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Verschwörungstheorien und zerkaute Beats – die Alben der Woche

von

Das Album der Woche – Poppy Ackroyd: „Escapement“

Rein instrumentale Musik hat es in Zeiten der ständigen medialen Beschleunigung nicht leicht, Beachtung zu finden. Für „Escapement“ das erste Solo-Album der klassisch ausgebildeten Musikerin und Komponistin (Klavier, Geige) aus Edinburgh, muss man als Hörer vor allem viel Zeit mitbringen. Zeit, sich in diese wunderbar nebelverhangenen Nummern zu vertiefen, mit denen sich Poppy Ackroyd außerhalb der klassischen Popmusik-Formate positioniert.

Musik, die das Leben entschleunigt, ohne dabei in Kitsch und Wohlklang abzugleiten. In den sieben Songs setzt die Musikerin vor allem auf sanft dahin­gleitende Klaviermelodien, die sie meist konventionell spielt, aber hin und wieder auch mit den Fingern zupft oder mithilfe eines Plektrums oder E-Bows erzeugt.

Franz Stengel

Herr Sorge – Verschwörungstheorien mit schönen Melodien

mit schönen Melodien Selbst in der nun nahezu ein halbes Jahrhundert währenden Geschichte des Konzeptalbums nimmt „Verschwörungstheorien mit schönen Melodien“ einen Sonderplatz ein: So konzeptionell war ein Konzeptalbum selten zuvor. Hinter Herr Sorge verbirgt sich niemand anderer als Samy Deluxe, der sich – da wäre man jetzt nicht drauf gekommen – große Sorgen macht und deshalb nun „Fröhliche Weltuntergangsmusik“ fertigt.

Einigermaßen flüssig rappend stellt er fest: Die Welt „wird regiert von Idioten“ und „die Kids wachen auf und wissen, die Zukunft ist vorbei“. Nein, es sieht nicht gut aus: Die Menschen twittern, anstatt miteinander zu reden und wir hocken „nur noch auf unseren Ärschen“. Kurz: „Die Vergangenheit hat uns eingeholt und die Zukunft ist vorbei.“ Die Beats zu diesen düsteren Aussichten sind meist ziemlich düster und die Stimmen werden, wohl um das entfremdete Dasein zu illustrieren, gern maschinell bearbeitet. Sich Sorgen machen, das kann auf Konzeptalbumlänge ganz schön anstrengend werden, aber Herr Sorge ist da ganz ehrlich: „Nein, ich hab keine Lösung, ich hab nur gute Texte.“ Allerdings: Um Letzteres muss man sich tatsächlich sorgen bei Deutschlands einst bestem Rapper.



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