Spezial-Abo
🔥„Im Autokino“ (Podcast-Kritik): Der privateste Filmpodcast Deutschlands

Podcast-Kritik

„Unter Pfarrerstöchtern“: Ein Podcast über die Bibel als Bergmassiv

„Wir sind kein Kirchenfunk wir wollen niemanden bekehren, wir sind keine Schule, wir wollen niemanden belehren.“

Noch vor dem Gespräch mit ihrer Schwester Johanna feuert Sabine Rückert eine Mahnung an die Hörerschaft. Es folgt eine kurze Abhandlung darüber, was dieser Podcast sein und nicht sein soll. Man könne sich, so Sabine, die Bibel als gewaltiges Bergmassiv vorstellen. Dieses habe sich in vielen tausend Jahren aufgetürmt und sei von Pflanzen überwuchert und von Abgründen durchfurcht. Über jenes Massiv wanderten die beiden Expertinnen nun mit achtsamem Blick und erfreuten sich an der Gegend. „Wir müssen von dieser Landschaft aber auch ein paar Irrtümer klären und die Patina abkratzen“, hakt Johanna rasch ein.

„Ob ihr glaubt oder nicht, ist uns einerlei“

Mit den Worten Sabines sind Sound und Intention des Formats gesetzt. Es geht ums charmante Rezitieren und Sichtbarmachen von Bibelversen im Angesicht der Gegenwart. Darunter tummeln sich Mythen über die Erschaffung der Welt, Noahs Arche oder die Städteentwicklung durch Sodom und Gomorra. Glauben muss man an die Wahrhaftigkeit jener Geschichten nicht. Auch darauf verweisen die Pfarrerstöchter in ihrem Disclaimer. Vielmehr wollen Sabine und Johanna Ursprünge und Deutungswege aufzeigen. So zum Beispiel der Verweis auf den Tierschutz auf „Noahs Arche“, der die Artenvielfalt zelebriert, und uns bis in heutige Klimawandel-Diskussionen begleitet. Jene Deutungsmuster führen auch zu der Frage, inwiefern etwa die patriarchale Unterdrückung der Frau längst in der Bibel zementiert sei. Immerhin habe Gott diese ja aus der Rippe des Mannes geschaffen. „Alle Fragen, die Menschen haben, sind in diesen Geschichten verborgen. Wir können sie nicht beantworten, aber wir können die Fragen aufmachen“, sagt Johanna in der Folge „Adam und Eva“.

Um ein Gespür dafür zu geben, wie der Urtext dieser Geschichten klingt, haben Sabine und Johanna zudem Einspieler von einem Sprecher aufnehmen lassen. Im Lutherdeutsch zu sphärischem Rauschen zitiert dieser prägnant aus der Bibel. Seit Dezember 2019 gelingt das Konzept jetzt schon so. Seither sind insgesamt 15 Folgen erschienen.



Willkommen in den Neunzigern: „Never Forget – der 90er-Podcast“ ist da!
Weiterlesen