Nie weg gewesen: KitschKrieg im Interview
Das langersehnte Comeback der stilprägenden Berliner Produzenten: Sechs Jahre nach ihrem Debütalbum ist jetzt KITSCHKRIEG 2 erschienen. Darauf versammeln Fizzle und Fiji Kris die freshesten Sounds und die spannendsten Acts einer neuen, jungen Generation.
Ihr seid aus der Musikszene schon seit 2015 unmöglich mehr wegzudenken. Trotzdem schafft ihr es immer wieder, neue Tracks zu bauen. Was inspiriert euch dazu, weiterzumachen?
FIZZLE: Musik machen, produzieren ist für mich – und ich glaub’, da sprech’ ich für uns beide – der schönste Job der Welt. Ein neues Lied zu machen, begeistert mich immer noch genauso wie am Anfang. Man geht irgendwo hin, trifft jemanden, und im Idealfall kommst du abends irgendwie aus dem Studio raus und hast etwas geschaffen, was es vorher nicht gab, und du hast ein neues Lied gemacht. Und das ist einfach ein echt krass schönes Gefühl.
Und jetzt ist da euer zweites eigenes Album. Wie war der Prozess? Gab es erst eine Grundidee oder ist es organisch entstanden?
FIZZLE: Relativ organisch entstanden. Es ist das zweite KitschKrieg-Soloalbum. Wir haben natürlich einen Haufen anderer Alben gemacht. Ich weiß nicht, wie viele, wahrscheinlich über zehn. Wir schlittern immer von einem Projekt ins nächste.
FIJI KRIS: Wir nehmen uns immer vor, einen Monat Pause zu machen, und nach vier, fünf Tagen kommt meistens der Anruf: „Ey, ich hab’ hier was.“ Meistens hab’ ich dann auch was. Die Vision entwickelt sich dann natürlich. Also man fängt an, hat ein paar Tracks, und dann bildet sich das heraus. Natürlich gibt’s bei dem Album ein klares Konzept. Neue Künstler, neuer Sound, Heartbreak ist auch ein Thema. Wir denken also schon in Konzepten, aber die bilden sich dann heraus, und sobald wir das haben, machen wir das dann.
Ihr seid auch international unterwegs und habt außerhalb von Deutschland viel Musik produziert. Wie kommt’s dazu, dass es jetzt aber trotzdem ein deutschsprachiges Album geworden ist?
FIJI KRIS: Na, wir haben ja nach unserem letzten Album 2020 noch ein Album mit Trettmann gemacht und haben uns dann entschieden: jetzt was Neues, neue Welt, neue Künstler. Und dann sind viele Jahre vergangen, fünf oder so. Und wir haben halt gesehen, die Welt hat sich verändert, wir haben uns verändert. Es gibt eine neue Generation Künstler hier. Deswegen hat’s wieder Sinn gemacht und Bock gemacht, hier was zu machen.
Eure Features sind mega vielfältig. Es ist von Pop zu Rap und von Newcomer zu etabliert alles dabei. Wie habt ihr euch die Leute ausgesucht?
FIZZLE: Zu schauen: Was gibt’s an Künstlern? Das letzte deutsche Album ist sechs Jahre her, seitdem ist extrem viel passiert. Du hast eine komplett neue Generation von Künstlern. Wir waren die ganze Zeit weg, haben auch wirklich wenig deutsche Musik gehört in der Zeit, sind zurückgekommen und haben dann angefangen, die Szene zu scannen, die ersten Leute eingeladen, und dann gehst du auf so eine Reise. Wir bauen die Sachen ja immer gerne so ein bisschen zusammen in Kombis, die es sonst vielleicht nicht geben würde. Und dann landet man am Ende bei so einem Cast von 15 bis 20 Leuten auf dem Album.
Eure DNA ist ja in jedem Song zu erkennen, obwohl die Songs so unterschiedlich sind. Ist es schwierig, diesen typischen KitschKrieg-Vibe reinfließen zu lassen und sich trotzdem stetig weiterzuentwickeln?
FIZZLE: Für uns irgendwie nicht. Wenn man jetzt guckt, wie lange wir das schon machen und wie viel innerhalb dieses Kosmos zu finden ist, da ist immer Platz für Weiterentwicklung. Und der Vibe, das ist einfach das, was wir sind, was wir machen. Auf technischer Ebene ist es ein bisschen so: Wir haben unsere Instrumente – wie eine Band eigentlich –, die wir immer wieder nutzen. Die kann man verschieden einsetzen, aber das hält es zusammen.
Gibt es da einen bestimmten Fragenkatalog: Was müssen Artists mitbringen, damit sie aufs KitschKrieg-Album kommen?
FIZZLE: Sie müssen Originale sein. Wir wollen keine Kopien von Sachen, die es schon gibt. Dann ist egal, ob das ein Indie-Künstler ist oder ein Rapper. Aber Originale, das ist eigentlich das einzige Kriterium.
Ich finde aufregend, dass ihr Romy auf eurem Album drauf habt, die ja noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht. Wie seid ihr auf sie aufmerksam geworden?
FIZZLE: Romy wurde mir von einem alten Kollegen empfohlen, der auch in der Musikszene arbeitet, und das ist so ein klassischer Fall. Ich erinnere mich, damals war Alli Neumann zum Beispiel auch wirklich neu, neu, neu. Und das ist schön, solche Leute früh zu entdecken, das Talent zu sehen und sie dann einzuladen. Und genauso war das mit Romy. Romy ist total krass. Die hat vielleicht noch nicht viele Songs draußen, aber sie stellt sich vors Mic, fängt an zu singen und vom ersten Take an merkst du: Sie hat so eine besondere Stimme, die kann so leise singen und trotzdem ist die voll da. Ist eine ganz besondere Künstlerin, die bestimmt ihren Weg gehen wird. Ist schön, mit ihr gearbeitet zu haben.
FIJI KRIS: Es ist auf jeden Fall immer interessant, mit neuen Künstlern zu arbeiten. Also auf dem Album ist ja eigentlich ausschließlich diese Generation, und auch zu merken: Wir sind jetzt schon älter, sind fast eine andere Generation, aber wir haben halt Erfahrungen gesammelt über die Zeit und wollen das kombinieren mit diesem frischen Jugendding.
Ihr schafft es nach all den Jahren noch immer in die Playlist von Millionen von Menschen. Was denkt ihr, bewegt eine neue Generation dazu, eure Musik zu hören?
FIJI KRIS: Also ganz klar: Mit der jungen Generation zu arbeiten, hat für uns natürlich auch den Effekt, dass wir mit denen in Kontakt sind und rausfinden, was für sie wichtig ist. Die Welt verändert sich, Sound verändert sich, wir bringen immer neue Musik. Wir haben auch nicht so viel Angst davor, mal was zu machen, von dem wir nicht wissen, wie’s geht. Am Ende kommen wir dann bei etwas raus, was sich irgendwie nach uns anhört – weil wir auch nicht wissen, wie das anders geht.
FIZZLE: Der zweite Faktor in der Sache ist, dass man sich auch selber die ganze Zeit fordert und nicht bequem wird. Wir hätten nach dem 2020er-Album auch sehr komfortabel in Deutschland bleiben und hier einfach weitermachen können. Aber die Entscheidung, rauszugehen und in England und in Amerika Musik zu machen, sich zu fordern und etwas Neues zu erleben – und das ist ja auch nicht einfach, auf so einen anderen Markt zu wechseln. Das hält dich sharp.
Wenn ihr an die Zukunft denkt, im nächsten Jahr oder in zehn Jahren: Gibt es da bestimmte Ziele, die ihr euch noch setzt?
FIZZLE: Das langfristige Ziel ist, diesen Job bis ans Lebensende machen zu können. Also wirklich so lange, wie es irgendwie möglich ist, weiter Musik zu produzieren. Das ist das langfristige Ziel, das Leben dementsprechend auszurichten und das Gelernte anzuwenden. Und auf dem Weg ist so ein bisschen: Was passiert, passiert. Wir werden noch eine zweite Hälfte von dem Album veröffentlichen, und dann machen wir wahrscheinlich wieder die Biege in die USA.
Nichts hinzuzufügen?
FIJI KRIS: (lacht) „KitschKrieg 3“.




