Recyceltes Vinyl: Wie Indie-Labels die Branche verändern wollen
Der Vinyl-Boom hat eine Schattenseite – doch Warp Records, Ninja Tune und Co. wollen das ändern. Ihre Initiative für recyceltes Vinyl könnte die Produktion grundlegend transformieren.
Der anhaltende Vinyl-Boom hat der Musikindustrie in den vergangenen Jahren ein überraschendes Comeback beschert. Doch während Schallplatten wieder in den Regalen und auf den Plattentellern präsent sind, wächst zugleich die Kritik an ihrer ökologischen Bilanz. Nun haben mehrere führende unabhängige Labels eine Initiative ins Leben gerufen, die genau hier ansetzt: Sie wollen Vinyl nachhaltiger machen.
Allianz für umweltfreundlichere Produktion
Zu den beteiligten Akteuren zählen Secretly Group, Exceleration Music, Warp Records, Ninja Tune und die Beggars Group. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Herstellung von Schallplatten grundlegend zu verändern. Im Mittelpunkt steht der verstärkte Einsatz von recyceltem Vinyl, um den Verbrauch von neu produziertem PVC zu reduzieren. Dieses Material gilt als besonders problematisch, da seine Herstellung energieintensiv ist und auf fossilen Rohstoffen basiert.
Ein wichtiger Hebel liegt dabei in der engeren Zusammenarbeit mit Presswerken und Produktionspartnern. Durch optimierte Prozesse, die Wiederverwertung von Produktionsabfällen und den Einsatz bereits existierender Materialien wollen die beteiligten Labels den CO₂-Ausstoß entlang der Lieferkette deutlich senken. Die Initiative zielt damit nicht nur auf das Endprodukt, sondern auf den gesamten Herstellungsprozess.
Ein klares Signal innerhalb der Branche. Durch die Zusammenarbeit wollen die Labels Standards setzen und zeigen, dass nachhaltigere Produktionsweisen auch im größeren Maßstab möglich sind.
Ben Swanson, Mitbegründer der Secretly Group, erklärt laut „Clash“: „Die Produktion ist in der Regel die größte Quelle von CO₂-Emissionen für Plattenlabels, und durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Vinylfabriken hat die Secretly Group ihren ökologischen Fußabdruck in der Produktion gegenüber unserem Referenzwert für 2023 um 70 % reduziert.“ Effizientere Produktionsabläufe, geringerer Materialeinsatz und der verstärkte Rückgriff auf recycelte Rohstoffe machten diese Reduktion möglich.
Vinyl-Boom mit Schattenseiten
Dass Vinyl derzeit wieder so gefragt ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr, stellt die Industrie vor ein Dilemma. Einerseits sichern steigende Verkaufszahlen wichtige Einnahmen für Künstler:innen und Labels. Andererseits wächst der ökologische Fußabdruck mit jeder gepressten Platte. Neben der eigentlichen Produktion belasten auch Verpackung, Transport und Lagerung die Umwelt erheblich.
Genau hier setzt die neue Initiative an. Recyceltes Vinyl soll helfen, Ressourcen zu schonen und Emissionen zu senken, ohne dabei auf das physische Format verzichten zu müssen, das für viele Musikfans weiterhin eine besondere Bedeutung hat.
Ein Schritt in Richtung Zukunft
Ein zentraler Bestandteil der Initiative ist die Aufklärung. Die Initiative ermutigt Künstler:innen und Labels konkret dazu, bei neuen Releases nachhaltigere Optionen zu wählen – etwa recyceltes Vinyl zu nutzen, kleinere Auflagen bewusster zu planen oder umweltfreundlichere Verpackungen einzusetzen.
Langfristig geht es den beteiligten Labels darum, einen Kulturwandel anzustoßen. Vinyl soll nicht verschwinden, sondern verantwortungsvoller produziert werden. Ob recycelte Materialien sich flächendeckend durchsetzen, hängt dabei nicht zuletzt von der Akzeptanz im Markt ab. Der Vinyl-Boom steht damit an einem Wendepunkt: Die Frage ist nicht mehr nur, wie viel verkauft wird, sondern auch, unter welchen Bedingungen.




