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Tanzen und Träumen im Admiralspalast: The xx live in Berlin

Dass The xx keine Band ist, die nach dem Konzert am Tresen sitzt und auf nassgeschwitzte Fan-Hände wartet, sollte bekannt sein. Die Unnahbarkeit der drei Briten zeigt sich an diesem Abend im Berliner Admiralspalast bereits am Anfang ihres Auftrittes. Als „Angels“, der Opener ihres neuen Albums Coexist erklingt, werden begleitende Visuals auf eine übergroße Leinwand projiziert, die dafür sorgt, dass von Romy, Oliver und Jamie bis zum ersten zarten Einschlag eines Beats nichts zu sehen ist.

Es folgt ein Mix aus Songs ihres 2009 veröffentlichten Debüts und dem in Kürze erhältlichen Nachfolger, der wohl meisterwarteten Platte des Jahres. Große Worte, natürlich. Aber welche Bestenliste wollte vor drei Jahren schon auf ihre undurchsichtigen, kargen und verhallten Ideen von Romantik verzichten? Welcher Herbstregen auf welcher Fensterscheibe soll da bitte mithalten? Eben. The xx, das war schon immer mehr R’n’B als Indie. Und sie hatten schon immer die Songs, die Gefühle in so wenig wie möglich kleiden konnten, um sie wachsen zu lassen.

Zurückhaltend oder gar ruhig muss sich dieser Auftritt aber nicht als Attribut gefallen lassen. Auch wenn die schüchternen Laute, die von den beiden Sängern und Gitarristen Romy und Oliver ausgehen, sich auf ein zaghaftes „Thank you“, ein Lob an die Vorband 2:54 und den Austragungsort herunterbrechen lassen, sorgt der mittlerweile auch in der Britbass-Szene anerkannte Produzent Jamie xx dafür, dass sich neben obligatorischem Kopfnicken, auch Hüfte und Füße auf eine Nachtschicht einstellen dürfen.

Während teilweise umgebaute Hits wie „Crystalized“ oder subtilere Stücke von Coexist in der ersten Konzert-Hälfte noch leisere Töne anschlagen, ist Jamie im späteren Verlauf der fleißigste x’ler und spielt am elektronischen Schlagzeug, seinen drum machines und allem anderen, was in der Steckdosenleiste noch Platz findet, von geraden House-Beats bis vertrackten Rhythmen, alles was er im Studio gelernt hat. Umso schöner, dass hier Stile miteinander verschmelzen, die zueinander passen und voneinander profitieren, ohne dass er Eindruck eines DJ-Sets mit xx-Samples aufkommt, oder die Stimmung darunter zu leiden hat. Wo sonst „ konsequente Entwicklung“ das Phrasenschwein klingeln lässt, nickt man hier zufrieden ab. Und tanzt. Und träumt.



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