Die Regierung

IIMMER UNBEKANNT

Staatsakt/Bertus (VÖ: 20.2.)

Diskurs-Pop, der von der Liebe erzählt. Denn sie wird immer sein.

Für den zugegeben eher unwahrscheinlichen Fall, dass jemand vergessen haben sollte, dass die Liebe das alles beherrschende Thema der Popmusik ist, empfehlen wir das neue Album der Band Die Regierung. Die Formation um Tilman Rossmy, die in ihrer ersten Inkarnation zur Hamburger Schule gezählt wurde, schnurrt seit ihrem Comeback 2017 wie eine gut geölte Maschine, erweitert ihr kanonisches Werk im Zweijahrestakt um ein neues Album – und widmet sich immer mehr und nun bewusst nahezu ausschließlich diesem doch eigentlich totgesungenen Gegenstand.

Während die Band ruhig und entspannt pulsiert wie ein verliebtes Herz, singt der mittlerweile 67-jährige Rossmy von vergangener Liebe („Der Schmerz bin ich“) und von ganz frischer, noch vollkommen selbstloser Liebe („Du kannst mir gar nichts geben“). Es geht aber um mehr als nur die Liebe zu anderen Menschen, sondern um Liebe als Grundlage menschlicher Verfasstheit. Dieses Idee formuliert Rossmy programmatisch in „Liebe wie Atmen“: „Liebe ist kein Tun, Liebe wird immer lieben, Sein wird immer sein, Sein wird immer lieben, Liebe wird immer sein.“

Wenn das nicht tröstet, dann tut es vielleicht der Song „Heute ist ein guter Tag“, der natürlich wieder von der Liebe handelt, aber auch davon, dass selbst, wenn dieser Tag ein guter „zum Sterben“ ist, gerade das doch eine sehr hoffnungsvolle Aussicht sein kann. Gleich im nächsten Stück „Wohin ich auch geh bin ich schon da“ reimt der große Songschreiber Rossmy „Ja, ich versuch’s immer weiter“ auf „Und bin sicher, dass ich scheiter’“. Das ist kein Nihilismus, sondern eher befreiender Fatalismus, der sich sicher sein kann, dass am Ende doch eines bleibt: die Liebe bleibt.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.