Spotify-Protest: Britische Band veröffentlicht Album mit 1000 30-sekündigen Tracks

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Die britische Rockband The Pocket Gods hat verkündet, dass ihr neues Album 1000 Tracks umfassen werde, die jeweils nur 30 Sekunden lang sein sollen. Damit will die Band auf das unfaire Bezahlsystem der Streamingplattform Spotify aufmerksam machen.

Spotifys Streamingmodell sieht vor, dass ein Stream dann als solcher gewertet wird, wenn der Song mindestens 30 Sekunden lang abgespielt wurde. Der Anbieter steht schon länger wegen der geringen Bezahlung für die Streams der Künstler*innen in der Kritik.

Tatsächlich verdienen Künstler*innen auf der Plattform nur ca. 0,004 Euro pro Abruf als Tantiemen. Gerade für kleinere Bands und Solo-Künstler*innen ist damit ein Überleben vom Streaming allein unmöglich. Die Millionen gehen stattdessen vor allem an wenige große Musikschaffende und Plattenfirmen, während die Regeln des Bezahlmodells das Musikgeschäft nachhaltig zu verändern scheinen. Denn immer mehr Künstler*innen veröffentlichen immer kürzere Songs. Der Grund dafür ist klar: Sie wollen oder müssen mehr Streams in weniger Zeit generieren.

Inspiriert wurden The Pocket Gods zu ihrer Idee sie von einem Artikel des New Yorker Musikprofessors Mike Errico, der im „the i“-Magazin argumentiert hatte, dass Spotifys Vorgaben, was als Stream gewertet werde, langfristig das Ende des Drei-Minuten-Popsongs bedeuten könnte.

Mark Christopher Lee, Sänger von The Pocket Gods, erklärt, er habe den Artikel gelesen und sich gefragt, warum er längere Songs schreiben solle, wenn er auch schon für 30 Sekunden die gleiche geringe Bezahlung von Spotify erhalten könne.

„Wir haben für das Album 1.000 Songs geschrieben und aufgenommen, jeder knapp über 30 Sekunden lang. Der längste dauert 36 Sekunden. Es soll das Bewusstsein für die faire Bezahlung von Künstler*innen schärfen“, fügte Lee zum Entstehungsprozess des Albums hinzu.

Ein Song des Albums heißt deshalb auch „0.002“ und nimmt Bezug auf die Bezahlung, die die Band pro Stream bekommt. Früher habe die Band 0,007 Pfund (ca. 0,008€) pro Stream bekommen, jetzt seien es nur noch 0,002 Pfund (ca. 0,003€).

Das neue Album der Band nimmt mit dem Titel 1000×30 – NOBODY MAKES MONEY ANYMORE schon im Titel direkt Bezug auf das Bezahlsystem des Streamingdienstes. The Pocket Gods sei durchaus bewusst, dass sie damit eine Löschung ihrer Inhalte durch Spotify provozieren könnten, teilte die Band mit.

Wertloses Album

The Pocket Gods sind nicht die Ersten, die sich in ihrer Musik mit den Bezahlmethoden von Streamingdiensten auseinandersetzen. Schon im vergangen Jahr veröffentlichte der Berliner Künstler und Musiker Valentin Hansen ein ähnliches Projekt, das die Frage nach dem Wert von Musik im Streaming-Zeitalter stellt. Hansen zerteilte die 8 Songs seines Debütalbums in 30 Stücke, die jeweils exakt 29 Sekunden lang sind.

Da die Songs durch ihre Kürze von Spotify nicht als Stream gewertet werden ist, ist das Album mit dem Titel CRISIS (THE WORTHLESS ALBUM) damit wohl im besten Sinne ein „wertloses“ Album. Das Werk verhandelt damit ähnliche Fragen, die The Pocket Gods jetzt in ihrer neuen Veröffentlichung aufgreifen. Mittlerweile ist Hansens Album auch als Vinyl erschienen.

Auch wenn The Pocket Gods glauben, dass ihre Bezahlung auch deshalb gesunken ist, weil Spotify sich den kontroversen Podcast von Joe Rogan eingekauft hat, wollen sie sich überraschenderweise nicht der Kritik an Spotifys Umgang mit Falschinformationen, die seit einigen Wochen gegen den Streamingdienst vorgebracht wird, anschließen.

Spotify sei trotz der miesen Bezahlung eine wichtige musikalische Ressource und ermögliche es Indie-Bands Musik auch ohne großes Plattenlabel unabhängig zu veröffentlichen, so die Band. Außerdem glaube man an das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Spotify war vor Kurzem von mehreren Hundert Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen aufgefordert werden, den Podcast des us-amerikanischen Comedians Joe Rogan von der Plattform zu entfernen, da dieser Fehlinformationen zur Corona-Pandemie verbreite. Nachdem Spotify dieser Aufforderung nicht nachgekommen war, hatte der Musiker Neil Young öffentlichkeitswirksam seinen Rückzug von der Plattform angekündigt. Mehrere bekannte Musiker*innen wie Joni Mitchell und David Crosby sind seitdem Youngs Aufforderung gefolgt.

The Pocket Gods hatte sich bereits 2019 in ihrem Song „Spotify Give Us More Money This Christmas“ musikalisch mit den Tantiemen von Spotify auseinandergesetzt. Die Band hat seit 1998 74 (!) Alben veröffentlicht. Humor haben sie offenbar eine Menge: Ihr 73. Album heißt THE DIFFICULT 73RD ALBUM.


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