The Head And The Heart

New Folk und kein Ende? Ja, aber seit Langem wieder mit großem Songwriting.

Und dann fleht er erst mal ein bisschen in seinen Bart hinein, Sänger Jonathan Russell. Aber das ist total in Ordnung, weil er sehr gediegen fleht, keinesfalls nach Aufmerksamkeit, sondern eher nach Gnade in fast religiösem Sinn. Kann man wohl unter gepflegtem Kunstgriff und Verfolgung uramerikanischer Musiktradition verbuchen, denn bisher meinte es das Schicksal gut mit der Band aus Seattle. Zwischen Gründung und der Unterschrift bei Sub Pop vergingen kaum anderthalb Jahre, die einschlägige Presse lobt beherzt, bei der diesjährigen Ausgabe der Musikmesse „South By Southwest“ in Austin und im Vorprogramm von Dr. Dog setzt die Band ein Ausrufezeichen.

Vergleiche sind leicht gezogen: Fleet Foxes werden gerne genannt, ebenso Grand Archives und die Avett Brothers. Mit denen teilt man die Vorliebe für die süffigen Westcoast-Exegesen von Buffalo Springfield und der mittleren Byrds. Manchmal erinnern die Songs aber auch an etwas facettenreichere 90er-Helden wie die Jayhawks oder Grant Lee Buffalo. Bester Beweis: das großartige, sich bei YouTube in diversen Live-Aufnahmen findende „Down In The Valley“.

Albumkritik S. 86

* Jonathan Russell und Co-Songwriter Josiah Johnson zogen der Musik zuliebe nach Seattle. Russell kommt von der Ostküste, Johnson aus Kalifornien.

* Die beiden trafen kurz nachdem sie ihre vorherigen Gruppen aufgelöst hatten, bei einer Open-Mic-Night im Conor Byrne Pub, einer kleinen Musikbühne in Seattle aufeinander. Hinter der Bar: Chris Zasche, später Bassist der Band.

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