Highlight: 15 bemerkenswerte Alben, die 2019 ihr Zehnjähriges feiern

Kooperation

Was vom Indie-Hype der 2000er-Jahre geblieben ist

„Das ist nur eine Phase, das geht vorbei“, reden sich gerne Eltern ein, wenn der Sprössling im Teenageralter auf der Suche nach Identifikationsfiguren auch den Musik-, Kleidungsstil oder sogar die Manieren des Idols übernimmt. Die Phase mag zwar ein Ende finden, aber nicht immer ist sie die negative Problemzeit, als die sie gerne dargestellt wird. Jahrzehnt für Jahrzehnt haben junge Menschen auf der Suche nach sich selbst und ihrem Platz in der Welt Bücher, Musik und Prominente als Mentoren für sich auserkoren.

Die Hippies der 60er-Jahre lehnten sich gegen bestehende bürgerliche Ideale auf, setzten auf simple und naturverbundene Kleidung und fanden in etlichen Bands ihre Vorbilder. Auch Anhänger des Punk widersetzten sich Mitte der 70er-Jahre der Gesellschaft und übten Kritik, ließen eine Subkultur aus London und New York heraus entstehen. Und für viele waren diese Lebensphasen, diese Identifiaktionsmöglichkeiten mehr als nur ein kurzes Intermezzo, sondern prägten das Leben nachhaltig. Politische Proteste wurden oft von Musik begleitet. Musiker hingegen prägten oft nicht nur die Meinung, sondern auch die Mode der Fans.

Paul Cook, Steve Jones und Sid Vicious von den Sex Pistols

Die 00er-Jahre, nach dem Jahrzehnt voller Grunge, Techno und den wahrscheinlich absurdesten „Sommerhits“ der Musikgeschichte, ließen die Gitarrenmusik aufleben. Es rührten sich die Strokes in New York, die Libertines in London, es rumorten die White Stripes an Gitarre und Schlagzeug, es fanden sich Arcade Fire in Kanada zusammen. Möglicherweise stehen diese Bands für die letzte dieser Jugendbewegungen, die sich vor allem dem immergleichen Mainstream entgegensetzen wollte und nostalgisch über eine Zeit sinnierte, die weder sie selbst noch die entsprechenden Bands aktiv miterlebt hatten. Doch plötzlich waren die Beatles, Rolling Stones, Led Zeppelin und The Doors wieder präsent und interessant.

Die Zeiten von Selbstdarstellung à la David Bowie war nicht mehr im Trend. Die Bands waren oder gaben vor, sie selbst zu sein. Die Jungs aus dem Proberaum im Keller, mit den schrammelnden Gitarren und von der Zeit gezeichneten Lederjacken. Zu den Hochzeiten der Strokes, Arctic Monkeys, Franz Ferdinand & Co. hatte sich eine Ästhetik durchgesetzt, die sich auf relativ wenige Kleidungsstücke begrenzte: Lederjacken, Röhrenjeans, Chucks, Lederschuhe. Eine deutliche politische Message stand nicht dahinter, es war die Liebe zur (Rock-)Musik, ein Stück Nostalgie, die die Jugend verbanden. Und Hauptsache nicht so aussehen, wie diese Menschen da draußen auf der Straße, die doch ach so „normal“ waren, die Rockmusik der 60er und 70er vielleicht schon längst vergessen und Gefallen an Radiomusik gefunden hatten.

RB Redferns


Kevin Parker (Tame Impala): „Alex Turner spielt in einer anderen Songwriter-Liga als ich“
Weiterlesen