Aus dem Archiv

Xavier Naidoo im Interview: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“

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Wenn man dieser Tage behauptete, Xavier Naidoo wäre nun endgültig von allen guten Geistern verlassen worden – er würde wohl erst recht das Gegenteil behaupten. Naidoo, dank Charthits wie „Sie sieht mich nicht“, „Dieser Weg“ und „Nicht von dieser Welt“ bis heute einer der kommerziell erfolgreichsten deutschsprachigen Popmusiker, war vor ein paar Wochen in einem Video zu sehen, in dem er gegen Flüchtlinge und politische Korrektheit hetzt und folglich aus der „DSDS“-Jury geworfen wurde. Er irrlichtert sozusagen noch immer „Vom Popstar zum Populisten“, wie etwa Georg Diez im Jahr 2014 bei Spiegel Online schrieb. Als Beweise dafür wurden unter anderem Auftritte von Naidoo auf Montagsdemos der neuen Rechten angeführt, Videos dazu kursierten im Internet. In denen sah und sieht und hört man dann, wie Naidoo Deutschland eine Verfassung abspricht, das Land noch immer für besetzt hält und es als Kriegstreiber überhaupt verboten gehöre. In diesen Monaten prescht Naidoo wieder voran und spricht von Adrenochrom, leugnet menschengemachtem Klimawandel, wirft Angela Merkel vor, unsere Rentner zu töten, weist auf Pläne zur Vernichtung Deutschlands hin, nennt SPD und Linke Faschisten, lässt sich von Eva Herman interviewen und so weiter.

Spiegel Online und andere Medien erinnerten schon damals daran, dass Musiker, Glaubensfanatiker und Castingshow-Juror Naidoo nicht erst jetzt mit seinen rechten Thesen und Verschwörungstheorien auffalle – schon 2011 hatte er ein Interview im ARD-Morgenmagazin gegeben, nachdem man ihn entweder nicht mehr ernst nehmen konnte oder als gefährlich einstufen musste. Tatsächlich aber geht Naidoos Gerede viel länger zurück: Bereits im Juni 1999 sprach er im Interview mit Musikexpress unter anderem von Wettstreits von Religionen, Kreuzzügen, der Apokalypse und Mannheim gegen Amerika. So gab Naidoo etwa zu, dass er ein Rassist sei, „aber ein Rassist ohne Ansehen der Hautfarbe. Ich bin nicht mehr Rassist als jeder Japaner auch“.

Lest das komplette Interview (in alter Rechtschreibung) von Peter von Stahl aus unserem Archiv hier.

ME: Grüß Gott!

Xavier Naidoo: (lacht) „Wenn ich ihn sehe – das sagt man dann doch immer? Ist aber eine schöne Begrüßungsformel – primär südlich des Schwarzwaldes und hinüber nach Bayern in die gottesfurchtigen Gegenden, beim Pietkong.“

Klingt, als hättest du Probleme mit den Pietkong-Führern – Papst, Bischöfe, Kardinale?

„Generell bin ich eher mißtrauisch. Ich versuche meinen Glauben rein zu halten und keine Religionen mit einzubeziehen.“

Glauben denn nicht alle Menschen im Grunde an den gleichen Gott?

„Nein! Ich bin Christ. Ich glaube an Jesus Christus und an seinen Vater. Es ist ja auch nicht uninteressant, wie ich dich nenne. Auch du willst bei deinem Namen genannt werden. Wenn der Name meines Gottes Allah wäre, dann hätte er keinen Sohn. Das ist nicht mein Gott, da gibt es nichts zu diskutieren.“

Während deines Zivildienstes bist du aus Langeweile auf die Bibel gestoßen. Und wenn nun zufälligerweise eine deutsche Koran-Übersetzung herumgelegen hätte?

„Ich glaube nicht, daß mich der Koran derart fasziniert hätte. Dort, wo ich die Bibel aufgeschlagen habe, war das, was ich da gelesen habe, so aktuell, daß es auch eine Reportage gewesen sein könnte.“

Hattest du dich vor dieser Zeit schon mit Glauben beschäftigt?

„Wie alle, war auch ich im Angesicht des Milleniums auf der Suche. 1993 bin ich fündig geworden. Zuvor hatte ich vieles in Betracht gezogen. Vieles, was ich jetzt verurteile – Wahrsagerei, Astrologie.“

Duldest du wenigstens, daß andere Menschen an einen anderen Gott glauben?

„Das erlaubt mir meine Erziehung: Ich habe immer Respekt vor dem anderen Menschen. Aber er wird mir niemals erzählen können, daß sein Gott über meinem steht. Jeder Moslem wird sich mit mir darüber vortrefflich streiten können – warum soll ich das nicht auch tun? Für mich ist das ein legaler Wettstreit der Religionen, der nun kurz vor der Entscheidung steht.“

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