Simmel läßt grüßen


"Kaltgestellt" - Modische Klischees

Dem Regie- und Autorenteam Bernhard Sinkel und Ali Brustellin läuft in letzter Zeit das Glück nicht gerade nach. Einst gemeinsam mit Kino-Hits wie „Lina Braake“, „Berlinger“ und „Mädchenkrieg“ zu Ruhm und Anerkennung gekommen, begab sich das Duo getrennt auf den glatten Weg der Literaturverfilmungen Brustellin handelte sich mit dem „Sturz“ des Martin Walser ein blaues Auge ein, Sinkel biß sich an Eichendorffs „Taugenichts“ die kommerziellen Ambitionen aus. „Kaltgestellt“ heißt nun der neue Film Bernhard Sinkeis (Co-Autor ist Alf Brustellin), der beweisen will, daß sein Regisseur eben dieses doch noch nicht ist.

Sinkel hatte sich nämlich vorgenommen, alle Fehler zu vemeiden, die seinen „Taugenichts“ zum Flop an der Kinokasse werden ließen: Die Geschichte spielt diesmal hier und heute – genau genommen in der Frontstadt Berlin -; Thema ist nicht die Flucht eines .Aussteigers“, sondern, im Gegenteil, die politische Emanzipation eines Liberalen; die Gestaltung des Films – beim letzten Lichtspiel spröde und „aus dem Bild springend“ im dramaturgischen Aufbau, pastellfarben und unaufdringlich in der Präsentation – ist diesmal knallig bunt und dick aufgetragen, die Zeichnung der Personen ebenso stilisiert wie die Schauplätze allen gängigen Klischees des Agentenfilms von Simmeis Zuschnitt entsprechen.

Im Mittelpunkt der Filmgeschichte steht der ebenso liberale wie gesichtslose Berufsschullehrer Brasch (Helmut Griem). Brasch ist offensichtlich blind gegenüber den politischen, sozialen, beruflichen und privaten Veränderungen seiner Umwelt und seiner Zeit. Erst als seine Frau in Richtung Kommune fortläuft, ein Schüler in die Mühlen des Verfassungsschutzes gerät und sich das Leben nimmt, wacht Brasch aus seinen apolitischen Träumen auf. An der Seite einer flotten Fotografin (Angela Molina) emanzipiert sich der Berufsschullehrer.