Zum Hinsehen – Die Sieger der Leinwandsaison 2000


Die besten Filme, die Hoffnungsträger und die erfreulichsten Soundtracks der letzten zwölf Monate.

APPLAUS

RUSSELL CROWE Er ist Maximus. Und der übergewichtige Jeff Wigand in Insider. Große Leistung, aber zum Star wurde der beste Australier des Jahres (auf den Plätzen folgen Hugh Jackman, Heath Ledger und Adam Garcia} mit seinem Galaauftritt in Gladiator als römischer Clint Eastwood. Ave!

PHILIP SEYMOUR HOFFMANN Könnte eigentlich einen Stammplatz in dieser Liste beantragen: Dieser Mann macht einfach nichts falsch! Stahl Jude Law, Matt Daemon und Gwyneth Paltrow die Schau in Der talentierte Mr. Ripley, rührte zu Tränen in Magnolia und wird im nächsten Jahr rocken als Lester Bangs in Almost famous.

TOBEY MAGUIRE Darf man vorstellen: der frisch gebackene Spider-Man, ab 2002 auch im Kino ihres Vertrauens. Lange war Tobey Maguire nur als bester Freund von Leo DiCaprio bekannt. Mit drei starken Auftritten in Ride With The Devil, Gottes Werk und Teufels Beitrag und Wonder Boys hat er sich frei geschwommen. Wer ist Leo?

CONNIE NIELSEN War bisher ausschließlich in Minirollen (unter anderem Im Auftrag des Teufels) aufgefallen, aber 2000 bescherte der Dänin, die sechs Sprachen fließend spricht, den Durchbruch. Erst war sie das einzig Gute an Mission To Man, dann behauptete sie sich in Gladiator neben Größen wie Russell Crowe und Joaquin Phoenix.

CAMERON DIAZ Wegen ihr allein lohnt sich schon der Besuch von Charlle’s Angels.

Egal ob sie nun in Spider-Man-Unterhosen Postboten bezaubert, den Robot tanzt oder beim Kickboxen mit ihrem 8210-Nokia telefoniert – Cameron Diaz ist vom Scheitel bis zur Sohle ein Star. Und wenn sie lächelt, geht die Sonne auf!

BRAVISSIMO

MAGNOLIA 190 Minuten, neun Hauptdarsteller, ein dicker Themenkatalog von Verlust über Schuld, Sühne, Vergebung bis Tod, und doch: Unterhaltsamer und aufregender kann Kino nicht sein. Schon jetzt Filmgeschichte: der atemlose Prolog, der Chor zu Aimee Manns „Wise Up“ und der Froschregen!

INSIDER Ein erwachsener, komplexer Thriller über die kriminellen Machenschaften der Tabakindustrie. Russell Crowe und AI Pacino sind einfach brillant unter der umsichtigen Powerregie von Michael Mann.

AMERICAN BEAUTY Endlich einmal ein würdiger Oscar-Abräumer: Die tragikomische Geschichte eines Vierzigers, der das Leben neu entdeckt, entfaltet sich wundersam und offenbart stetig neue Wendungen und Wahrheiten.

BEING JOHN MALKOVICH Surreal und verrückt: der unberechenbarste Film des Jahres, in dem buchstäblich alles möglich ist – auch die 15-minütige Reise in das Bewusstsein von John Malkovich. Malkovich! Malkovich!

GLADIATOR Visionäres Big Budget-Hollywood mit einem Hang zum Größenwahn, wie es sein soll. Ridley Scott peppt ein längst beerdigtes Genre mit furioser Action und dem coolsten Russell Crowe aller Zeiten auf.

BOYS DON’T CRY Im Spannungsfeld zwischen „Kaltblütig“ und „My Private Idaho“ nutzt Kimberty Pierce einen wahren Mordfall aus dem amerikanischen Hinterland, um tradierte Geschlechterrollen zu hinterfragen.

INTHEMOODFORLOVE Wong Kar-Wais fragmentarisches Melo einer Affäre: Aufregendes Kino der Gesten, Stimmungen und Andeutungen, in dem nichts ausgesprochen wird und die Kostüme und Bauten die Geschichte erzählen.

CRAZY Hans-Christian Schmids Verfilmung des Bestselters von Bejamin Lebert erzählt vom Jungsein wie seit den Tagen von „Moritz, lieber Moritz“ und „Die große Flatter“ kein deutscher Film.

THREE KINGS Ein „M*A*S*H“ der CNN-Ära: Eine wahnwitzige Actionkomödie über den Golfkrieg, in der „Der Schatz der Sierra Madre“ zitiert und mit bitterem Zynismus die Außenpolitik der USA angeprangert wird.

SOUTH PARK Volle Breitseite gegen Zensur und Bigotterie im wahnwitzigsten Zeichentrickfilm der Filmgeschichte. Und wer anderer Meinung ist: Fick dich und halt’s Maul, Onkelficker!

DA CAPO!

GHOSTDOC Grandios übermüdeter Trip-Hiphop vom RZA, ein herrlich launischer Soundtrack für zielloses Fahren durch nächtliche Großstadtschluchten. Nicht nur gut, sondern auch wegweisend: Das neue, große Album des Wu-Tang Clan würde ohne GHOST DOC ganz anders klingen.

MAGNOLIA Die traurigen Songs von Aimee Mann über die andere Seite sind nicht einfach nur wichtig für P.T. Andersons Film. Ohne sie gäbe es ihn überhaupt nicht: Beim Schreiben des Drehbuchs ließ sich Anderson von ihnen inspirieren und übernahm teilweise ganze Passagen in seine Dialoge. Wowl

HIGH FIDELITY Ehrensache, dass ein Film über Plattensammler auch gute Musik vorzuweisen hat. Von 13th Floor Elevators bis Stereolab erstreckt sich die eklektische Songauswahl, die nur einen gemeinsamen Nenner hat: guten Geschmack. Ist ja auch was.

M:l-2 So macht man Blockbuster-Soundtracks, die nach vorne losgehen (neben ROMEO MUST DIE und CHARLIE’S ANGELS war M:l-2 der einzige Soundtrack des Jahres, der in den Charts nennenswert einschlug). Die Metallica-Single war okay, aber die Limp-Bizkit-Variation von Lalo Schifrins genialem Thema erwies sich als begnadet.

SOUTH PARK Sowohl im Original als auch in der deutschen Bearbeitung schlicht und ergreifend großartig: „Blame Canada“ wurde zum ersten Oscar-nominierten Song, in dem das F-Wort vorkommt. Aber auch die schnelle Punknummer „Was würde Brian Boitano tun?“ und der ansteckende „Onkelficker“ haben Monty-Python-Format.