Willie Nelson :: The Complete Atlantic Sessions Atlantic/Rhino/WSM/Warner

Die frühen 70er – keine gute Zeit für Country und auch nicht für Willie Nelson, derseit 1962, erst für Liberty, später für RCA, eine Menge Alben mit relativ konventioneller Country-Mucke einspielte, die sich ordentlich verkauften. Das Konzeptalbum yesterdays wine (1971) indes, die Geschichte eines Mannes, der seinem eigenen Begräbnis zusieht und dabei sein Leben Revue passieren lässt. hatte die Label-Bosse nachhaltig verstört, das Folgewerk willie NELSON & FAMILY soff völlig ab – und alsbald stand der damals 38 Jahre alte Texaner ohne Plattenvertrag da. Bis er bei einer Party anlässlich der Country Music Association Awards allein zur Gitarre eine Reihe neuer Lieder vortrug und in Jerry Wexler von Atlantic Records einen begeis-terten Zuhörerfand. Das Ergebnis: die grandiosen Alben SHOTGUN WILLIE (1973) und PHASES AND STAGES (1974), die jetzt zusammen mit dem bisher nur in der THE classic unreleased collection erhältlichen Konzertmitschnitt live at the Texas opry house plus 27 Bonustracks in dem hübsch aufgemachten Box-Set the complete atlantic sessions zu haben sind. Was Gram Parsons von der Rock-Seite her anstrebte, versuchte Mr. Nelson vom Country-Lager aus: Genre-Grenzen zu überwinden, mit den Cowboy-Clowns Marke Nashville abzurechnen, die Magie, das Rebellentum, das Freiheitsgefühl der amerikanischen Volksmusik nicht länger reaktionären Rednecks zu überlassen, sondern sie mit Wahrhaftigkeit, Würde. Stolz, viel Marihuana und einer ordentlichen Dosis Hippie-Geistes zu unterfüttern. He put the cunt back into country. könnte man sagen. So textete Willie kurzerhand den Gassenhauer „Truck Drivin Man“ um: „stopped at a whorehouse in Texas, a little place called Hamburger Dan ’s, and I threw the waitress through the Jukebox, when she played the Truck Drivin‘ Man‘. „Solches wäre dem braven Dave Dudley nie über die Lippen gekommen. PHASES AND STAGES erzählt – von wegen „stand by your man – die Story vom Werden und Vergehen einer Liebe, auch nicht gerade der Stoff, aus dem Nashville-Träume sind.

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