Russell Brand über Sex mit 16-Jähriger: Seine Rechtfertigung

Russell Brand spricht offen über Sex mit einer 16-Jährigen, als er 30 war. Im Megyn-Kelly-Interview erklärt er sein Verhalten – während sein Strafprozess in London läuft.

Der britische Entertainer und Verschwörungstheoretiker Russell Brand war zu Gast bei der US-Journalistin Megyn Kelly und sprach offen über kontroverse Aspekte seiner Vergangenheit. Im Mittelpunkt stand eine sexuelle Beziehung, die Brand im Alter von 30 Jahren zu einer 16-Jährigen pflegte.

Im Gespräch ordnete er dieses Verhältnis in einen rechtlichen, kulturellen und persönlichen Kontext ein. Der Auftritt fällt in eine Phase anhaltender öffentlicher Kritik, geprägt von schweren Vorwürfen und einem laufenden Gerichtsverfahren.

Ein Interview im Schatten schwerer Vorwürfe

Seit Monaten steht Russell Brand im Zentrum einer intensiven Debatte. Mehrere Frauen werfen ihm unterschiedliche Formen sexualisierter Gewalt vor, darunter Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe und Nötigung. Die Vorwürfe, die teils bis ins Jahr 1999 zurückreichen, wurden erstmals im September 2023 durch umfangreiche Medienrecherchen öffentlich gemacht.

Insgesamt beschuldigen sechs Frauen den Podcaster. Brand weist sämtliche Anschuldigungen zurück und spricht von einvernehmlichen Beziehungen. Die Vorwürfe hatten dennoch spürbare Konsequenzen: Kooperationen wurden beendet, Auftritte abgesagt, und Plattformen überprüften zeitweise seine Inhalte.

Parallel dazu läuft ein Gerichtsverfahren in London. Brand plädierte im Mai 2025 sowie erneut im Februar 2026 auf nicht schuldig. Gegenstand sind unter anderem Vorwürfe der Vergewaltigung, des erzwungenen Oralverkehrs sowie sexueller Übergriffe. Der Prozess wurde aufgrund seiner Komplexität und der Vorbereitung der beteiligten Parteien verschoben; ein neuer Termin ist für den 12. Oktober angesetzt.

Die Aussagen bei Megyn Kelly

Vor diesem Hintergrund nutzte Brand seinen Auftritt in der „The Megyn Kelly Show“, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Konkret ging es um eine sexuelle Beziehung zu einer 16-Jährigen, die er bestätigte. Zum damaligen Zeitpunkt war Brand 30 Jahre alt. Er erklärte, dass in Europa das Mindestalter für sexuelle Beziehungen bei 16 Jahren liege und er sein Verhalten in diesem rechtlichen Rahmen damals nicht als problematisch wahrgenommen habe.

Die betroffene Frau erklärte laut den zugrundeliegenden Recherchen, sie sei mit Brand im Alter von 16 Jahren ausgegangen. Damals habe er laut „Stern“ zu ihr gesagt: „Es ist mir scheißegal, ob du 12 bist. Ich muss nur wissen, wo ich rechtlich stehe.“

Recht, Moral und Selbstkritik

Im Interview vermied Brand eine klare moralische Bewertung seines damaligen Verhaltens, räumte jedoch einzelne Fehler ein. Er bezeichnete sich rückblickend als „unreifen 30-Jährigen“, erkannte aber zugleich das bestehende Machtgefälle und die damit verbundene Problematik:

„Als ich gesagt habe, dass ich unschuldig bin, war, was ich meinte, dass ich einvernehmlichen Sex mit sehr vielen Frauen hatte. Man kann argumentieren, dass es unangebracht ist, aber das Mindestalter für sexuelle Beziehungen ist eine wichtige Sache.“

Er führte weiter aus, dass seine damalige Lebenssituation – geprägt von Sucht und Prominenz – ihm „eine Möglichkeit für endlose Einvernehmlichkeit“ eröffnet habe. Diese Aussage relativierte er jedoch sogleich: „Das heißt nicht, dass es richtig ist. Es ist eine Sünde.“ An anderer Stelle zeigte er sich selbstkritischer: „Sex ist eine mächtige Sache und ich habe sie falsch benutzt. Und ich verstehe heute, dass es dafür Konsequenzen gibt.“

Auch sein bevorstehendes Gerichtsverfahren sprach er an und verband es mit religiösen Überzeugungen: „Gott hat das finale Sagen darüber, was richtig ist. Bald habe ich ein Gerichtsverfahren, in dem ich die Möglichkeit habe, Gerechtigkeit zu erreichen. So haben es auch die Menschen, die sich von mir verletzt fühlen. Ich habe kein Problem damit, für die absolute Gerechtigkeit und das beste Ergebnis für alle zu beten.“

Politische Positionierung und öffentliche Wirkung

In den vergangenen Jahren hat sich Brand zunehmend als rechts-konservativer und christlich geprägter Kommentator, Podcaster und Verschwörungstheoretiker positioniert. Kelly selbst, bekannt für ihre konfrontative Interviewführung und ihre Nähe zu Donald Trump, ließ Brand ausführlich zu Wort kommen. Dabei stand insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie er heute auf sein damaliges Verhalten blickt und ob er Verantwortung übernimmt. Der Auftritt diente Brand zugleich als Plattform zur Präsentation seiner politischen Positionen.