Highlight: Ödland Berlin: Kampfgeschrei auf der Suche nach einem Proberaum

So war es bei der ME-Klubtour 2018 in Berlin


„Wir spielen noch einen letzten Dreck!“, wird Tobias Bamborschke brüllen, bevor er am Ende des Abends zum finalen, zum fiebrigsten Teil der Performance ansetzt. Es sind Sätze wie diese, für die man ihn und seine Band Isolation Berlin liebt – oder schrecklich blasiert findet.

Dem Berliner Quartett vorausgegangen sind: drei Männerbands, alle mit Gitarren, alle so eigenwillig wie verschieden. Im Berliner Club Lido, der ersten Station der MUSIKEXPRESS Klubtour Cool Nights powered by Wodka Gorbatschow, konnte man sich an einem Sonntag im September anschauen, was man derzeit unter dem Unbegriff „Indie“ fassen könnte, würde der nicht viel zu kurz greifen.

Dekadenz und Höhenflug

Kann Karate aus Berlin, die den Abend eröffnen und noch in diesem Jahr ihre Debütplatte veröffentlichen werden, stehen für eine robustere Spielart des punkgeschulten Indierock aus der Turbostaat-Schule; das Brüderduo Yukno aus der Steiermark hingegen, live unterstützt von einem Schlagzeuger, entwirft einen wolkig-leichten Electropopsound mit Bassgrundierung. Ein bisschen Dekadenz und Höhenflug, bevor Der Ringer aus Hamburg den Weg in den Abgrund weisen. Sänger Jannik Schneider singt mit technoid verzerrter Stimme, reizt mit seiner eindrücklichen Performance die Grenze zum Schlageresken aus oder wirft seinen Kopf hin und her wie in Trance, während die Band eine unheilvolle Klangkulisse zwischen Wave und Postpunk aufbaut. In ihren Egal-Outfits, Marke „Normcore“, wirkt die Band demonstrativ durchschnittlich – was einen seltsam verstört, wenn die nächste martialische Hardcore-Erruption über einen hereinbricht.

Noch einmal existenzielle Verzweiflung, aber anders, bringen schließlich Isolation Berlin auf die Bühne. Kein Frontmann performt Verzweiflung derzeit so fantastisch, zugleich aufrichtig angekotzt und theatralisch überzeichnet wie Tobias Bamborschke: Rastlos wippt sein Bein, als wäre er auf der Flucht und komme nicht vom Fleck, während er seine Gitarre oder den Mikrofonständer umklammert hält, die Augen herausschraubt, leidet, brüllt und sich schüttelt. Wie ein gütiger Sektenführer sieht er aus, wenn er die Arme ausbreitet, um die Massen zu umarmen – und ihnen im Song „Die Leute“ von ihrem aktuellen Album „Vergifte Dich“ schließlich seine Verachtung vor die Füße zu kotzen: „Die Leute reden so viel Blech, mir wird ganz schlecht“. „Die Leute“ lieben ihn natürlich trotzdem – oder gerade deshalb.

Die weiteren Klubtour-Termine im Überblick:

ME-Klubtour in Köln
15.09.2018
Gebäude 9
SCHNIPO SCHRANKE
LEA PORCELAIN
SPECIAL GUEST
FLUT

ME-Klubtour in Hamburg
08.10.2018
Übel & Gefährlich
HAIYTI
REEZY
ANTIFUCHS
JOMO
SPECIAL GUEST

ME-Klubtour in München
25.10.2018
Blitz Club
MOUNT KIMBIE (DJ-SET)
WEVAL (DJ-SET)
KID SIMIUS (LIVE)
PEREL (HYBRID)

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Alle Infos zur Klubtour findet Ihr außerdem auch auf unserer Themenseite unter musikexpress.de/klubtour