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Interview

Was wurde eigentlich aus… Robby Krieger (The Doors)?

Musikexpress: Auch 45 Jahre nach ihrem Ende zählen The Doors zu den wichtigsten Bands der Rockgeschichte. Hätten Sie das je gedacht?

Robby Krieger: Auf keinen Fall! Ich hatte gehofft, dass sich die Leute vielleicht noch ein paar Jahre an uns erinnern. Aber nicht 50! Das liegt an den Songs: Man kann noch so gut aussehen und sich noch so verrückte Publicity-Stunts ausdenken, aber das Einzige, was ewig hält, ist die Musik. Das ist der Grund, warum die Leute bis heute auf Mozart und Bach stehen – und auf The Doors.

Vor einigen Monaten ist schon wieder ein Remaster Ihres Debütalbums erschienen. Wie viele Neuauflagen braucht ein Fan?

Kooperation

Ich gebe zu, dass die neue Version nicht viel anders klingt als vorherige Abmischungen. Aber irgendwas muss besser oder anders daran sein, sonst würde sich unser Techniker, Bruce Botnick, nicht die Mühe machen.

Was schießt Ihnen durch den Kopf, wenn Sie alte Doors-Alben hören?

Ich höre sie mir nie an, weil ich die Songs so oft gespielt habe, dass ich sie in- und auswendig kenne. Aber ich spiele sie immer noch live, mit meiner Freizeit-Band. Mein Sohn Waylon ist unser Sänger.

Anders als Ihre Bandkollegen Ray Manzarek und John Densmore haben Sie noch keine Autobiografie verfasst.

Das bringt nur Ärger. Als Ray und John ihre Bücher rausbrachten, hat das für enorme Unstimmigkeiten und sogar für Gerichtsprozesse gesorgt. Darauf verzichte ich gern.

Gibt es etwas, das die Leute noch nicht über The Doors wissen?

Oh ja, einiges …

Zum Beispiel?

Ist Ihnen bekannt, dass „Light My Fire“ ursprünglich in „Apocalypse Now!“ eingesetzt werden sollte? In einer Szene, in der die Soldaten Kindern beibringen, wie man „Light My Fire“ singt. Doch die wurde leider gestrichen. Oder wussten Sie, dass Fidel Castro Doors-Fan war? Sein Lieblingssong war „Roadhouse Blues“, er hat ihn immer bei einer Zigarre und einem Glas Rum gehört. Ein Freund von mir kannte ihn.

Was ist mit Jim Morrison? Haben Sie da auch ein paar Anekdoten?

Er hat uns nie gesagt, worum es in seinen Stücken geht. Jedes Mal, wenn wir ihn gefragt haben, hieß es: „Findet es selbst heraus.“ Natürlich hielten wir das für arrogant, aber er wusste, dass seine Texte unterschiedliche Bedeutungen hatten. So waren sie angelegt. Und als ich den Text von „Light My Fire“ schrieb, meinte er: „Halte es möglichst universal und formuliere es so, dass es nicht nächstes Jahr schon wieder aus der Mode ist.“

Ein toller Ratschlag. Aber: Liebe, Freiheit und Erleuchtung sind tatsächlich nie aus der Mode gekommen.

Das war gut für den Mythos der Band. Jim wusste, wie man sich verkauft. Er hat die ganzen französischen Philosophen, die er studierte, im Grunde nie zitiert. Alles, wovon er sang, ließ er sich einfach so einfallen, was wahrscheinlich an dem großartigen Marihuana lag, das er ständig rauchte. Keine Ahnung, wo er das her hatte, aber es war ziemlich gut.

Stimmt es, dass er auf Alkohol und Drogen unausstehlich war?

Wenn er betrunken oder stoned war, hat er sich in dieses verrückte Arschloch verwandelt. In Mr. Mojo Risin’. Dann war er ein ganz anderer Mensch – kein angenehmer.

Wären Ray Manzarek und Jim Morrison noch unter uns: Würden The Doors heute Blues-Cover spielen? Oder ihre Klassiker? Oder wären sie längst in Rente?

Ich denke, wir würden uns am Rap versuchen. (lacht) Weil das rebellisch wäre – oder zumindest anders. Ich warte darauf, dass endlich etwas Neues in der Musik passiert. Musik ist nur noch ein Aufguss von Sachen, die es schon gab. Vielleicht ändert sich das, wenn die Leute genug von dem digitalen Kram haben. Denn der ist schlecht fürs Hirn.

Doors-Legende Robby Krieger beim 10. „Medlock Krieger All Star“-Konzert am, 27. August 2017 in Malibu
Doors-Legende Robby Krieger (72) beim 10. „Medlock Krieger All Star“-Konzert am, 27. August 2017 in Malibu

Dieses Interview erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 06/2017 in der Rubrik „Lange nichts gehört von…“.

Scott Dudelson Getty Images

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