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So war das 30. Haldern Pop: Villagers, Glen Hansard, Geburtstagsständchen und gute Laune

Vom 8.-11. August 2013 feierte das Haldern Pop Jubiläum. Das Festival am Niederhein ging in seine 30. Runde, und die bescherte Bands und Besuchern einmal mehr das, wofür das Haldern Festival seit Jahren bekannt und beliebt ist – eine heimelige Atmosphäre zwischen Entdeckung und Entspannung. Nach einem sehr entspannten Festival-Donnerstag mit SUUNS und John Grant als Highlights des ersten Tages ging es am Freitag und Samstag bei bestem Festival-Wetter weiter mit der guten Musik auf dem Haldern Pop.

Der Freitag beim Haldern 2013 – Geburtstagständchen von den Villagers

Im vom Sonnenlicht erleuchteten Spiegelzelt spielten die gut gelaunten Londoner-Jungs von Bear’s Den. Folkige Songs mit jeder Menge Mitsing-Potential, die an den Durchbruch von Bands wie Of Monsters And Men denken lassen, brachten die Spiegelzelt-Besucher schon am Mittag zum Tanzen.

Weiter ging es im Anschluss auf der Hauptbühne mit etwas härterem Tönen. Ja, Panik! begeisterten dort mit ihrer verschwurbelt coolen Mischung aus englischen und deutschen Texten. Bei Andreas Spechtl und seiner Band lauert hinter jedem Refrain eine intelligente Idee, mit der man nicht gerechnet hätte – nicht ohne Grund ist ihr aktuelles Album DMD KIU LIDT eines der Lieblingsalben der Musikexpress-Redaktion 2012 gewesen. Mit deutschen Texten ging es weiter, Die Goldenen Zitronen traten auf. Mit einem neuen Album im Gepäck und Notenständer mit Texterinnerungen auf der Bühne wirkten die Hamburger leider ein wenig angestaubt, der Funke zum Publikum wollte nicht so richtig überspringen.

Dem etwas müden Nachmittagspublikum machten anschließend Lee Fields & The Expressionists mit ihrer souligen 60er-Jahre-Musik Beine. Im vollen Zelt gab es derweil Balthazar zu sehen. Auf der Hauptbühne spielte danach am Klavier ein gut gelaunter Tom Odell mit wehenden Hemdsärmeln auf. Der junge Sänger brachte mit seinen smarten Lovesongs so einige Pärchen im Publikum zum glücklichen Knutschen und Mitsingen. “Grow old with me / Let us share what we see /Oh the best it could be /You and I (…) We’ll still sing our song / When our hair ain’t so blonde /We’ll prove them wrong“, hieß es dort zum Beispiel.

Mit dieser guten Grundstimmung ging es weiter mit den Villagers, die dem 30. Haldern Pop strahlend ein Ständchen zum Geburtstag sangen. Selten hat man Conor J. O’Brien so entspannt und gut gelaunt auf der Bühne gesehen – eine Lockerheit, die dem sonst etwas schüchternem Sänger wirklich gut zu Gesicht steht.

Die größte Festival-Überraschung stand aber erst noch bevor: Über The Strypes munkelte man schon den ganzen Tag auf dem Zeltplatz, wie gut sie seien. Die Schlange zum Spiegelzelt war entsprechend lang und das Zelt früh voll. Die Band aus Irland, die ein Durschnittsalter von nicht mehr als 15 Jahren (!) hat, verwandelte das Spiegelzelt in einen wahren Rock’n’Roll-Waschgang. Großartige Gitarrenriffs, eine unglaublich selbstverständliche Stage-Attitude und peitschende Songs sorgten für einen der besten Spiegelzeltmomente des Wochenendes. Wenn diese Band keine Zukunft hat, dann besteht für den Rock’n’Roll wohl wirklich keine Hoffnung mehr – oder wie ein Mädchen mit leuchtenden Augen aus dem Publikum feststellte: „So nassgeschwitzt und glücklich war ich noch nie nach einem Konzert, Wahnsinn!“

Wer sich nach diesem Talent-Inferno entspannen wollte, der pilgerte zur großen Bühne, auf der Sophie Hunger jede Menge Applaus für ihre coole und intelligente Jazz-Popmusik einfuhr. Im Zelt luden These New Puritans mit ihrer sphärischen Artpop-Musik zum Runterkommen ein, und wer im Anschluss an die Band aus London doch wieder Lust hatte das Indie-Tanzbein zu schwingen, war bei Freitags-Headliner James gut aufgehoben. Die Band aus Manchester verwandelte das Haldern Pop mit Hits wie “She’s a Star“, die aus vollem Hals mitgesungen wurden, kurzerhand in einen Zweigstelle des berühmten Hacienda Clubs. James ging auch mit dem Publikum auf Tuchfühlung, und holte zum Ende des Songs ein paar glückliche Besucher auf die Bühne. Zum Abschluss eines guten Freitags beim Haldern Pop 2013.

Der Samstag beim Haldern 2013 – Glen Hansard, die Stimmungkanone unter den Songwritern

Einen unerwartet guten Einstieg feierte der Festival-Samstag am frühen Nachmittag mit Duologue, die mit ihrer Rock-Elektronik-Musik sehr an The Boxer Rebellion erinnerten. Im Anschluss gab sich Ebbot Lundberg with Trummor & Orgel die Ehre. Der wirkte, als hätte man ihn aus den 70er Jahren aufs Haldern Pop teleportiert. Kettcar wiederum kokettierten mit ihrem Alter und zauberten dabei locker-flockig ihre guten alten Indie-Hits wie etwa „Landungsbrücken raus“ aus dem Ärmel, und die haben ja ebenfalls schon ein paar Jahre auf dem Buckel.

Nach den Hamburgern spielten die ebenfalls gut gelaunten Local Natives, die man zuvor über das Gelände hatte stromern sehen. Mit leichtfüßiger Tanzmusik und ordentlich treibenden Drums brachten die Jungs aus LA alle zum tanzen. Anschließend zog Brittany Howards, die Power-Frontfrau der Alabama Shakes, das Publikum in ihrem Bann. Beim letzten Sonnenlicht des Tages konnte man sich keine bessere Band für diesen souligen Moment vorstellen. Brittany Howard und ihre Jungs haben, das bewiesen sie auf dem Haldern Pop einmal mehr, einfach den Groove im Blut.

Und dann kam Glen Hansard. Mit seiner Energie und seinen großartigen Songs hätte ihm die Position des Samstags-Headliners gebührt, aber was soll’s: Der Ire zitierte Kraftwerk in einem Song ( “Wir fahren auf der Autobahn, Autobahn, Autobahn“), um dann lachend in ein Cover von Aretha Franklins “Respect“ überzugehen. Zu seinem Hit „Once“ holte sich der Sänger dann auch noch eine junge Frau als Duett-Partnerin auf die Bühne, die dabei den wahrscheinlich besten Moment ihres Festival-Lebens hatte. An diese Lockerheit und Euphorie kam im Anschluss selbst Regina Spektor nicht mehr heran, die zunächst Soundprobleme am Klavier hatte und sichtlich nervös improvisieren musste. Der wahre Held des Abends war und blieb Glen Hansard, den wohl jeder gerne als Ehrengast auf seiner Geburtstagsparty hätte.

Einen großartigen Party-Moment gab es zum Festival-Abschluss im Zelt mit Käpt’n Peng und die Tentakel von Delphi. Wenn das Zelt wackelt und die Luft voller Konfetti ist, hat man als Band einiges richtig gemacht. Großartiger Hip-Hop, der für alle nimmermüden Haldern-Pop-Besucher genau das richtige Finale der 30. Geburtstagsparty eines der angenehmsten kleinen Festival dieses Landes war.


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