Serj Tankian zu Netanyahus Genozid-Anerkennung: „Fuck you“

Serj Tankian reagiert mit deutlichen Worten auf Netanyahus Anerkennung des Armenier-Genozids.

Es gibt viele dunkle Kapitel der Menschheitsgeschichte, und es ist wichtig, sich an sie zu erinnern, um wiederkehrende Muster frühzeitig erkennen und stoppen zu können. Zu diesen dunklen Kapiteln gehört auch der Genozid an den Armeniern im Jahr 1915. Nun hat Netanyahu den Völkermord anerkannt, doch der armenische System-of-a-Down-Sänger Serj Tankian hat dafür nur zwei Worte: „Fuck you“. Doch warum?

Genozid

Israel stellte sich jahrelang gegen eine Anerkennung des Genozids, da es seine Beziehungen zur heutigen Türkei nicht gefährden wollte, die historisch eng mit dem Völkermord verbunden ist. Denn im Schatten des Ersten Weltkriegs begann das Osmanische Reich 1915 bis 1916 damit, die armenische Bevölkerung systematisch zu vernichten. Die türkischen Nationalisten strebten damals ein ethnisch homogenes Staatsgebiet an und erklärten die christlich-armenische Minderheit zum vermeintlichen inneren Feind. Wobei zwischen 664.000 und 1,2 Millionen Menschen ums Leben kamen.

Die Türkei erkennt die Ereignisse als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches bis heute nicht als Völkermord an. Auch Deutschland erkannte ihn erst 2016 an, und die USA warteten aufgrund des diplomatisch heiklen Vorgehens bis 2021 auf eine offizielle Anerkennung. Nun zog auch Israel nach.

Für Serj Tankian geht es jedoch weniger um die Anerkennung an sich als um das Timing der Nachricht.

Gaza

Während Israel Krieg im Gazastreifen führt und sich zugleich im Krieg gegen den Iran befindet, sehen einige im Vorgehen Israels Anzeichen eines Genozids – im September stufte eine UN-Kommission das Vorgehen im Gazastreifen als Völkermord ein, was Israel entschieden zurückweist. Die Anerkennung des armenischen Genozids wirkt somit eher wie politisches Kalkül als wie aufrichtige Anerkennung.

Serj Tankian sagt dazu in den Socials: „Die Tatsache, dass diese Regierung, die bereits in Gaza und im Libanon einen Genozid begeht, sich entschieden hat, den Genozid an meinen Großeltern anzuerkennen, ist das Schlimmste, was sie den Armeniern hätten antun können – indem sie unsere Geschichte, unseren Genozid, unseren Schmerz für ihren politischen Vorteil nutzen.“ Und dann fügte der Musiker und Aktivist hinzu: „Fuck you“.

Seht hier den Clip:

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Wer System of a Down live sehen möchte, kann das am 8. Juli in Berlin und am 10. Juli in Düsseldorf tun. Passend zur Thematik wird die Band dabei wohl auch ihren 2020 erschienenen Song „Genocidal Humanoidz“ spielen.

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