Avaion: Vorwürfe des Missbrauchs und erste Konsequenzen

Eine Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen DJ Avaion – Vergewaltigung, Körperverletzung, Stalking. Avaion reagierte knapp, die Musikbranche zieht Konsequenzen.

In einem einstündigen YouTube-Video und begleitenden Instagram-Beiträgen erhebt eine Frau unter dem Usernamen „x.posemall“ schwere Vorwürfe gegen den DJ Avaion. Sie beschreibt, „ein halbes Jahrzehnt lang von Platin-Musiker Avaion missbraucht, vergewaltigt, betrogen und manipuliert“ worden zu sein.

Ihre Vorwürfe

In einer Zusammenfassung zählt sie auf, was ihr mit ihm widerfahren sein soll. Sie spricht von „mehrmaliger Vergewaltigung, mehrmaliger Körperverletzung, emotionaler Gewalt/Missbrauch, Betrug/Lügenkonstrukten, dutzendfachem Fremdgehen/Chatten, Stalking, Manipulation, Drohung/Beleidigung, hinterlistiger Ausbeutung und Privatsphärenverletzung“.

Ihrer Angabe nach waren sie und Avaion ab 2021 ein Paar. Sie beschreibt, er habe sie systematisch abhängig von sich gemacht. Zudem soll er sie geschlagen haben – „so stark, dass mein Trommelfell riss“.

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Im Video verweist sie auf Hunderte eingeblendete Materialien. Darunter befinden sich Chats, Dokumente, Aussagen und weitere Inhalte, die ihre Darstellung stützen sollen.

Die Reaktion von Avaion

Der Beschuldigte selbst äußerte sich in einer Instagram-Story knapp: „Ich bin bestürzt über die gegen mich erhobenen Vorwürfe. Die Situation belastet mich sehr. Mir ist bewusst, dass viele von euch eine Stellungnahme erwarten. Ich werde mich zu den Vorwürfen äußern, bitte jedoch um Verständnis, dass ich zunächst rechtliche Schritte einleiten muss.“ Laut „DJ Mag“ soll er sich noch diese Woche öffentlich äußern.

Frühere Vorfälle und Reaktionen des Umfelds

Sie beschreibt außerdem, eine Ex-Partnerin Avaions kontaktiert zu haben. „Diese hat ähnliches aufdringliches Verhalten erlebt und ihn diesbezüglich 2018 angezeigt.“ Darüber hinaus schildert sie: „Er gab 2018 zu, bewusst verletzend und degradierend zu handeln und dies als Quelle für seine Musikproduktion zu nutzen.“ Er empfinde sich laut ihr als „vergöttert“ und wolle die Welt „mit seiner Musik erobern“. Sein Umfeld habe dieses Verhalten ebenfalls gespiegelt.

„x.posemall“ beschreibt zudem mehrfachen Betrug – körperlich wie durch Chatverläufe. Einige dieser Unterhaltungen sollen mit Fans stattgefunden haben.

Stalking und psychische Folgen

Versuche, sich zu trennen oder ihn zu blockieren, sollen so verlaufen sein: „Er stand vor meiner Tür (3–4 Mal), rief mich über fremde Nummern an, bombardierte mich mit Mails, gefälschten Chats, Paypal-1-Cent-Nachrichten oder kontaktierte meine Freunde.“

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Der Schmerz sei für sie groß und aussichtslos gewesen. „Ich schrieb 2 Mal mein Testament und verletzte mich selbst oder plante Suizidversuche. Zusätzlich verlor ich dadurch meine Arbeitsfähigkeit.“

Das passiert jetzt

„x.posemall“ veröffentlichte die Erfahrungsberichte am 22. April 2026. Erste Reaktionen aus der Branche folgten noch am selben Tag. Die Wiener Veranstaltungsreihe „cuteconcerts“ solidarisierte sich mit „x.posemall“. Sie sagte ein geplantes Konzert im Rahmen von Avaions Tour am 14. Mai ab. In ihrer Bekanntmachung betonten sie, zum Zeitpunkt des Bookings nichts davon gewusst zu haben: „Hätten wir davon gewusst, hätten wir dieses Booking nicht gemacht. Wir verurteilen jede Form von Gewalt ausdrücklich.“

Am Morgen des 23. April meldete sich das Electric Love Festival via Instagram. Avaion werde dort nicht mehr auftreten.

Das Openbeatz-Festival äußerte sich zunächst auf Nachfrage in der Kommentarspalte: „Wir sind mit Hochdruck daran, das Thema aufzuarbeiten und rechtlich prüfen zu lassen. Wir werden dann konsequent handeln und ein Statement veröffentlichen.“ Am 23. April folgte dieses Statement: „Wir haben uns ausführlich mit den schwerwiegenden Vorwürfen und den veröffentlichten Belegen beschäftigt. Deshalb haben wir entschieden, Avaion mit sofortiger Wirkung aus dem Line-Up zu streichen. Die damit offen bleibende Gage spenden wir an @metoodjs.“

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Zudem räumte das Festival einen eigenen Fehler ein. Bereits 2025 sei in einem Kommentar auf die Missstände hingewiesen worden. Der mutmaßliche Täter habe sich daraufhin gemeldet und die Löschung des Kommentars gefordert. „Aufgrund der langjährigen Beziehung haben wir das geglaubt und nicht weiter hinterfragt. Das war aus heutiger Sicht ein großer Fehler.“

Reaktionen aus der Musikszene

Auch der Künstler BUNT. meldete sich in einer Instagram-Story zu Wort: „Wir haben nun das Video gegen Avaion gesehen. Wir sind völlig fassungslos und haben sofortige Maßnahmen ergriffen.“ Er habe den DJ aus seiner Salzburg-Show ausgeladen. Die Credits aus zwei gemeinsamen Songs möchte er entfernen lassen. Jeden Kontakt zu ihm habe er beendet. Er zeige „volle Solidarität“.

Wenn du von Gewalt betroffen bist oder Hilfe brauchst, kannst du dich anonym und kostenlos an das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (08000 116 016, www.hilfetelefon.de) oder den WEISSEN RING (116 006, www.weisser-ring.de) wenden.