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Xavier Naidoo holt mit „Marionetten“ zum Gnadenstoß gegen alle Volksverräter aus

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Die Söhne Mannheims haben vor ein paar Wochen mit „Guten Morgen“ die erste Single aus ihrem neuen Album MANNHEIM (!) veröffentlicht. Die schielt auf massig Airplay in den Morningshows der Privatsender dieses Landes, ist aber in ihrer grenzenlosen Banalität nicht weiter der Rede wert. Mit einem anderen neuen Song der Söhne Mannheims verhält sich das leider anders: Am Wochenende hat ein Lied namens „Marionetten“ seinen Weg ins Internet gefunden (und ist daraus in der Zwischenzeit wieder verschwunden). Und darin beweist Sänger Xavier Naidoo einmal mehr eindrucksvoll, auf welcher Seite der Macht er steht.

Kurzer Rückblick: Xavier Naidoo, das ist nicht nur einer der kommerziell erfolgreichsten Popsänger Deutschlands. Der „Das goldene Brett“-Gewinner fällt auch seit Jahren durch Verschwörungstheorien, Auftritte auf Reichsbürger-Demos, homophobe und rassistische Äußerungen sowie der Behauptung auf, Deutschland sei noch immer ein von den USA besetztes Land. Als ARD und NDR ihn ohne Wahlentscheid als Direktkandidat für Deutschland zum Eurovision Song Contest 2016 schicken wollten, traten sie damit einen Sturm der Entrüstung los: Ein (musikalisch und) politisch fragwürdiger Kandidat könne unmöglich Deutschland vertreten, so der Tenor unter den Kritikern. Die ARD sah sich zum Handeln gezwungen und zog Naidoos Wild Card zurück. Seinem Erfolg tat das keinen Abbruch: Regelmäßig hofiert man ihn durch die Castingshow-Jurys, prominente Musiker und Medienmacher machten sich gar in einer einseitigen FAZ-Anzeige stark für ihn. Und dieses Jahr moderierte er, gemeinsam mit Sasha, den ECHO 2017.

Wer von all den Vorfällen bisher nichts mitbekam oder hoffte, Naidoo hielte sich fortan wenigstens zurück, wird von ihm persönlich nun eines Besseren beziehungsweise Schlechteren belehrt: Im neuen Song „Marionetten“ der Söhne Mannheims unterstreicht Naidoo seine Weltanschauung, die er mit so vielen Wutbürgern dieses Landes teilt. Er singt von Tatsachenverdrehern, dem Vergehen an Unschuldigen, Volksverrätern statt Volksvertretern, gesteuert von Puppenspielern. Wer diese Puppenspieler sein sollen – Merkel, Obama, Reptiloiden? – sagt er nicht. Aber die Söhne Mannheims drohen indirekt damit, dass „der wütende Bauer mit der Forke dafür sorgt, dass Ihr einsichtig seid.“ Den Rappart sparen wir an dieser Stelle lieber aus, weitere Songtitel wie „Hört Hier Eigentlich Jemand Zu“ und „Der Deutsche Michel“ verheißen nichts Versöhnlicheres.

Lieber Henning Wehland, liebe andere Söhne Mannheims, liebe Pop-Elite Deutschlands: Warum lasst Ihr so einen Typen machen? Liebe wütende Bauern mit der Forke, die Naidoo nun ein kumpelhaftes „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“ entgegenrufen wollen: So schwer es Euch zu glauben fallen mag – Ansichten wie die von Naidoo sind eine größere Gefahr für das Land, in dem Ihr lebt, als dass seine Politiker und „Gutmenschen“ eine Gefahr für Euch sind. Aber was sollen wir auch anderes sagen: Wir sind ja auch nur ein Teil der Mainstreammedien. Marionetten. Steigbügelhalter. Sachverwalter. Lügenpresse.

Update: Das nicht offiziell hochgeladene Video wurde zwischenzeitlich gesperrt. Der Song ist auf dem neuen Album der Söhne Mannheims erschienen und unter anderem bei Amazon und bei iTunes vorzuhören.

Xavier Naidoo im Interview: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“

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