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Pixies: Die besten Alben im Ranking

Von „Surfer Rosa“ bis „The Night The Zombies Came“: Das Pixies-Alben-Ranking erklärt, welche Platten unverzichtbar sind – und welche man getrost überspringen kann.

Diese Band blickt auf zwei Karrieren zurück. In den Achtzigern und Neunzigern gehörte sie zu den Motoren und Möglichmachern des Alternative Rock. Dann pausierte sie. Seit 2014 schleudert sie uns regelmäßig Rocksongs entgegen, die weniger weltbewegend sein mögen, aber nach wie vor Freude bereiten. Das sind die besten Alben der Pixies.

GIGANTIC

Surfer Rosa (1988)

Der schönste Basslauf der Indie-Rock-Geschichte läutet dieses Album ein. Stoisch ist er, nach vorne preschend und so etwas wie der Strukturgeber eines Songs, der ansonsten informell bleibt. Das ist ohnehin die Kernkompetenz der Band auf diesem von Steve Albini hervorragend produzierten Album: Chaos und Ordnung prallen aufeinander. Im Idealfall ergibt das Hits wie „Gigantic“ oder „Where Is My Mind?“. Doch das Album funktioniert am besten als musikalisches Gesamtwerk, das vieles vorwegnimmt, was in den folgenden fünf Jahren im US-Rock passieren wird.

Sechs Sterne

Doolittle (1989)

Explosionen. Aber welche voller Euphorie. Nachvollziehbar, dass einer der bekanntesten Indie-Clubs Schwedens nach „Debaser“, einem der Hits des Albums, benannt wurde. Nachvollziehbar auch, dass das Album in zahlreichen Bestenlisten auftauchte: Die Dynamik des Vorgängers wurde hier noch einmal perfektioniert. Möglicherweise beginnen hier die Neunzigerjahre. Wer die Songstrukturen mit denen von Nirvana vergleicht, wird feststellen: Auch der Grunge beginnt hier, wenn auch noch ein paar hundert Gramm Euphorie eingearbeitet sind. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich mit „Here Comes Your Man“ eine astreine Popnummer in die Tracklist geschmuggelt hat.

Sechs Sterne

Bossanova (1990)

Was macht man nach zwei solchen Knallern? Der Opener „Cecilia Ann“ gibt mit seiner Western-Dynamik die erste Antwort: Man marschiert nach vorne. Der zweite Track gibt die zweite Antwort: Man spielt „Rock Music“. Vielleicht ist das das konventionellste der frühen Pixies-Alben – wobei einige Fußnoten zu setzen sind. „Is She Weird“ kommt mit kühlschrankkaltem Bass und Gitarren sowie einem exaltierten Black Francis. Und „Hang Wire“ klingt wie eine Limonadenflasche, die zu lange geschüttelt wurde.

Viereinhalb Sterne

Trompe Le Monde (1991)

Was schon im Opener auffällt: Der Bass, einst einer der Aktivposten der Band, ist weit nach hinten gemischt, ebenso David Loverings Schlagzeug. Die Gitarren geben den Ton an – in Songs, die ruppiger als zuletzt sind und kaum Interesse an Zugänglichkeit zeigen. Dennoch klingen Tracks wie „U-Mass“ oder „Letter To Memphis“ recht eingängig, weil das Widerborstige der Songstrukturen, das die Vorgängeralben prägte, zurückgefahren wurde. Das mag am beginnenden Siegeszug des Alternative Rock auf MTV und Co. gelegen haben. Möglicherweise führten aber auch die Bruchstellen, die in der Band von Anfang an bestanden, dazu, dass Black Francis das Album mehr oder weniger alleine schrieb. Zwei Jahre später löste sich die Band auf, um erst elf Jahre später als Live-Act zurückzukommen.

Fünf Sterne

Indie Cindy (2014)

Man kann darüber diskutieren, ob dieses Album – streng genommen eine Sammlung der drei Comeback-EPs – in eine Liste mit den großen Klassikern aus den Neunzigerjahren gehört. Deren Durchschlagkraft besitzt es nicht: musikalisch nicht, kulturell erst recht nicht. Und natürlich fehlt die vor den Aufnahmen ausgestiegene Kim Deal nicht nur musikalisch, sondern auch als Gegenpol. Doch wo „Indie Cindy“ seinerzeit ein willkommener Gruß aus der Küche des Indie-Rock war, erweist es sich heute als erstaunlich gut gealtertes Kompendium von Hits: Der Titeltrack schleicht sich mit staubiger, an Pavement erinnernder Lässigkeit ins Ohr, „What Goes Boom“ prescht ungestüm nach vorne.

Fünf Sterne

SILVER BULLETS

Come On Pilgrim (1987)

Black Francis fährt seine Stimme spazieren, von luzider Schönheit bis in den gekreischten Abgrund. Kim Deal agiert mit ihrem Bass noch nicht so prominent, verleiht aber einigen Songs mit ihren Background Vocals eine zweite Ebene. Und Joey Santiago zeigt, was man mit der Gitarre alles anstellen kann. Ein EP gewordener Ausstellungspark, der dem typischen College-Rock der US-Ostküste jener Jahre mehr als nur ein paar Fußnoten hinzufügt. Und mal ehrlich: Gibt es eine bessere Zeile zum lauten Herausschreien als „You are the son of a motherfucker“ aus dem staubigen „Nimrod’s Son“?

Vier Sterne

Beneath The Eyrie (2019)

Irgendwo zwischen Predigt und Geisterstunde pendelt das dritte Album der zweiten Periode. Die Band tastet sich eher heran; niemand muss mehr beweisen, dass er laut und leise kann. Der Bass von Paz Lenchantin darf wieder mehr erzählen, und Black Francis wirkt, als habe er sich endgültig mit seinen Obsessionen angefreundet – wobei er diese weniger nervös vorträgt als früher. Eher klingt er wie jemand, der seine Lieblingsgeschichten zum hundertsten Mal erzählt und sie immer noch mag. So entsteht eine Stimmung, die weniger von Brüchen definiert wird als von dem Gefühl, dass hier eine Band in Würde altert, ohne sich groß darum zu scheren, ob das jemand bemerkt.

Vier Sterne

Doggerel (2022)

Über die Geisterstunde wurde gerade schon gesprochen. Dem zugehörigen Ort haben die Pixies auf diesem Album ein Denkmal gesetzt. „Haunted House“ steht mit seinem leichten Cowpunk-Einschlag und seiner Freude an der schönen Melodie für eine Band, die nicht mehr stolpert, sondern leicht windschief läuft – aber immer nach vorne. Man kann das bemängeln. Man kann sich aber auch daran erfreuen, dass „Get Simulated“ direkt in alte „Doolittle“-Zeiten zurückführt.

Vier Sterne

DIG FOR FIRE

Head Carrier (2016)

Das erste Album mit Bassistin Paz Lenchantin. Die kann nichts dafür, dass es ein bisschen langweilig ist – das von ihr geschriebene „All I Think About Now“ ist nicht nur eine Verbeugung vor der Bandgeschichte (man höre sich dieses Gitarrenriff an!), sondern auch der beste Song des Albums. Die restlichen Stücke hinterlassen leider weniger Eindruck. So nett das kleine „Plaster Of Paris“ Richtung Twee dengeln mag, so schön das Riff in „Oona“ erscheint: Es bleibt wenig hängen.

Drei Sterne

The Night The Zombies Came (2024)

Dieses Album klingt rund, aus einem Guss, und pendelt froh zwischen Americana und Indie-Rock. Das Wort „abgeklärt“ weist in die richtige Richtung, greift aber zu kurz – denn natürlich schlagen die Pixies auch auf diesem Album noch Haken. Die schönsten: der fast musicalhafte Rocker „You’re So Impatient“, das ungestüme „Oyster Beds“ und der Titeltrack. In dem verschwindet Francis übrigens in „European Neighbourhoods, hooked on drugs and lost in the woods“. Ob er wiederkommen wird? Wir wünschen es uns sehr.

Dreieinhalb Sterne

RANDGEBIETE

Während der Abwesenheit der Pixies veröffentlichte ihr ehemaliges Label 4AD fleißig Compilations. Empfehlenswert sind vor allem zwei: Mehrfach gastierte die Band im britischen Radio. Das erstmals 1998 veröffentlichte und 2024 deutlich erweiterte „At The BBC 1988–91“ kommt unter anderem mit einem herrlich zerschossenen, 1988 bei John Peel aufgenommenen Cover des ohnehin herrlich zerschossenen Beatles-Tracks „Wild Honey Pie“ sowie einer hübschen Session-Version von „Monkey Gone To Heaven“. Was sich hinter den „Complete ‚B‘ Sides“ verbirgt, sollte selbsterklärend sein – hinhören lohnt sich dennoch. Dass es Tracks wie „Into The White“ oder „Manta Ray“ nicht auf Alben schafften, sagt eine ganze Menge über diese Band aus.