Robbie Williams: Dieses Album versaut ihm den Rekord
Alle jubeln über Williams’ Beatles-Rekord mit BRITPOP. Doch ein Album stellt eine schmerzliche Delle in seiner Diskografie dar.
Mit seinem neuen Studioalbum BRITPOP hat Robbie Williams im UK Geschichte geschrieben: 16 seiner Alben haben es auf Platz 1 der UK-Albumcharts geschafft – die Beatles kommen auf 15. Er steht damit offiziell über der heiligsten Referenz der Popgeschichte und ist als Solo-Act in Sachen Nummer-eins-Alben kaum noch einzuholen.
Ausgerechnet in dem Moment, in dem überall von seiner beispiellosen Nummer-eins-Serie gesprochen wird, gibt es jedoch ein Kapitel in seiner Diskografie, das nicht so recht ins Siegernarrativ passt: REALITY KILLED THE VIDEO STAR.
REALITY KILLED THE VIDEO STAR: Der eine Makel
Sein 2009er-Album mit der Leadsingle „Bodies“ ist bis heute das einzige Studioalbum von Robbie Williams, das in Großbritannien nicht auf Platz 1 landete. Und das, obwohl die Zahlen alles andere als enttäuschend waren: Über 85.000 verkaufte Exemplare am ersten Tag, 238.000 in der ersten Woche – ein starkes Comeback nach dem Flop mit den HipHop- und Dance-Experimenten von RUDEBOX 2006.
Am Ende fehlten nur rund 1.500 Einheiten, um an die Spitze zu springen; geschlagen wurde er von der mittlerweile in Vergessenheit geratenen Boyband JLS mit ihrem selbstbetitelten Debüt – ein Rückstand von weniger als einem Prozent. Dieses eine Album vermiest ihm bis heute den perfekten Album-Rekord.
Studio vs. Live: Warum LIVE AT KNEBWORTH nicht mitgezählt wird
Auch LIVE AT KNEBWORTH schaffte es 2003 nicht auf die 1 (sondern auf Platz zwei), fällt in Robbies persönlicher Bilanz aber in eine andere Kategorie. Als Livealbum wird es bei der Frage nach seinen Studio-Nummer-eins-Alben nicht mitgezählt und bleibt damit eher eine Fußnote als ein echter Makel. Im reinen Studio-Ranking gibt es also nur einen Ausreißer: REALITY KILLED THE VIDEO STAR – das Album, das verhindert, dass Williams eine lupenreine Reihe von Nummer-eins-Studioalben vorweisen kann.
Verschiebung wegen Taylor Swift
Damit BRITPOP überhaupt den Weg für dieses 16. Nummer-eins-Album frei machen konnte, war der Veröffentlichungstermin genau kalkuliert. Ursprünglich war der Release für Oktober vorgesehen, doch dann zeichnete sich ab, dass Taylor Swift im selben Zeitraum ein neues Album bringen würde – ein Chart-Clash, auf den Williams schlicht keine Lust hatte. Bei einem Konzert in London im Oktober erklärte er vor Publikum, warum BRITPOP tatsächlich nach hinten geschoben wurde. Sinngemäß sagte er: „Wir tun alle so, als hätte das nichts mit Taylor Swift zu tun, aber natürlich hat es genau damit zu tun. Gegen sie kannst du einfach nicht antreten.“
„Ich will dieses 16. Nummer-eins-Album“
Williams machte an diesem Abend in London auch klar, dass hinter der Verschiebung vor allem sein eigener Ehrgeiz steckt. Er sagte sinngemäß: „Ich könnte behaupten, es hätte andere Gründe, aber das wäre gelogen. Es ist total egoistisch – ich will dieses 16. Nummer-eins-Album. Er erzählte außerdem, wie er mit sich gerungen habe, die Fans länger warten zu lassen, und dann doch zu dem Schluss kam, dass man so eine Chance nicht verstreichen lassen dürfe. In etwa so: „Ich dachte erst: ‚Verdammt, jetzt lasse ich alle ewig warten.‘ Aber dann dachte ich: ‚Scheiß drauf. Wie oft im Leben bekommt man die Gelegenheit, mehr Nummer-eins-Alben zu haben als irgendjemand sonst in diesem Land?‘“
Knapp daneben ist auch vorbei
Heute hat Robbie Williams genau das, was er an diesem London-Abend formuliert hat: 16 Nummer-eins-Alben, mehr als die Beatles. Die Ironie bleibt trotzdem: Hätte REALITY KILLED THE VIDEO STAR 2009 diese fehlenden 1.500 Verkäufe noch eingesammelt, wäre der Rekord wohl ohne strategische Verschiebungen längst Geschichte gewesen. So erzählt seine Karriere eine spannendere Story: Ein Superstar, der Releases so timt, dass er Taylor Swift aus dem Weg geht, um an den Beatles vorbeizuziehen – und zugleich ein Künstler, dessen fast perfekte Discografie an einem einzigen, knapp verlorenen Chart-Rennen eine kleine, aber sehr menschliche Delle hat.



