Adam Green, wie war es, für einen Moment Popstar zu sein?

Mit „Friends Of Mine“ wurde Adam Green in Deutschland zu einem Shootingstar. Die Berühmtheit hielt nicht lange an, die Erfahrung hallt aber beim Sänger nach.

Zur Veröffentlichung von Adam Greens Studioalbum THAT FUCKING FEELING unterhielt sich MUSIKEXPRESS mit dem Singer-Songwriter über Höhen und Tiefen des Erfolgs.

ME: Im Jahre 2003 hast du mit deinem zweiten Album FRIENDS OF MINE deinen Durchbruch als Solo-Künstler erlebt – zumindest in Deutschland. Das Feuilleton überschlug sich und überall erzählte man sich von diesem New Yorker Liedermacher namens Adam Green. Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du dachtest: „Jetzt habe ich es geschafft“?

Adam Green: Als ich 2005 rüberkam, hatte der deutsche „Rolling Stone“ FRIENDS OF MINE zum Album des Jahres gekürt. Das hatte einen großen Einfluss auf das Publikum. Ich erinnere mich an eine Tour mit den Tindersticks: Jeden Abend spielte ich ein Konzert im Vorprogramm. Aber plötzlich gab mir das Publikum zehn Minuten lang stehende Ovationen, sie haben geklatscht und geklatscht. Das ergab für mich keinen Sinn, bis mir jemand sagte: „Die Musikpresse lobt dich in den Himmel.“ Und ich dachte: „Aber ich mache einfach das Gleiche wie gestern Abend. Warum verhalten sich die Leute so anders?“ Das ist die Macht der Medien. Meine Shows in Deutschland sind zu dieser Zeit sehr groß geworden: Ich war Headliner auf Festivals wie dem Haldern Pop, zu Gast in Talkshows wie „TV Total“, bei Sarah Kuttner …

ME: … und bei Harald Schmidt.

Adam Green: Harald Schmidt, genau. Er hat keine eigene Show mehr, oder?

ME: Leider nicht.

Adam Green: Weißt du, eigentlich war diese Episode in Deutschland sehr interessant. Ein wenig kann ich mich in die Lage von Popstars hineinversetzen. Denn für diese bestimmte, sehr kurze Zeitspanne… es waren sechs Monate, vielleicht sogar weniger, in denen ich in Deutschland nicht rausgehen konnte: Wenn ich in ein Restaurant ging, musste ich jeder einzelnen Person im Lokal ein Autogramm geben – inklusive dem Chefkoch. Wenn ich ins Museum ging, sind mir die Leute hinterher. Sie haben versucht, in den Tourbus einzudringen, nur um mit mir zu reden. Es war völlig irre. Nur: Eigentlich bin ich eher so eine Art Indie-Künstler. Deshalb hat das nicht so wirklich funktioniert. In Deutschland haben sie versucht, einen Popstar aus mir zu machen – aber das ist in keiner Weise das, was ich bin. Meine Wurzeln liegen in der Subkultur. In all den anderen Ländern habe ich einfach das getan, was ein Indie-Künstler eben so tut: Ich bin auf Tournee gegangen und habe Shows in kleinen Clubs gespielt.

ME: Macht es dir etwas aus, dass die Spielstätten wieder ein bisschen kleiner geworden sind, als sie es 2005 waren?

Adam Green: Das ist schon so lange her – es war wirklich nur diese kurze Periode in Deutschland, wo ich in diesen großen Hallen gespielt habe. Meistens habe ich in Rockclubs gespielt, davor und danach. Eine sehr intime Angelegenheit: Ich komme dort an und mache Soundcheck; es gibt eine kleine Bar und hinter der Bühne Snacks und ein paar Bier. Ich kann dem Publikum High Five geben und aus nächster Nähe mit ihm singen. Das ist eine sehr typische Indie-Rock-Erfahrung. So habe ich mein Leben verbracht. Bis auf diesen kleinen Ausrutscher, als ich für eine Sekunde Britney Spears war.

Ein Artikel aus dem ME-Archiv