Lena Dunham ist „Famesick“: Schonungslos über Liebe und Ruhm
Lena Dunhams Memoir „Famesick“ sorgt für Diskussionen: Die „Girls“-Schöpferin schreibt über ihre Beziehung zu Jack Antonoff und die Zusammenarbeit mit Adam Driver.
Lena Dunham hat ein neues Buch veröffentlicht, und der Name ist Programm: „Famesick“. Die Schöpferin der Serie „Girls“ verarbeitet darin ihre Erfahrungen in der Unterhaltungsindustrie – persönlich, schonungslos und stellenweise provokant. Schon kurz nach der Veröffentlichung sorgen vor allem Passagen über zwei prominente Männer für intensive Diskussionen: Jack Antonoff und Adam Driver.
Rückblick auf eine prägende Beziehung
Ein zentraler Teil des Buches widmet sich Dunhams Beziehung zu Jack Antonoff. Er zählt als Produzent für Künstler:innen wie Taylor Swift oder auch Lorde zu den einflussreichsten Figuren der Popmusik. Die beiden waren von 2012 bis Anfang 2018 ein Paar. Dunham beschreibt die Partnerschaft als intensiv und kreativ aufgeladen, aber auch von Unsicherheiten geprägt.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhält eine Passage, in der sie ihre eigene Untreue einräumt. Rückblickend schreibt sie sinngemäß: „Es ist schwer zu verstehen, warum zwei Menschen mit scheinbar unendlichen Möglichkeiten und finanzieller Freiheit sich nicht einfach getrennt haben.“ Und weiter: „Wir verhielten uns, als hätten wir sechs schulpflichtige Kinder, deren Sorgerecht wir verlieren könnten, wenn wir uns trennen. Dabei hing unser Selbstbild als ‘gute Menschen’ davon ab, die Beziehung um jeden Preis aufrechtzuerhalten.“
Trotz aller Schwierigkeiten beschreibt Dunham Antonoff wiederholt als „guten Mann“. Gleichzeitig zeichnet sie nach, wie die Beziehung unter ihrer gesundheitlichen Situation litt. Mit 26 Jahren wurde bei ihr Endometriose diagnostiziert. Die Krankheit verursacht starke Schmerzen, weil gebärmutterähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. 2017 unterzog sie sich schließlich einer Hysterektomie. Kurz danach zerbrach auch die Beziehung.
Die „Teen-Popstar“-Episode
Für besondere Diskussionen sorgt eine Reihe von Szenen rund um Antonoffs Zusammenarbeit mit einer jungen Popsängerin. Diese nennt Dunham im Buch nicht namentlich. Aufgrund der Umstände – gemeinsame Arbeit am Album „Melodrama“ und damalige Gerüchte – wird angenommen, dass es sich um Lorde handelt.
Rückblickend beschreibt sie die Dynamik so: „Er war oft in einem Raum eingeschlossen mit einem Teen-Popstar, deren Bedürfnisse genauso groß und komplex wirkten wie meine – und die mich ‘Tante Lena’ nannte, wenn ich mit meinem Rollator in die Küche humpelte, um grünen Tee zu holen.“
Eine besonders emotionale Szene: „Eines Tages kam ich von einer Knochendichtemessung nach Hause und fand sie auf unserem Sofa ausgestreckt, weinend in Jacks Schoß. Er sagte zu ihr: ‘Deine Jugend ist dafür da, zu experimentieren’ – in einem so tröstenden Ton, dass mir selbst fast die Tränen kamen.“ Dunham ergänzt: „Es war so lange her, dass er mit mir auf diese großzügige Weise gesprochen hatte.“
Eifersucht und Ambivalenz
Später spricht Dunham Antonoff direkt auf die Nähe an. Sie selbst fühle sich neben den beiden „wie ein Geist“. Antonoffs Reaktion zitiert sie ebenfalls: „Du bist nur wütend, weil sie nicht deine Freundin sein will.“ Die Autorin kommentiert knapp: „Und er hatte recht.“
Diese Passagen bleiben bewusst ambivalent. Dunham erhebt keinen klaren Vorwurf einer Affäre, zeichnet aber das Bild einer emotional aufgeladenen Dreiecksdynamik. Berufliche Nähe, persönliche Unsicherheit und Eifersucht überlagern sich darin.
Gegenüber „People“ betont sie, dass ihr Buch keine Abrechnung sein soll: „Ich hoffe, dass Leser:innen verstehen, dass dies keine Opfererzählung ist und auch keine, in der es Schuldige gibt. Es geht darum, dass auch schöne Beziehungen scheitern können, weil der Zeitpunkt nicht stimmt.“
Und weiter: „Die zentrale Frage für Memoirenschreibende ist: Wie spreche ich verantwortungsvoll über meine Erfahrungen? Meine Regel war, nur das aufzunehmen, was notwendig ist, um mein eigenes späteres Verhalten zu erklären.“
Eine komplizierte Dynamik am „Girls“-Set
Neben ihrem Liebesleben sorgt auch Dunhams Darstellung der Zusammenarbeit mit Adam Driver für Schlagzeilen. Driver feierte durch „Girls“ seinen Durchbruch. Später erlangte er mit „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ weltweite Bekanntheit.
Dunham schildert unter anderem eine frühe Sexszene aus der ersten Staffel: „Er schleuderte mich hierhin und dorthin“, schreibt sie. „Ich war fassungslos und brachte keinen Ton heraus – unsicher, was gerade passiert war. Hatte ich die Kontrolle über die Regie verloren? Würde man mich sofort ersetzen?“
Gleichzeitig relativiert sie ihre Wahrnehmung: „Nicht, dass ich mich verletzt gefühlt hätte – vielleicht hätte ich es gar nicht bemerkt, denn in meinem Privatleben hatte ich vieles zugelassen, ohne dafür bezahlt zu werden. Aber es fühlte sich an, als hätte sich etwas Intimes und Urmenschliches in einem Moment abgespielt, den ich eigentlich hätte kontrollieren sollen.“
In einer anderen Szene beschreibt sie einen Wutausbruch während einer Probe. Driver habe einen Stuhl gegen die Wand geworfen und geschrien: „Sag endlich etwas … wach auf, verdammt noch mal … ich habe es satt, dir beim Starren zuzusehen.“
Trotz dieser Schilderungen zeichnet Dunham kein einseitiges Bild. Sie beschreibt Driver auch als „beschützend“ und „liebevoll“. Sie erinnert sich daran, wie er sie in einer Phase großer Angst unterstützt habe. Nach ihrer letzten gemeinsamen Szene in der sechsten Staffel habe er ihr gesagt, er werde sie „immer lieben“ – seitdem hätten sie keinen Kontakt mehr.
Zwischen Selbstreflexion und Kontroverse
Mit „Famesick“ reiht sich Lena Dunham in eine Reihe von Memoiren ein, die statt klassischer Erfolgsgeschichten, eher die Schattenseiten von Ruhm beleuchten. Themen wie Machtverhältnisse, Unsicherheiten und emotionale Abhängigkeiten ziehen sich durch das Buch.
Die Reaktionen fallen entsprechend gemischt aus. Während viele Leser:innen die Offenheit als radikal ehrlich feiern, werfen Kritiker:innen ihr vor, intime Details unnötig öffentlich zu machen oder Perspektiven einseitig darzustellen. Gerade diese Spannung scheint jedoch Teil des Konzepts zu sein. Dunham bleibt ihrem Stil treu – direkt, selbstkritisch und bewusst unbequem.







