Highlight: Sigrid, Superorganism und Co.: Was wurde aus den Acts unserer Hotlist 2018?

Radar

5 Newcomer, mit denen wir den Frühling beginnen wollen

Goat Girl

Was macht eine der reichsten Städte der Welt, wenn nach einer Katastrophe auffällt, dass viele der Hochhäuser beim kleinsten Funken innerhalb weniger Minuten abfackeln wie ein Strohhaufen im Hochsommer? Sie schaut sich neue Feuerwehrautos an. „Was kommt als Nächstes, Eimer mit Wasser, die man neben die Häuser stellt, damit die Bewohner im Notfall schnell selbst löschen? Das Geld ist da, aber es wird nur Unsinn damit angestellt.“

Lottie ätzt, auf ihre Art: völlig unaufgeregt und ohne Empörung, wie eine Lehrerin, die es gewohnt ist, ausschließlich Fünfen und Sechsen zu geben. Doch hinter dieser Fassade lodert ein Feuer, ganz kurz zischt sie: „Was mich fassungslos macht, ist diese Unbeteiligtheit der Leute.“ Dann ist Lottie wieder die Ruhe selbst und sagt mit ihrer dunklen Stimme: „Die Einwohner von London machen ihr Ding, keiner kümmert sich um den anderen – und wenn was schiefgeht, wundern sich alle.“

Brexit, Terror, Hochhausbrände – und in der Regierung viele männliche Dumpfbacken und eine Premierministerin, bei der man nie weiß, ob sie unser Mitleid verdient hat oder nicht. Das ist London, das ist England 2018. Und Lottie ist die Sängerin von Goat Girl, der besten neuen Band aus dieser Stadt, aus diesem Land. Das passt alles ganz wunderbar.

Mehr zu Goat Girl findet Ihr in der Musikexpress-Ausgabe 04/18.

Klingt wie: The Raincoats, The Gun Club, Pavement

Mien

Alex Maas, der mit seiner Hauptband, The Black Angels, bereits fünf Alben veröffentlicht hat, freut sich über das Debüt seiner neuen Gruppe wie ein 16-Jähriger, der gerade verstanden hat, wie ein Lachgas-Entkapsler funktioniert. Mien, gesprochen wie das englische „mean“, Sound: dunkel.

„Wir sind alle ziemlich glückliche Menschen“, sagt Maas, „wir machen düstere Musik, um unsere kinky Seiten rauszulassen. Sexuelle Musik zieht mich an, das geht doch allen so, oder?“ Nun, zu beurteilen, ob Mien sexy sind, sollte vielleicht anderen überlassen sein als dem Mann mit dem graumelierten Bart.

Aber eine gewisse Sleazyness kann man der Mixtur wirklich nicht absprechen. „Man stelle sich die Black Angels als Nico in ihrer 80er-Industrial-Phase vor, gekreuzt mit George Harrison und Conny Plank“, beschreibt Soundbastler John Mark Lapham den Sound der neuen Band.

Mehr zu Mien findet Ihr in der Musikexpress-Ausgabe 04/18.

Nakhane

Nakhane Touré ist Sänger, Schauspieler, Schriftsteller, ein offen schwuler Mann in Südafrika. Im kontroversen Filmdrama „The Wound“ spielt er einen Xhosa, der seine Homosexualität verbergen muss. In gravitätischen Elektro-Soul-Nummern singt er über ein Leben zwischen alter Zerrissenheit und neuem Mut. In Nakhanes Musik zerfallen alle Klischees, die man sich über afrikanische Musik macht. Glam-Momente gibt es ebenso wie intimes Songwriting, Anohni-Pathos steht neben Club-Elektronik.

Soccer Mommy

Die Geschichte von Sophie Allison ist eines dieser Indie-Märchen, in dem eine junge Frau mit Lo-Fi-Gitarrensongs eine Fangemeinde um sich schart. Auf Bandcamp-EPs (mit schönen, spröden Titeln wie „Songs From My Bedroom“ oder „Songs For The Recently Sad“) erzählt sie seit 2015 vom Erwachsenwerden. Nun erscheint das erste richtige Album: CLEAN. Soccer Mommys Indie-Pop klingt leicht und schimmernd und taucht trotzdem in emotionale Tiefen ab. Dabei ist sie so smart, von Momenten der Schwäche immer auch mit Stärke zu erzählen – und andersherum.

Surma

Dèbora Umbelino hat nach dem Jazzstudium kurzerhand ihre eigene One-Woman-Band gegründet, in der sie singt, Gitarre und Bass spielt und alles mit Loop-Pedals aufschichtet. Heraus kommt eine eigensinnige Mischung aus Jazz, Ambient und Post-Rock. Womöglich hat die 22-Jährige viel Björk und Joanna Newsom gehört. Jedenfalls strahlt in Surmas Gesang eine ähnliche ätherische Verschroben- und Verspieltheit. Schöne Bilder dazu liefert das surrealistische Video zu „Hemma“ mit seiner Pantomimen-Planeten-Choreografie auf einer Weide in der Dämmerung.


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