Ye Vagabonds
ALL TIED TOGETHER
River Lea/Rough Trade (VÖ: 30.1.)
Die Gebrüder Mac Gloinn schlendern extrem entspannt zwischen Irish Folk und Indie-Pop.
Sie fanden Mumford & Sons mal gut, als noch nicht jeder Horst die Hits mitsingen konnte? Sie schätzen ein Glas irischen Whiskey? Und Sie sind schon auch mal melancholisch? Da hätten wir was für Sie: Die Brüder Diarmuid und Brían Mac Gloinn spielen als Ye Vagabonds herzergreifende Songs mit steinerweichenden Melodien, die stets geschickt an der Grenze zwischen irischen Folk-Traditionals und internationalen Indie-Pop-Konventionen entlang schlendern.
Das Herz ruht nicht nur dort, wo die Seele seufzt, sondern auch o der Teekessel pfeift, heißt es in „Where The Heart Lies“ – solche Sachen singen die beiden Brüder, die aus einem Dorf südlich von Dublin stammen. Mittlerweile füllen sie mit ihrer Band die großen Hallen in ihrer Heimat, und man muss ihnen zugute halten, dass sie die bekannten Irland-Klischees zwar nicht brechen, aber immerhin vorsichtig modernisieren.
Zwar fliegt auch schon mal ein Schmetterling durch einen Text, und „Long Grass“ wächst über ideologische Unterschiede, aber ihre Lieder erschöpfen sich nicht in Naturmetaphern, sie beschreiben dysfunktionale Beziehungen, komplexe Gefühlslagen und sogar gesellschaftliche Stimmungen. Exemplarisch der Song „Mayfly“, in dem die titelgebende Eintagsfliege als Sinnbild steht für ein aufregendes, aber eben auch selbstverzehrendes Leben. Darauf einen Whiskey oder auch zwei!
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



