Sexuelle Belästigung: Auch Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow sind Opfer von Harvey Weinstein

Die Enthüllungen um Harvey Weinstein reißen nicht ab: Der Filmproduzent, der einst als mächtigster Mann Hollywoods galt, sieht sich seit Donnerstag mit der öffentlichen Aufarbeitung seiner sexuellen Aggressionen konfrontiert. Ein Artikel in der „New York Times“ offenbarte, dass der einflussreiche Produzent und mehrfache Oscar-Sieger in den vergangenen Jahrzehnten Frauen sexuell belästigte und sie anschließend mit Geld zum Schweigen brachte.

Die „New York Times“ fand acht Frauen, die von ihren Erlebnissen mit Weinstein berichteten. Besonders bizarr: 2007 masturbierte Weinstein vor einer TV-Reporterin in eine Topfpflanze, nachdem sie ihm einen Kuss verweigerte. Harvey Weinstein, 65, wurde am Sonntagabend aus seiner eigenen Produktionsfirma entlassen, seitdem melden sich immer mehr Frauen, die im Laufe seiner Karriere von ihm belästigt wurden. Oft lud der Produzent seine mutmaßlichen Opfer in Hotelzimmer ein, bot Massagen an und versprach laut nun veröffentlichter Erlebnisberichte lukrative Rollen im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten.

Harvey Weinstein

Der „New Yorker“ legte am Dienstag nach und veröffentlichte einen weiteren Artikel, in dem weitere Frauen schwere Vorwürfe gegen Weinstein erheben. Schauspielerinnen, darunter Asia Argento und Lucia Evans, berichten in dem Artikel davon, dass Weinstein sie zum Oralsex gezwungen habe und werfen ihm Vergewaltigung vor. Dass viele von Weinsteins mutmaßlichen Opfer teilweise mehr als 20 Jahre gewartet haben bis sie an die Öffentlichkeit gehen, stellt in diesen Tagen fast die gesamte US-Filmindustrie auf den Prüfstand. Hat sich um den mächtigen Produzenten, dessen Filme mit mehr als 70 Oscars belohnt wurden, eine Art Schweigekartell gebildet?

Im Nachhinein ist es fast unerklärlich, dass Weinstein nicht schon in der Vergangenheit belangt wurde. 2015 versucht er Ambra Battilana Gutierrez, eine italienische Teilnehmerin eines Schönheitswettbewerbs, auf sein Hotelzimmer zu reden. In Zusammenarbeit mit der Polizei nahm Gutierrez das entsprechende Gespräch auf (Weinstein hatte ihr bereits am Vorabend Avancen gemacht, woraufhin sie zur Polizei ging und sich verkabeln ließ), der Produzent konnte ein juristisches Verfahren allerdings abwenden. In dem Gespräch gibt Weinstein sogar zu, Gutierrez ungefragt berührt zu haben:

 

Nach dem Enthüllungsartikel der „New York Times“ dauerte es einige Tage, bis sich viele Hollywood-Größen von Weinstein distanzierten (hier lesen Sie Stimmen zum Fall Weinstein). Mittlerweile aber haben sich beispielsweise Meryl Streep, James Gunn und Julianne Moore klar zu den Vorwürfen geäußert. Viele Branchengrößen sprechen davon, dass sie zwar Gerüchte über Weinsteins Verhalten hörten, nun allerdings schockiert seien.

Weltweite Aufmerksamkeit wird der Skandal nun durch die Aussagen von Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow erhalten. Der New York Times erzählten die Superstars vom sexuell aggressiven Verhalten Weinsteins. Paltrow war 22 Jahre alt, als sie eine Rolle in der Jane-Austin-Verfilmung „Emma“ bekam (1995) und auf den Durchbruch hoffte. Vor den Dreharbeiten war sie laut eigenen Aussagen zu einem Meeting mit Harvey Weinstein verabredet. Der Produzent hätte laut Paltrow seine Hände auf sie gelegt und vorgeschlagen, das Meeting in sein Schlafzimmer zu verlegen und es mit Massagen fortzuführen.

Jolie: „Ich warnte Frauen vor ihm“

Gwyneth Paltrow

„Ich war noch ein Kind und wie versteinert“, sagt Paltrow nun der „New York Times“. Sie lehnte ab und erzählte ihrem damaligen Freund Brad Pitt von den Avancen Weinsteins. Laut Paltrow konfrontierte Pitt Weinstein mit dem Vorfall, doch der Produzent sprach nur eine Warnung in Richtung der Schauspielerin aus. Sie solle niemandem von seinem Verhalten erzählen. Paltrow hielt sich daran, sah ihre Karriere auf dem Spiel. Jahre später gewann sie einen Oscar für ihre Hauptrolle in „Shakespeare in Love“ – der Film wurde produziert von Harvey Weinstein.

Angelina Jolie hat sich derweil in einer E-Mail an die New York Times gewandt. „Ich hatte in meiner Jugend eine schlimme Erfahrung mit Harvey Weinstein und habe beschlossen, niemals wieder mit ihm zu arbeiten“, schrieb Jolie der Zeitung. Des Weiteren habe sie andere Frauen vor einer Zusammenarbeit mit ihm gewarnt.

Ein Ende der Enthüllungen um Weinstein ist noch nicht in Sicht. Der Produzent hat vor wenigen Tagen zwar einige Vorwürfe dementiert, allerdings auch angegeben, sich in eine Therapie begeben zu wollen. Das dementsprechends Statement, das Weinstein an die „New York Times“ geschickt hat, kam einem Geständnis gleich.

Jeff Vespa
Getty Images

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