Milli Vanilli bei Trumps Festival: Fab Morvan singt – wirklich diesmal

Ausgerechnet Milli Vanilli tritt bei Trumps patriotischer Great American State Fair auf. Fab Morvan hat 36 Jahre gebraucht, um zu beweisen, dass er singen kann. Die ganze Geschichte.

Kennen Sie noch Milli Vanilli? Das war der größte Playback-Skandal der Musikgeschichte. Und beim Wort Skandal ist der amtierende US-Präsident Trump nicht weit entfernt. Ab jetzt teilen die beiden nicht bloß eine fragwürdige Vergangenheit, sondern auch ein gemeinsames Fest.

Donald Trump schmeißt anlässlich des 250. Geburtstags der USA ein Festival – die sogenannte Great American State Fair. Vom 25. Juni bis zum 10. Juli verwandelt sich die National Mall in Washington, D.C. in einen 16-tägigen Jahrmarkt: Pavillons aller 56 Bundesstaaten und Territorien, ein 110 Fuß hohes Riesenrad, ein restauriertes Smithsonian-Karussell, dazu Rodeo, Viehwettbewerbe und natürlich Livemusik. Organisiert wird das Ganze von „Freedom 250“, der eigens gegründeten Stiftung des Präsidenten. Im Line-up stehen unter anderem Flo Rida, Vanilla Ice und Bret Michaels. Doch ein Act sticht besonders hervor: Milli Vanilli.

Ausgerechnet der Name, der zum Synonym für vorgetäuschtes Singen wurde, taucht auf dem Programm einer patriotischen Authentizitätsfeier auf. 1990 mussten Fab Morvan und Rob Pilatus ihren Grammy zurückgeben, nachdem herauskam, dass auf „Girl You Know It’s True“ andere Stimmen zu hören waren als ihre eigenen.

Die zweite Hälfte der Geschichte

Hier wird es interessant – denn die Geschichte hat eine zweite Hälfte, die der Spott gern übersieht. Was heute unter dem Namen auftritt, ist Fab Morvan, der Überlebende der beiden, und er singt tatsächlich selbst.

In den 36 Jahren seither hat Morvan beharrlich daran gearbeitet, das Playback-Desaster umzudrehen. 1992 erschien das Album „Rob & Fab“, auf dem die beiden tatsächlich selbst sangen – es verkaufte sich rund 2.000 Mal, ein kommerzielles Desaster, aber immerhin ein ehrliches. Es folgten jahrelange Soloarbeit und Open Mics mit einem Gitarristen: nach Konzerten vor 30.000 Menschen plötzlich der Versuch, zwanzig Leute zum Zuhören zu bewegen. Ende 2025 die Rückkehr auf amerikanische Bühnen, Anfang 2026 eine Grammy-Nominierung – für das Hörbuch seiner Memoiren, ausgerechnet bei derselben Recording Academy, die ihm einst die Trophäe wieder abgenommen hatte.

Wer also auf der Great American State Fair Milli Vanilli sieht, bekommt streng genommen das Gegenteil des Skandals von damals: einen Mann, der live singt, weil er etwas zu beweisen hat.

Altmodischer Skandal, modernes Geschäftsmodell

Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte. In einer Zeit, in der komplette Bands per KI aus dem Nichts generiert werden, Stimmen geklont und Gesichter berechnet, wirkt der Milli-Vanilli-Skandal fast rührend altmodisch. Zwei Menschen, die so taten, als ob – das war 1990 ungeheuerlich. Heute ist es Geschäftsmodell.

Bleibt die Frage, wer auf dieser Fair am Ende echter ist: Donald Trumps Haare, der Triumphbogen aus Pressspan oder der Mann, der einst nicht sang und es heute trotzdem tut.