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Überlange Alben: 7 XXL-Platten von Jack White bis Taylor Swift

Diese 7 überlangen Werke sprengen jede Konvention und beweisen, dass XXL-Formate funktionieren.

Das Album ist tot, ja ja! Wir haben es mitbekommen – und das mehrheitliche Musikhören über Streamingdienste befeuert diese These natürlich. Aber es geht auch anders. Ein paar unbeugsame Beispiele von XXL-Platten.

1. Jack White kann nicht nur auf Blechdosen Gitarre spielen

Jack White kann nicht nur auf Blechdosen Gitarre spielen und Fußballstadien zum Singen bringen. Mit seinem Label Third Man Records rollt der Mann auch das Plattenlabel-Geschäft auf. Unter vielen nerdigen Einfällen ganz vorn dabei: ein Vinylalbum zum Jubiläum. THE FIRST THREE YEARS OF BLUE SERIES SINGLES ON ONE LP (2012) lautet der Titel, 57 Songs sind zu hören. Wie das funktioniert? Mit drei Umdrehungen pro Minute.

2. 40 Gründe, Anal Cunt zu hassen

In eine ähnliche Kerbe hauen die US-Grindcore-Ästheten von Anal Cunt. Auch deren Albumtitel aus dem Jahre 1996 macht klar, wo es langgeht: 40 MORE REASONS TO HATE US, darauf so wunderbare Titel wie „I Hope You Get Deported“, „Johnny Violent Getting His Ass Kicked By Morrissey“ und „Van Full Of Retards“. Der längste Song dauert 1:25, der kürzeste acht Sekunden.

3. Taylor Swift und ihre Tortured Poets

Auch die Gegenwart kann überlang. Taylor Swifts ausgefeiltes Werk von 2024 zum Beispiel: THE TORTURED POETS DEPARTMENT. Nimmt man die vier Akustik-Bonustracks dazu, umfasst das ANTHOLOGY-Album insgesamt 35 Songs.

4. The Magnetic Fields und 69 Liebessongs

Stephin Merritt mag angesichts solcher Zahlen nur müde lächeln. Mit seiner Band The Magnetic Fields veröffentlichte der US-Songwriter 1999 ein Triple-Album: 69 LOVE SONGS, der programmatische Titel. Ursprünglich sollten es noch einige mehr werden. Merritt hatte in einer Bar gesessen und Songs aus Filmen von Stephen Sondheim gelauscht, als ihm die Idee kam: eine Platte mit 100 Liedern. Am Ende wurden es 69. Merritt spielte das gesamte Album sogar einige Male live, in der Original-Reihenfolge, auf zwei Abende verteilt.

5. Andreas Dorau und die 1000-Songs-Legende

Ganze zwei Sekunden lang ist das Lied „Mutti, ich und Die Sonne“ von Falsche Fahnen, zu hören auf den legendären ZICKZACK SOMMERHITS 81. Hinter dem Fahnen-Namen verbarg sich kein Geringerer als Andreas Dorau, am Vorabend seiner ikonischen Raumfahrt vom Jupiter hinunter auf die Erde, wo wir Menschen wohnen. Ob von der Musikpresse lanciert oder wirklich wahr, es kursierte das Gerücht, Dorau plane ein Album mit 1000 Songs. Realisiert wurde es leider nie, Dorau fühlte wohl wie Merritt angesichts der 100: Das ist einfach zu viel.

6. Physikalische Grenzen auf Vinyl

Rein physikalisch ist eine Vinyl-Albumseite in Sachen Spielzeit natürlich begrenzt, klassischerweise liegt sie bei etwa 20 Minuten. Umso interessanter, wie weit sich dieses logische Limit dehnen lässt. Bob Dylan bringt es auf der zweiten Seite von DESIRE (1976) auf eine halbe Stunde, Brian Enos DISCREET MUSIC (1975) schafft das beiderseits. John Cages EMPTY WORDS PART IV (1987) erreicht sogar jeweils über 37 Minuten. „Exclusive Radio Shack Extra-Length Recording“ steht auf einer Platte von Orchesterchef Arthur Fiedler. Der freundliche Herr mit Schnauzer und Taktstock meint es ernst, sein Albumtitel 90 MINUTES WITH ARTHUR FIEDLER AND THE BOSTON POPS ist wörtlich zu nehmen: Anderthalb Stunden Musik sind hier auf zwei Seiten, im wahrsten Sinne des Wortes, gepresst.

7. Die größte Schallplatte der Welt

Die wohl größte Schallplatte zierte 2014 das Dach der Mehrzweckhalle The Forum im kalifornischen Inglewood. 124 Meter maß der Longplayer, in zwei Wochen aus 25 Tonnen bedrucktem Vinyl hergestellt, das Motiv: HOTEL CALIFORNIA von den Eagles, die in der Halle mehrere Shows spielten. Die Laufgeschwindigkeit: 17 Meilen pro Stunde, das entspricht einer Umdrehung pro Minute. Nimm das, Jack White!