkommen egal. Solche Dinge interessieren mich nicht. Mir ist wichtig, dass ich Herz und Seele habe und andere Herzen und Seelen erreiche. Was immer auch passiert: Ich bleibe ein Künstler. Aber ich muss auch professionell sein.” Am Abend tritt Cee Lo Green im weit geschnittenen roten Anzug auf, begleitet von fünf Frauen in eng geschnittenen roten Kleidern, die wirken wie nach Ethnien gecastet. Der Albumtitel visuell umgesetzt. Na ja. Das Konzert ist professionell, ein bisschen zu professionell vielleicht; große Kunst bleibt allein Cee Lo Greens Gesang.



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