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Was die deutsche Netflix-Serie „Dark“ so stark macht – und was noch besser werden muss

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Seit Freitag läuft auf Netflix die erste deutsche Eigenproduktion des Streaming-Riesen. In „Dark“ geht es um Kindermorde und Zeitreisen, um Geheimnisse eines fiktiven Orts in den düsteren Wäldern der Bundesrepublik. Viel diskutiert wurde die Serie bereits zum Start, doch Kritikern wurden nur einige Folgen der ersten Staffel gezeigt. Nach dem großen – und leider wenig gelungenen – Finale der ersten Staffel gehen wir nun noch einmal in die detaillierte Analyse und sagen, in welchen Momenten „Dark“ besonders gut war. Und in welchen sich die Serie selbst ein Bein stellte. (Achtung, Spoiler inklusive.)

Das Casting

Vielleicht die größte Sensation bei „Dark“. Simone Bär hatte die schwere Aufgabe, viele der Figuren in verschiedenen Stadien ihres Lebens zu besetzen. In alt und jung, für den Zuschauer stehts nachvollziehbar. Die Serie zieht einen großen Reiz aus dem Entdecken und Zuordnen der Charaktere. Nicht nur wirkt der Großteil des Ensembles optisch wie aus einem Guss, auch spiegelt sich die bedrückende Stimmung in den Gesichtern der Schauspieler wieder. Einziges Manko, mit dem die Schauspieler kämpfen müssen:

Die Dialoge

Dieser Todernst, der sich durch „Dark“ zieht, ist stellenweise unerträglich. Vor allem, wenn kryptische Floskeln ausgesprochen werden, bricht die Serie ein. „Das Geheimnis ist so groß, es sitzt mit am Tisch und isst, bis es platzt“ – unangenehm. Auch der erwachsene Jonas bekommt während der gesamten Staffel keinen einzigen Satz heraus, den ein normaler Mensch sagen würde. In den Dialogen verläuft sich „Dark“ leider oft in Kitsch und Pathos.

Die Songs

Der Soundtrack der Serie ist schlichtweg großartig. Der Titelsong „Goodbye“ von Apparat feat. Soap&Skin bringt die Stimmung auf den Punkt, während der Episoden laufen Agnes Obel, Fever Ray, Blixa Bargeld und für die Nostalgiker auch immer wieder Nena. Bei der Auswahl der Lieder haben die Macher verdammt gutes Gespür bewiesen.

Der Score

Die Kompositionen von Ben Frost sind zwar ganz wunderbar, allerdings „vergeigt“ die Serie den Einsatz dieser an vielen Stellen. Man hört permanent irgendwelche Instrumente, die Stimmung soll so wohl künstlich nach oben getrieben werden. Dies ist in vielen Szenen unnötig, sorgt für entnervte Zuschauer und erinnert mitunter an das Finale von „Lost“ in Dauerschleife.

Die Story

„Dark“ ist „Zurück in die Zukunft“ mit toten Kindern, also eine verdammt ambitionierte und mutige Geschichte. Kein Wunder, dass die Serie auf Netflix und nicht irgendwann Nachts im Ersten läuft. Die Erzählung auf drei Zeitebenen gleicht Gehirnjogging, fordert den Zuschauer und belohnt ihn mit kleinen Enthüllungen, die über die gesamte Serie verteilt sind. Der Moment, in dem Ulrich dem kleinen Helge den Schädel einschlägt, ordnet die Verhältnisse der Figuren gleichzeitig in zwei weiteren Zeitebenen – großer Sport.

Das Finale

In „Dark“ sterben plötzlich zahlreiche Tiere im Ort.

Noah redet vom Kampf zwischen Gut und Böse, viele Fragen bleiben offen, wodurch sich viele Handlungsstränge rückwirkend unnütz anfühlen. Dazu landet Jonas im Jahr 2052 wird von Karnevals-Soldaten mit dem Spruch „Willkommen in der Zukunft“ begrüßt – Fuck You „Dark“! Die finale Folge der ersten Staffel war stellenweise erhellend, zeitgleich aber auch die schwächste.

Referenzen und Nostalgie

Der DeLorean wird erwähnt, Jonas‘ Jacke erinnert an „Es“, im Radio läuft eben Nena. „Dark“ verweist auf seine Vorbilder und die Popkultur der 80er, wird dabei aber nicht zu einem Referenz-Porno wie „Stranger Things“. Lieber konzentriert sich die Serie auf das irre Figurennetz, das hier in 10 Folgen aufgebaut wird.

Effekte und Peinlichkeiten

Wenn in der letzten Folge plötzlich schwarze Löcher entstehen, ist das nahezu lachhaft und reißt die Zuschauer völlig aus der Stimmung raus. Wenn man keine coolen Effekte hinbekommt, dann lieber komplett drauf verzichten. Verzichten kann man in Deutschland übrigens auch auf diese orangefarbenen Medikamentenpackungen, die hierzulande sowieso kein Mensch benutzt. Jonas nimmt in einer Szene aus einem dieser Zylinder seine Medikamente, vielleicht sollen sich amerikanische Zuschauer dadurch besser in Winden aufgehoben fühlen.

Die erste Staffel von „Dark“ ist seit dem 1. Dezember auf Netflix verfügbar. Eine zweite Staffel ist noch nicht angekündigt, wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit bald in Produktion gehen.

 

Zum Start von „Dark:“ Wie Netflix die Serienlandschaft in Europa verändert

Netflix


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