Travis Scott & mehr Rap-Stars warnen Supreme Court vor Rap-Lyrics als Beweis

Rap-Lyrics wurden in einem Todesurteil als Beweisgrundlage genutzt. Der Fall könnte Grundsatzfragen klären.

Mehrere prominente Rap-Artists haben sich in einem Verfahren vor dem Supreme Court der USA hinter einen Mann gestellt, dessen eigene Rap-Texte im Prozess gegen ihn als Argument für eine Todesstrafe verwendet wurden.

Der Fall betrifft James Garfield Broadnax, der seit Jahren im Todestrakt sitzt. Unterstützung erhält er unter anderem von Travis Scott, Killer Mike, T.I., Young Thug, Fat Joe und N.O.R.E..

Die Rapper haben sogenannte Amicus-Curiae-Briefe eingereicht. Darin argumentieren sie, dass die Verwendung von Rap-Lyrics im Strafverfahren gegen Broadnax grundlegende verfassungsrechtliche Prinzipien verletzt habe. Seine Anwält:innen haben das Gericht gebeten, die für April 2026 geplante Hinrichtung auszusetzen und den Fall erneut zu prüfen.

Jury griff auf Rap-Texte zurück

Broadnax wurde 2009 wegen eines tödlichen Raubüberfalls aus dem Jahr zuvor verurteilt. Die Tat ereignete sich in der Nähe von Garland.

Über Schuld und Strafe entschied eine Jury, die laut Verteidigung fast ausschließlich aus weißen Geschworenen bestand. Schwarze Kandidat:innen seien zuvor aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen worden.

Während der Phase des Prozesses, in der über das Strafmaß entschieden wurde, brachten die Staatsanwält:innen handgeschriebene Rap-Texte von Broadnax in das Verfahren ein. Insgesamt handelte es sich um rund 40 Seiten Lyrics.

Wie die „The New York Times“ berichtet, bat die Jury während ihrer Beratungen sogar zweimal darum, diese Texte erneut einsehen zu dürfen. Nach Ansicht der Verteidigung trugen sie entscheidend dazu bei, Broadnax als besonders gefährliche Person darzustellen.

Travis Scotts Team kritisiert Kriminalisierung von Rap

Das juristische Team von Travis Scott reichte beim Supreme Court einen eigenen Amicus-Brief ein. Darin wird die Argumentation der Staatsanwaltschaft deutlich kritisiert.

Im Verfahren sei behauptet worden, James Garfield Broadnax stelle allein deshalb eine zukünftige Gefahr dar, weil er „Gangster-Rap“ schreibe. Diese Logik komme faktisch einer Bestrafung von Rap-Musik als künstlerischem Ausdruck gleich.

Rap sei jedoch – wie jede andere Kunstform – durch die Meinungsfreiheit des First Amendment geschützt. Wenn Rap-Musik als Beweis für eine angebliche kriminelle Neigung genutzt wird, könnte dies die verfassungsrechtlichen Grenzen staatlicher Strafverfolgung überschreiten.

Die Anwältin Ellyde R. Thompson erklärte gegenüber dem US-„Rolling Stone“, der Fall berühre grundlegende Fragen der Verfassung. Ein Todesurteil dürfe niemals auf geschütztem künstlerischem Ausdruck beruhen.

Künstler:innen sehen rassistische Vorurteile im Verfahren

Ein weiteres Schreiben, das unter anderem von Killer Mike unterstützt wird, argumentiert ebenfalls gegen die Verwendung der Lyrics. Die Unterzeichner:innen betonen, dass Rap-Texte häufig fiktional sind und nicht als autobiografische Aussagen verstanden werden sollten. Überzeichnete Darstellungen von Gewalt, Sex oder auch Kriminalität sind seit Jahrzehnten Teil der erzählerischen Konventionen des Genres.

Nach Ansicht der Unterstützer:innen waren Broadnax’ Texte für die Schuldfrage ohnehin irrelevant, da sie erst bei der Entscheidung über das Strafmaß eingeführt wurden. Stattdessen habe die Staatsanwaltschaft versucht, mit den Lyrics Vorurteile gegenüber Rap-Musik und Schwarzen Künstler:innen zu verstärken. Die Texte seien genutzt worden, um Broadnax als gefährlich erscheinen zu lassen und anti-Schwarze Stereotype zu bedienen.

Der Jurist Chad Baruch erklärte, der Fall gebe dem Supreme Court die Gelegenheit, eine klare Linie zu ziehen und der Kriminalisierung von Rap als Kunstform ein Ende zu setzen.

Texas weist Kritik zurück

Vertreter:innen des Bundesstaates Texas weisen die Vorwürfe zurück. Sie argumentieren, die Verteidigung habe ihre Einwände gegen die Verwendung der Rap-Texte zu spät vorgebracht. Außerdem seien die Lyrics nur ein kleiner Teil der Argumentation der Staatsanwaltschaft gewesen.

Killer Mike widersprach dieser Darstellung in einem Interview mit der „The New York Times“. Kunst dürfe nicht als Geständnis interpretiert werden. „Egal wie schön oder wie grausam es klingt – es bleibt Kunst“, sagte der Rapper. Es handle sich um eine Interpretation menschlicher Gedanken, nicht um ein Schuldeingeständnis.

Grundsatzfrage für Rap im Rechtssystem

Das Engagement mehrerer Rap-Künstler:innen im Fall Broadnax wird daher auch als Teil einer größeren Debatte verstanden. Kritiker:innen argumentieren seit Jahren, dass Rap-Musik im US-Justizsystem häufig missverstanden oder bewusst fehlinterpretiert wird.

Die Entscheidung des Supreme Court könnte über den Einzelfall hinaus Bedeutung haben. Sie könnte klären, ob und in welchem Umfang künstlerischer Ausdruck – insbesondere Rap-Lyrics – künftig als Beweismittel in Strafverfahren verwendet werden darf.