Son Mieux
24 HOURS
Son Mieux (VÖ: 10.4.)
Epischer Pop, der nur die grenzenlos raumgreifende Geste kennt.
Als Son Mieux 2015 ihre erste Single „Easy“ veröffentlichten, pflanzte im Video ein gutes Dutzend Kinder ein Bäumchen. Der Film adaptierte eine grisselige Super-8-Ästhetik, der Song ruhte auf dem kindlichen Klang billiger 80ies-Synthies. Zwölf Jahre später sind die Kinder erwachsen und der Baum blüht prächtig: Hochglanz allüberall auf 24 HOURS, dem dritten Album der niederländischen Band, vom opulent-spartanischen Video zur Leadsingle „Dark Before The Dawn“ bis zum Sound, in dem Bläser- und Streicherarrangements in immer wieder neuen Layern geschichtet werden, das Klavier zu dramatischen Ausflügen aufbricht und das Saxofon den Horizont erkundet.
Was sich nicht geändert hat: Die siebenköpfige Formation beherrscht epische Melodien, die nur die raumgreifende Geste kennen – aber nun hält das Klangbild eben Schritt, schwingt sich auf zu epischer Größe, kennt keine Grenzen, kein Zuviel ist je zu viel. Dieser Sound macht keine Gefangenen, egal ob sie E Street Band oder Alphaville heißen: Ja, Pathos ist hier die Währung, die an galoppierender Inflation erkrankt ist.
„Wide awake“ ist Sänger Camiel Meiresonne in „Free For Another Day“, aber auch „ready to brake“, und in „Six Strings“ lässt er Wolken vorbeirollen, und der Titelsong bejubelt die Tatsache, dass jeder neue Tag ohne Preisschild daherkommt. In einer Zeit, in der man mit Bedroom-Pop an die Chartsspitze klettern kann und der blasse Glitter von Taylor Swifts „The Fate Of Ophelia“ schon als Pomp kritisiert wird, bauen Son Mieux Klangwände, an denen das Pathos in dicken Strömen herabrinnt. Man muss das nicht lieben, man kann es sogar hassen – aber egal kann einem 24 HOURS nicht sein.



