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Völkermord an Armeniern: Warum das Drama „The Promise“ schon vor Kinostart sabotiert wird

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Am kommenden Wochenende startet in den USA das historische Drama „The Promise“ in den Kinos, in Deutschland wird der Film mit Christian Bale und Oscar Isaac erst im August zu sehen sein. Dann unter dem Titel „The Promise – Die Erinnerung bleibt“. Und glaubt man Stimmen auf imdb.com, der International Movie Database, handelt es sich bei „The Promise“ um einen der schlechtesten Filme aller Zeiten.

imdb.com ist ein wichtiger Indikator für viele Filmfans: Ist die Sternchenbewertung hoch, lohnt sich wahrscheinlich der Kinobesuch. Bei zu vielen negativen Bewertungen gehen Filme oft an den Kassen unter. „The Promise“ hat aktuell ein mittelprächtiges Standing auf der Website, dabei hat kaum jemand den Film gesehen. 70.000 Leute haben ihn ungesehen mit der Höchstwertung belohnt, 60.000 Menschen haben die niedrigste Wertung gegeben – dazwischen gibt es nicht viel. Der Grund für die Extreme: Das Drama von Regisseur Terry George ist zum Politikum geworden. Der Regisseur hat bereits mit „Hotel Ruanda“ einen wichtigen Film über das Thema Völkermord gedreht, gewann für sein Drehbuch damals sogar den Oscar.

Hunderttausende Tote

Die Handlung von „The Promise“ setzt 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein. Oscar Isaac reist als armenischer Student nach Konstantinopel (heute Istanbul), lernt dort einen Fotojournalisten (Christian Bale) und seine große Liebe Ana (Charlotte Le Bon) kennen. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die allerdings in den Hintergrund rückt, sobald der türkische Genozid an den Armeniern beginnt – und genau dieser Genozid wird von vielen Türken bis heute geleugnet.

Ausgehend von den Machthabern des Jungtürkischen Reiches, wurden ab 1915 über eine Million ethnischer Armenier vertrieben, bei Massakern, Verwüstungen von Städten und einer folgenden Hungersnot kamen zwischen 300.000 und 1.500.000 Menschen um. Die Schätzungen schwanken stark.

Oscar Isaac in „The Promise“

102 Jahre nach dem Auftakt des versuchten Genozids kommt nun „The Promise“ in die Kinos, das Drama möchte noch einmal weltweit auf die grausamen Ereignisse aufmerksam machen. Und ist dadurch mutmaßlich ins Visier von türkischen Internet-Trollen geraten, die die Massaker an den Armeniern bis heute nicht eingestehen wollen. Es hagelte Shitstorms für die Produktion, dazu schlechte Vorab-Bewertungen des Films, der circa 100 Millionen Dollar gekostet hat und auf einen Erfolg an den Kinokassen angewiesen ist.

Deutsche Mitschuld am Massensterben

Die Anerkennung des Völkermordes beschäftigt seit nunmehr einem Jahrhundert Historiker und Diplomatie. Die Bundesregierung hat eine Mitschuld des Deutschen Kaiserreichs an den Massakern eingeräumt und 2016 eine Resolution beschlossen, in der die ethnischen Säuberungen auch offen als Völkermord bezeichnet werden. Die Resolution sorgte für diplomatische Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei, die dortige Regierung sieht die Morde an den Armeniern immer noch als Konsequenz des Krieges und nicht als den Versuch einer ethnischen Säuberung an.

Der 24. April, der Jahrestag der ersten Verhaftungen armenischer Intellektueller in Konstantinopel, wird als „Genozid-Gedenktag“ begangen. Erst am Dienstag verärgerte Donald Trump die türkische Regierung, als er Anteilnahme anlässlich des Jahrestages zeigte.

Prominente Unterstützer für das Drama

Der Kinostart von „The Promise“ ist also geschickt gewählt, auch wenn er nun Sabotage-Versuche abwehren muss, die in sozialen Medien oder eben auf imdb.com stattfinden. Aus diesem Zweck haben Survival Pictures, die den Film produzieren, eine Kampagne gestartet, in der Prominente Aufmerksamkeit für den Film generieren sollen – und natürlich an den Völkermord erinnern. Elton John und Leonardo DiCaprio sind nur zwei der Fürsprecher für den Film:

Capelight
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