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Filmempfehlungen

5 Streaming-Tipps zum Internationalen Tag gegen Rassismus

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Relevante Filme zeigen neue Perspektiven auf das Leben und die Gesellschaft auf, gut umgesetzt erweitern sie womöglich dauerhaft den Horizont des Publikums. Wenigen gelingt es, die gezeigten Ereignisse nicht nur verständlich, sondern sogar nachempfindbar zu machen. Soweit das eben auch für jene Zuschauer*innen möglich ist, die selbst nichts Vergleichbares erlebt haben.

Anlässlich des „Internationalen Tag gegen Rassismus“ am 21. März empfehlen wir fünf Filme, denen genau das gelingt. Darunter auch „The Hate U Give“, der am heutigen Samstag, den 20. März um 20:15 Uhr auf ProSieben zu sehen ist.

  1. „The Hate U Give“ (2019)

Starr Carter (Amandla Stenberg) ist erst 16 Jahre alt und führt dennoch bereits eine Art Doppelleben: Sie wohnt in einem armen, kriminellen Viertel, das insgeheim von einem Drogenkartell regiert wird. Gleichzeitig geht sie in einem wohlhabenderen Stadtteil zur Schule, die hauptsächlich von privilegierteren Kindern besucht wird. Als ihr bester Freund Khalil (Algee Smith), der wie sie selbst Schwarz ist, von einem Polizisten erschossen wird, wird sie feinfühliger für die rassistischen Dynamiken um sie herum und entschließt sich, sich dagegen zu engagieren.

Basierend auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Angie Thomas, gelingt George Tillmann Jr. in seiner Adaption etwas Herausragendes: Obwohl für ein junges Publikum gedacht und grundsätzlich als Coming-Of-Age-Story angelegt, schafft es der Film, die Themen rassistische Diskriminierung und Polizeigewalt in der notwendigen Ernsthaftigkeit zu erzählen.

ProSieben zeigt „The Hate U Give“ am Samstag, den 20. März um 20:15 Uhr. Außerdem ist der Film als Leihoption bei zahlreichen Anbietern verfügbar.

  1. „One Night in Miami“ (2021)

Ein Treffen der Superlative: Aktivist Malcolm X, Boxer Cassius Clay, Football-Spieler Jim Brown und Soul-Sänger Sam Cooke kommen in der Nacht des 25. Februar 1964 in einem Hotelzimmer in Miami zusammen. Clay (Eli Goree), der bald seine Konversion zum Islam und damit seinen neuen Namen „Muhammad Ali“ verkünden wird, ist gerade das erste Mal Boxweltmeister im Schwergewicht geworden. Doch anders als erwartet, hat Malcom X (Kingsley Ben-Adir) nicht zum Feiern geladen: Er möchte mit seinen Freunden besprechen, wie ihre Beliebtheit und ihr Einfluss genutzt werden kann, um gegen Rassismus vorzugehen und die Situation der afroamerikanischen Bevölkerung verbessert werden kann.

Regina Kings Regiedebüt wurde gerade für drei Oscars nominiert. Unter anderem für das beste adaptierte Drehbuch von Kemp Powers, das in diesem intensiven Kammerspiel den Kampf für Gleichberechtigung ins Zentrum rückt: Wie kann Veränderung erreicht werden? Und welche Opfer muss ein Einzelner für die gemeinsame Sache bringen? Im fiktionalisierten Treffen sind es vor allem X und Sam Cooke (Leslie Odom Jr.), die über diese Debatte in Streit geraten.

In der Flatrate von Amazon Prime Video verfügbar.

  1. „Ma Rainey’s Black Bottom“ (2020)

Chicago, 1927: Eigentlich sollte Ma Rainey (Viola Davis) längst im Tonstudio angekommen sein, doch die „Mutter des Blues“ verspätet sich mal wieder. Indes trifft nach und nach ihre Band ein und macht sich im Probenkeller bereit. Schnell entstehen Gespräche über vermeintlich Alltägliches, aus denen sich nach und nach ein Bild des vorherrschenden Rassismus ergibt. Als Ma Rainey mit ihrer Entourage endlich eintrifft, haben sich die Gemüter bereits erhitzt: Trompeter Levee (Chadwick Boseman) träumt von einer eigenen Karriere und eckt mit seinen mit Stolz vorgetragenen Plänen bei seinen Kollegen an.

George C. Wolfes Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von August Wilson erzählt in brillanten Dialogen von den individuellen Diskriminierungserfahrungen seiner Protagonist*innen – mehr noch aber von ihren ganz unterschiedlichen Wege, damit umzugehen. Der Film wurde gerade für fünf Oscars nominiert.

In der Flatrate von Netflix verfügbar.

  1. „I Am Not Your Negro“ (2017)

Malcolm X, Martin Luther King und Medgar Evers waren Freunde des Schriftstellers James Baldwin. Sie alle wurden innerhalb eines Zeitraumes von nur fünf Jahren ermordet. Baldwin verfasste daraufhin ein dreißigseitiges Manuskript, das Teil eines Buchs über das Leben von Schwarzen in den USA werden sollte, aber nie fertiggestellt wurde. Stattdessen bildet es nun die Grundlage für Raoul Pecks Dokumentation. Der Regisseur bebildert den unveränderten Originaltext mit Nachrichtenbeiträgen zu Übergriffen aus den Fünfzigern, kurzen Szenen aus Filmen, Interviews und Videos von den Ausschreitungen in Ferguson im Jahr 2014.

Das Ergebnis besticht einerseits durch James Baldwins scharfsinnige Beobachtungsgabe, die sich in besagtem Manuskript äußerst wortgewandt manifestiert. Andererseits durch die erschütternde Kontinuität der von der Doku angeprangerten Verhältnisse.

In der Flatrate von Netflix und als Leihoption bei zahlreichen Anbietern verfügbar.

  1. „Queen & Slim“ (2019)

Angela (Jodie Turner-Smith) lässt sich von Ernest (Daniel Kaluuya) nach Hause bringen, nachdem die beiden ein trostloses Tinder-Date miteinander verbracht haben. Doch dann wird ihr Wagen von einem Polizisten an die Seite gewunken, einen anderen Grund als rassistische Vorbehalte scheint es dafür nicht zu geben. Während Ernest versucht, sich an alle Anweisungen zu halten, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten, hat Angela genug: Die Juristin fordert eine Erklärung für die Maßnahme, woraufhin die Situation eskaliert. Das ungleiche Paar beschließt zu fliehen und wird bald im ganzen Land gesucht – und verehrt.

Melina Matsoukas hat ein Roadmovie gedreht, das unweigerlich an „Bonnie & Clyde“ erinnert. Der Kult, der bald um das Duo entsteht, ist ähnlich – der wesentliche Unterschied jedoch ist, dass die beiden keine Verbrecher*innen sind, ihnen ihr Umfeld aber dennoch mit Vorbehalten begegnet. Dank seiner außergewöhnlichen Protagonist*innen bleibt das hochaktuelle Drama bis zuletzt spannend und lange im Gedächtnis.

 In der Flatrate von Sky und als Leihoption bei zahlreichen Anbietern verfügbar.


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