Zara Larsson und Pitbull: 2016-Nostalgie beim Lollapalooza 2026
Das Lollapalooza 2026 Line-Up liest sich wie ein Festival-Plakat aus 2016: Zara Larsson, Lily Allen und Lorde feiern ihr Comeback – was steckt hinter der Nostalgie-Welle?
2016 oder 2026 – hat hier jemand die 1 mit einer 2 vertauscht? Wer das Line-up des diesjährigen Lollapalooza 2026 studiert, könnte fast meinen, durch ein Wurmloch zurück ins Jahr 2016 gelandet zu sein. Neben Pitbull und Zara Larsson finden sich auch die Namen Lily Allen und Lorde unter den Headlinern. So oder so ähnlich hätte auch ein Festival vor zehn Jahren klingen können.
Das Internet hat es längst ausgerufen: 2026 ist das neue 2016! Und die Festival-Götter haben diese Gebete offenbar erhört. Das Lolla-Programm ist gespickt mit Namen, die Erinnerungen an Fidget-Spinner und Skinny Jeans hochkommen lassen. Wird gerade die 2016-Nostalgie aufgewärmt wie ein Eintopf, den wir etwas zu lange in der Tiefkühltruhe vergessen haben?
Zara Larsson – Der Phönix aus der Asche
Zara Larsson ist dafür das Paradebeispiel: Sie hatte 2016 mit ihrem Song „Lush Life“ die internationalen Charts unter die Top 10 erreicht, in Deutschland war er jedoch nie über Platz 4 hinausgeklettert. Dann nahm die Pop-Welt mehrere Jahre lang nur Hintergrundrauschen von der schwedischen Sängerin wahr – bis sie Ende 2025 plötzlich wieder da war. Das war allerdings weniger ihr neues Album „Midnight Sun“ zu verdanken; vielmehr erlebte „Lush Life“ eine Wiederbelebung. Konzertvideos von Larsson gingen viral, in denen sie gemeinsam mit einem Fan die Choreografie zum Song tanzte. Daraufhin wurde „Lush Life“ 2026 sogar bekannter als zur Zeit seiner Erscheinung und tanzte sich in Deutschland erstmals auf Platz eins.
Die Schwedin ist nicht der einzige Phönix, der nach zehn Jahren aus der Asche aufersteht. Fans, die mit falscher Pitbull-Glatze zum Konzert gehen, Lily Allen, die über den Betrug durch ihren Ehemann singt, und natürlich Lorde, die mit schwarzem Kirsch-Lippenstift und Eyeliner die Königin des Tumblr-Imperiums war – sie alle landeten zurück in den Charts. Wer da noch an Zufall glaubt, wurde wohl von der Mitternachtssonne verblendet.
Der Snapchat-Filter-Virus
Aber woher kommt diese kollektive 2016-Nostalgie? So richtig begonnen hat alles mit 2016-vs.-2026-Trends, bei denen Promis wie Privatpersonen zum Jahreswechsel ihr heutiges Ich mit Bildern aus 2016 verglichen. Snapchat-Hundefilter, pastellige Weichzeichnung und Starbucks überfluteten die sozialen Medien und steckten wohl alle mit einem Sehnsuchts-Virus an. Ist es wirklich das zehnjährige Jubiläum, das die Generation Z in solch eine Ekstase versetzt? Und warum passiert das dann nicht jedes Jahr erneut?
Einige Erklärungsversuche dafür schwirren bereits im TikTok-Kosmos umher: 2016 soll das Jahr gewesen sein, bevor alles den Bach hinunterging. Am 8. November 2016 wurde Donald Trump erstmals zum Präsidenten gewählt. Nach vier Jahren im Amt wurde er zwar zwischenzeitlich durch Biden abgelöst, doch dann schneite die Covid-19-Pandemie zur Tür herein. Für viele junge Menschen symbolisiert das Jahr 2016 vor allem eines: Sorgenlosigkeit. Die Generation Z war zum Großteil jung genug, um sich noch nicht wirklich von politischen Problemen bekümmern zu lassen. Verständlich, dass man sich gerade in so turbulenten Zeiten wie 2026 nach dieser gedankenlosen Leichtigkeit zurücksehnt. Das spiegeln Popkultur und Hörgewohnheiten wider: Wenige Dinge verknüpfen wir so stark mit Erinnerungen wie Musik. Deshalb klingt „Lush Life“ noch immer nach dem Sommer 2016.
Frischer Wind auf dem Line-up
Eine Kopie von 2016 wird das Lollapalooza 2026 trotzdem nicht. Die Stars bringen neben großen Hits größtenteils aktuelle Musik mit. So kündigt etwa Lily Allen bereits im Line-up an: Erwartet keine alten Songs. Ihr Name ist explizit mit „performing West End Girl“ versehen. Und dann gibt es unter den Headlinern natürlich auch Namen, die 2016 noch keiner kannte, weil sie noch nicht einmal begonnen hatten, Musik zu veröffentlichen – zum Beispiel Zartmann.





