Album der Woche

Hemlocke Springs

THE APPLE TREE UNDER THE SEA

Hemlock Springs/AWAL (VÖ: 13.2.)

Art Pop? Pop Art? Egal, diese Frau hat das Zeug zum Popstar.

Hin und wieder schafft es Pop, über sich selbst hinauszuwachsen, und zum Jahresstart gelingt ihm das mit Hilfe von Hemlocke Springs. Die mit streng katholischen Eltern in North Carolina aufgewachsene Nigerianerin erzählt uns auf THE APPLE TREE UNDER THE SEA ihre Geschichte, der Apfel symbolisiert das Wissen, das sie im Zuge ihrer Emanzipation erlangte. Erste Versuche mit Bedroom Pop führten zu einer Tour mit Chappell Roan und schließlich zu Producer Matthew James Burns (Lady Gaga, Charli xcx), der Springs’ Debüt-Album so ausstattete, wie Pop heute zu klingen hat: dick, wattig und mit viel Lametta.

Springs’ erdachte Welt ist urkomisch und zugleich berührend, ihre unkonventionellen Popsongs sind ebenso aus der Zeit gefallen wie State of the Art. „Head, Shoulder, Knees And Ankles“ zum Beispiel, ein atemloser Vocalmarathon, den sie urplötzlich in Kammermusik münden lässt. Klingt wie Sparks in der Sesamstraße auf Ecstasy, dabei schluchzt und japst sie tief aus der Kehle heraus, eine vergleichbare Stimme gibt es im Pop aktuell nicht.

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Man merkt Springs den Spaß an, den sie bei der Produktion hatte, so auch in „The Beginning Of The End“, wo sich Songfragmente aus  multicolorierten Synthschwaden mit puristischen Disco-Parts abwechseln, womöglich ist das Prog-Pop. Dank Hemlocke Springs muss man sich um die Zukunft der Popmusik jedenfalls keine Sorgen machen.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.