Ebay-Gierschlunde wollen mit Christian Ulmen Kasse machen

Nach den Vorwürfen von Collien Fernandes gibt es „Jerks“ nicht mehr im Stream. Auf Ebay tauchen nun Staffeln der Serie auf DVD zu Wucherpreisen auf.

Nachdem Collien Fernandes im „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hat, gerät der Schauspieler nicht nur juristisch, sondern vor allem symbolisch unter Druck. Werbepartner reagieren und ProSieben beziehungsweise der Streamer Joyn ziehen seine Serie „Jerks“ aus dem Verkehr.

Wie immer, wenn die Aufmerksamkeit groß ist und schnell gehandelt wird, sehen manche ihre Chance gekommen, Profit daraus zu schlagen. Während die von Ulmen mitproduzierte Anarcho-Serie „Jerks“ aus Mediatheken verschwunden ist, tauchen plötzlich bei Ebay und bei anderen Verkaufsplattformen massenhaft Exemplare verschiedener Staffeln auf DVD auf.

Sie wurden zwischen dem 20. und 23. März dort platziert – also genau in jenem Moment, als die Vorwürfe öffentlich zu zirkulieren begannen. Es gibt einzelne Staffeln, komplette Boxen, als Auktionen und Sofortkäufe. Und alles zu albernen Teuer-Preisen. Bei Mediamarkt kostet etwa eine Season 20 Euro, bei Ebay müssen schnell 100 Euro und mehr hingeblättert werden. Für eine Komplettbox würden mehr als 200 Euro fällig.

„Jerks“ nicht mehr bei Amazon verfügbar

Amazon meldet zudem, dass „Jerks“ derzeit nicht lieferbar ist. Es ist das übliche Spiel von Angebot und Nachfrage – und die bekannte Kalkulation einer Kaste von Gierschlunden, die das ausnutzen will.

Möglich ist natürlich auch, dass einige enttäuschte Fans ihre Erinnerungen an die Serie nach all den im Raum stehenden Vorwürfen gegen Ulmen lieber früher als später loswerden wollen. Aber das dürfte in etwa genauso häufig der Fall sein wie bei einem Ebayer, der seine überteuerten zehn Tickets für Harry Styles loswerden will, weil angeblich die Familie an dem Tag doch nicht mit ins Stadion kann.

Dass ausgerechnet „Jerks“, diese auf Grenzüberschreitungen gebaute Fremdscham-Comedy, nun selbst zum Gegenstand einer moralischen Grenzverhandlung wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die Serie lebte lange Zeit von der kalkulierten Unangemessenheit ihrer Figuren, von der Lust am Tabubruch, auch weil man nicht genau wusste, was nun noch Rolle ist und was authentisch.

Ob und wenn ja, wann „Jerks“ wieder im Stream zu sehen sein wird, bleibt erst einmal offen. Vom DVD-Label der Serie, Leonine, gibt es bisher keine Reaktion.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.