Lyric-Missverständnisse

8 berühmte Songs, in deren Texten es um ganz andere Dinge geht, als viele Menschen glauben

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Die kommenden Songs wurden schon mindestens einmal falsch verstanden. Nicht jedes Lied ist nämlich ein Liebeslied. Manchmal geht es auch um krankhaftes Stalking, wie in „Every Breath You Take“ von The Police. Wir räumen jetzt mit ein paar der krassesten Fehlinterpretationen auf.

Bryan Adams – „Summer of ’69“

Was manche bei dem Lied verstehen

Der bekannteste Song des kanadischen Rocksängers Bryan Adams handelt vom Sommer im Jahr 1969. Im Lied, das Adams gemeinsam mit Jim Vallance geschrieben hat und 1984 auf dem Album „Reckless“ erschien, geht es um ein für den Ich-Erzähler episches Jahr, in dem er seine erste „real Six-string“ kaufte, eine Band gründete und schöne Stunden mit einer Freundin erlebte – könnte man zumindest glauben. Denn eigentlich war Adams im „Summer of ’69“ gerade mal neun Jahre alt und wahrscheinlich noch weit entfernt von allem, wovon der Song handeln könnte.

Worum es wirklich geht

In einem Interview bestätigte Adams 2001, dass der Songtext tatsächlich alles andere als authentisch sei. Aber worum geht es denn dann? Adams gab an, dass es in seinem Song nicht um den „Summer of ’69“ gehe, zumindest nicht an erster Stelle. Stattdessen ist die Sexstellung „69“ gemeint, die er da besingt. Es gehe darum, sie im Sommer zu praktizieren. Der „Summer of ’69“ ist also eher eine sexuelle Referenz als eine Hommage an ein besonderes Jahr. Ein bisschen Wahrheit scheint aber dennoch an manchen Stellen dabei zu sein: Co-Autor Jim Vallance gab einmal an, dass der Song für ihn tatsächlich eine wehmütige Reise zurück in eine unvergessliche Zeit sei.

Bruce Springsteen – „Born in the USA“

Was manche bei dem Lied verstehen

Bei dem 1984 erschienenen Song könnte es sich um ein patriotisches Lied über den amerikanischen Stolz handeln, denken manche. Sogar das Wahlkampfteam um den republikanischen Präsidenten der USA, Ronald Reagan, wollte den Song des bekennenden Demokraten Springsteen für die heiße Phase des Wahlkampfes nutzen. Tja, hätten sie mal besser hingehört und nicht nur das Cover der Scheibe betrachtet, das einen Mann in Jeans und weißem Shirt zeigt, der vor einer USA-Flagge steht.

Worum es wirklich geht

Hätte Reagan den Song tatsächlich für seinen Wahlkampf genutzt und hätte Springsteen es ihm nicht verboten, hätte es ganz schön peinlich für den Präsidenten werden können. Tatsächlich geht es in dem Song nämlich um einen jungen Mann, der sich gezwungen sieht, in den Vietnamkrieg zu ziehen und sich zurück in den USA mit seinen Erinnerungen und seiner Perspektivlosigkeit von der Regierung alleingelassen fühlt: „Nowhere to turn, ain’t nowhere to go“. Der inzwischen 71-jährige Springsteen hat den Song „Born in the USA“ also quasi genutzt, um seine Kritik an dem Land, dem Krieg und der Regierung auszudrücken – wenn auch mit einer gewissen Zweideutigkeit.

The Police – „Every Breath You Take“

Was manche bei dem Lied verstehen

„A gentle little Lovesong“ – sogar The-Police-Sänger Sting gab 2009 in einem BBC-Interview zu, dass man „Every Breath You Take“ als ein solches verstehen könnte. „Oh, can’t you see, you belong to me, how my poor heart aches, with every step you take“ – bei diesen Zeilen würde ganz sicher so ziemlich jede Frau dahin schmelzen, wenn sie ein Mann für sie singen würde. Ein Liebeslied ist der Song, den Gordon Matthew Thomas Sumner aka Sting 1982 für seine Band geschrieben hat, irgendwie auch. Aber keines, bei dem frischvermählte Brautpaare ihre Runden übers Parkett drehen sollten. „Every Breath You Take“ ist einer der am meisten missverstandenen Songs der Popgeschichte.

Worum es wirklich geht

Sting schrieb den Song „Every Breath You Take“, während sich er und seine erste Frau Frances Tomelty trennten. Die beiden waren seit 1976 verheiratet, kennengelernt hatten sie sich während eines Musicals, bei dem sie beide auf der Bühne standen. Statt von Liebesschwüren handelt das Lied von einem besessenen Stalker, Eifersucht und Überwachung. Die Liedzeilen „Every breath you take, Every move you make, I’ll be watching you“ bekommen mit diesem Wissen eine ganz andere Bedeutung, oder? Sting selbst beschrieb das Lied deshalb auch als „böse und unheimlich“.

Foster the People – „Pumped up Kicks“

Was manche bei dem Lied verstehen

Was wurde im Sommer 2010 zum Hit „Pumped up Kicks“ von der US-amerikanischen Indie-Elektropop-Band Foster the People getanzt und gelacht. Die fröhliche und mitreißende Melodie war verantwortlich dafür. Ähneln sollte der Takt dafür übrigens einem Lied von Fleetwood Mac, „Dreams“. Es heißt, Frontmann Mark Foster habe die Zeilen für „Pumped up Kicks“ in gerade einmal fünf Stunden geschrieben. Das bedeutet aber nicht, dass sie keinen Tiefgang haben.

Worum es wirklich geht

Anders als viele lange glaubten, geht es in dem Song nicht um School Shooting. Auch, wenn die Worte „gun“ und „bullet“ vorkommen, die MTV zensierte. Foster betonte mehrfach, dass es in seinem Lied viel eher um die Psyche eines Menschen geht. Und die kann ja bekanntlich manchmal ganz schön verkorkst sein … Wie Ihr übrigens beim nächsten Song seht.

The Boomtown Rats – „I Don’t Like Mondays“

Was manche bei dem Lied verstehen

Den ersten Arbeitstag nach einem Wochenende mag so gut wie niemand. Kein Wunder also, dass den Song „I Don’t Like Mondays“ von Bob Geldorfs Band The Boomtown Rats so gut wie jeder auf dem Weg zur Arbeit im Auto schon mal mitgegrölt hat. Eigentlich hat das 1979 erschienene Lied aber einen ganz anderen, schlimmeren Hintergrund.

Worum es wirklich geht

An einem Montag im Januar 1979 schoss die damals 16-jährige Brenda Ann Spencer aus einem Fenster ihres Elternhauses in San Diego auf das gegenüberliegende Gelände der Grover Cleveland Elementary School und tötete den Schulleiter sowie den Hausmeister und verletzte einen Polizisten und acht Schüler. Der Grund: „I Don’t Like Mondays.“ Hört Ihr mit diesem Wissen immer noch einen fröhlichen Ohrwurm-Hit? Was für eine Text-Melodie-Schere.

Nirvana – „Smells like Teen Spirit“

Was manche bei dem Lied verstehen

Die Band Nirvana um den verstorbenen Frontmann Kurt Cobain war bekannt für Songs mit Lyrics, über die man erstmal nachdenken muss, um ihren Sinn zu verstehen – sofern sie überhaupt einen hatten. „Smells Like Teen Spirit“ ist so ein Song. Er strotzt vor jugendlichem Trotz, Revolution, Aufsässigkeit. Für einige Zeit wurde das Lied quasi zur Hymne der Jugend. Und das, obwohl es eigentlich als harmloser Jux gedacht war. „Here we are now, entertain us“ – „Hier wären wir also, unterhaltet uns“. Cobain schien sich – genau wie viele andere Jugendliche – ziemlich zu langweilen. Bis dann irgendwann die Bikini-Kill-Sängerin Kathleen Hanna in seinem Schlafzimmer stand und die Vorlage für „Smells Like Teen Spirit“ lieferte, ohne es überhaupt zu wissen.

Worum es wirklich geht

Der Titel „Smells Like Teen Spirit“ hat eigentlich keinen wirklich bewegenden Hintergrund. Es handelt sich dabei lediglich um einen Satz, den die Bikini-Kill-Sängerin Kathleen Hanna mit einer Spraydose an die Wand von Cobains Schlafzimmer geschmiert hatte: „Kurt smells like Teen Spirit.“ So der Name eines Deos, das zur dieser Zeit viele Jugendliche benutzten – und auch Kurts damalige Freundin.

Semisonic – „Closing Time“

Was manche bei dem Lied verstehen

Und dann gibt es eben auch noch die Songs, bei denen der Text eigentlich so offensichtlich ist und man sich nahezu 100-prozentig sicher sein könnte, dass man weiß, wovon da gesungen wird. Aus keinem anderen Grund ist „Closing Time“ – übrigens der einzige richtige Erfolg der Band Semisonic – von zahlreichen Barkeepern als sogenannter Rausschmeißer-Song verwendet worden, wenn die Nacht langsam in den Morgen überging. „One last call for alcohol so finish your whiskey or beer“ – was kann Sänger und Semisonic-Frontmann Dan Wilson da schon anderes meinen?

Worum es wirklich geht

Als Wilson den Song schrieb, war seine Frau mit der kleinen Coco schwanger. Und während der heute 59-Jährige die Zeilen für den Hit schrieb, bemerkte er, dass dieser gar nicht von der Sperrstunde handeln sollte, sondern von etwas viel Weitgreifenderem: dem Geborenwerden. „Time for you to go out to the places you will be from“ spielt also eher auf das Wunder der Geburt an.

Bob Marley – „No Woman, No Cry“

Was manche bei dem Lied verstehen

Es ist der Titel der Reggae-Ballade, der für viel Verwirrung sorgt. „No Woman, No Cry“ – übersetzt man das in alkoholgeschwängerter Stimmung und mit brüchigem Schulenglisch, könnte man meinen, der 1981 verstorbene jamaikanische Reggae-Sänger würde singen: keine Frau, kein Rumgeheule. Was einige Machos in den 70er-Jahren, in denen der Song auf nahezu jeder Party gespielt wurde, da aus dem Song machten, tut ihm aber unrecht. Eigentlich ist er nämlich sehr einfühlsam.

Worum es wirklich geht

Bob Marley und Vincent Ford sollen in einer Suppenküche in Trenchtown gesessen haben, als sie hörten, wie ein Ehepaar in einem Nachbarhaus einen heftigen Streit hatte und die Frau so laut weinte, dass man es bis in den Hof eben dieser Suppenküche hörte. Die Zeilen „No woman, no cry“, die Marley und Ford später am Abend komponierten, sollten ein Trost für die Frau sein: „Nein Frau, weine nicht“. Der Song wurde in Kreolisch verfasst und das zweite no, das verwendet wird, ist ein Synonym für „don’t“.


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