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Cyndi Lauper: Die Karriere einer Pop-Ikone der 80er

Cyndi Lauper stellte 1983 mit „Girls Just Want To Have Fun“ den Pop auf den Kopf – zwischen Punk, Broadway und Aktivismus. Die ganze Geschichte einer Ikone.

Cyndi Lauper ist ein Popstar, wie er nur aus den Achtzigern kommen kann. Doch ihre Wirkung geht weit über diese Dekade hinaus. Mit „True Colors“ schenkt sie der LGBTQ+-Community ein Leitbild, mit ihren Broadway-Kompositionen für Musicals gewinnt sie Awards, ihre politischen Initiativen schaffen Veränderungen. Angelegt ist die Vielfalt bereits in ihrer Debütsingle „Girls Just Want To Have Fun“, mit der sie 1983 Pop auf den Kopf stellt.

Es gibt im Dokumentarfilm „Let The Canary Sing“ über das Leben von Cyndi Lauper großartige Szenen. Zum Bespiel, wenn sie an sich selbst verzweifelt, weil sie notorisch zu spät kommt, obwohl Cher ihr doch eindringlich zur Pünktlichkeit geraten hat. Oder wenn sie mit ihrer ersten Band Flyer exakt so singt, wie ihr Vorbild Janis Joplin es getan hat – und sich dann wundert, dass sie damit ihre Stimme ruiniert. Die schönsten Szenen jedoch handeln von den Drehs der Videos zu ihren ersten Hits.

Es ist das Jahr 1983, MTV dominiert den Pop, kulturell und kommerziell. Die konservativ strukturierten Plattenfirmen müssen sich erst noch daran gewöhnen, was dazu führt, dass viele Clips unter anarchischen Bedingungen entstehen: Geld ist vorhanden, Ideen auch – aber niemand ist da, der beides koordiniert oder kontrolliert. Wie super, denkt sich Lauper. Für das Filmchen zu ihrer Debütsingle „Girls Just Want To Have Fun“ und kurz danach auch für den Clip zur Masturbationshymne „She Bop“ lässt sie allerhand Leute ankarren, die ihr am Herzen liegen. Ihre Mutter Catrine zum Beispiel. Den bulligen Wrestler Lou Albano. Oder Gregory Natal und seine Leute, eine offen schwul lebende Clique, in der Lauper eine Heimat fand, als sie von zu Hause abhaute.

Mitten in diesem Wirrwarr befindet sich Lauper. Doch statt am Set die Dinge in ordnende Bahnen zu bringen, stachelt sie ihren Cast zusätzlich auf. Mit irren Tanzbewegungen. Spontanen Gesangseinlagen. Spitzen Schreien. Kein Wunder also, dass die Clips aussehen, als hätte sie die sowieso schon überdrehten 80er noch beschleunigt. So, wie man es bei den komödiantischen Stummfilmen machte, um mit Hilfe der Hektik ein paar Gags zu zünden. Was Lauper ihrem Publikum zeigen möchte: Sie hat keine Sekunde zu verlieren. Dies ist ihre Zeit. Darauf gewartet hat sie lang genug.

Ein Käppi voller Sterne

Dass dieses Mädchen singen kann, weiß in der Nachbarschaft jeder, der sie einmal gehört hat. Ihr liegen die hohen Töne, das sowieso. Aber sie hat auch den dunklen Blues, den tiefen Soul. Lauper, geboren 1953, wächst im multikulturellen Brooklyn auf; später zieht die Familie weiter ins bürgerliche Queens. Ihre Mutter Catrine besitzt sizilianische Wurzeln und hat ihrer Tochter diesen italo-amerikanischen Akzent mitgegeben, den man aus guten Mafia-Filmen kennt. Ihr Vater ist ein Deutsch-Schweizer, der Nachname verweist auf das Städtchen Laupen bei Bern. In einer Ahnenforschungsshow im US-TV stellt sich 2023 heraus, dass ihr Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater in der frühen Eidgenossenschaft einer der Rebellen war, der Mitte des 17. Jahrhunderts für mehr Gerechtigkeit gegen die Obrigkeit kämpfte. Die Nachkommin Cyndi reagiert in der Sendung auf diese Erkenntnis sichtlich erfreut.

Ihre Eltern trennen sich, als Lauper fünf Jahre alt ist. Bald kommt ein Stiefvater ins Haus, ein Tyrann. Ihr jüngerer Bruder Fred, vor allem aber ihre ältere Schwester Ellen und sie selbst leiden immens unter ihm. Cyndi und Ellen flüchten in die Musik. Es gibt eine Gitarre im Haus, die von beiden genutzt wird. Die Schwestern saugen jede Musik auf, die sie über ihr Transistorradio empfangen. Beatles, Stones, Musical-Melodien und den Soul der Girlgroups. Als sich die missbräuchliche Situation mit dem Stiefvater zuspitzt, verlässt Ellen fluchtartig das Haus. Sie outet sich lesbisch, zieht in eine queere WG. Cyndi ist erst todunglücklich, folgt ihrer Schwester dann und findet, noch längst nicht volljährig, Unterschlupf in der queeren Szene von New York. „Pass auf meine Kleine auf“, sagt Ellen Lauper einem ihrer engsten Freunde. Und der Typ mit dem Namen Gregory Natal nimmt sich dieser Aufgabe an.

Was klar ist: Lauper muss sich sehr früh ein eigenes Leben aufbauen. Um sich zu finden, fährt sie mit ihrem Hund nach Kanada. Sie campt im Wald, sucht im Himmel nach Antworten, sieht die unzähligen Sterne am Nachthimmel und schmiedet einen verwegenen Plan: So grenzenlos wie das Universum, so grenzenlos sind auch ihre Möglichkeiten. Um diese Erkenntnis nie wieder zu vergessen, nimmt sie sich vor, den Sternenhimmel über Kanada in ihrer Mütze zu konservieren. Ein Hut voller Sterne. Als größter Schatz des Kosmos. Auf dem Titelsong des HAT FULL OF STARS von 1993 nimmt sie Bezug auf diese magische Nacht: „When all we had was a hat full of stars / The one I’ll always treasure.“

Working Girl

Laupers nächste Station ist Vermont, zwischen Kanada und New York City. Sie schreibt sich an einer Kunsthochschule ein, muss aber auch Geld verdienen, etwa als Kellnerin, Modell für Malkurse, Wächterin an einer Rennbahn, Anbieterin von Karate- und Judostunden – ohne auch nur die geringste Ahnung von diesen Kampfsportarten zu haben. Als Lauper kurz in einem Mode-Store arbeitet, sagt sich die Inhaberin: „Was für ein Glücksfall, dass sie als Angestellte zugleich meine beste Kundin war, sie gab ihren Lohn gleich wieder aus.“

Zurück in New York, ist sie zunächst Sängerin der Disco-Cover-Truppe Doc West, dann steigt sie bei Flyer ein, bei denen sie Janis Joplin kopiert und dabei ihre Stimme ruiniert. Sie sucht sich eine Gesangslehrerin, mit der sie zunächst nur mit Zetteln kommuniziert, weil sie nur noch krächzen kann. Als die Vocals zurückkommen, trifft sie Ende der Siebzigerjahre den Saxofonisten und Pianisten John Turi, gründet mit ihm die Band Blue Angel.

Wenn Lauper auf der Bühne singt, gleicht ihre Performance einem Naturereignis. Leider hält die Musik der Gruppe nicht Schritt. Die 80er stehen ins Haus, und die Blue-Angel-Mischung aus Glamrock und Rockabilly wirkt in etwa so hip wie Sideburns und Schlaghosen. Das erste und einzige Album erscheint 1980, übel ist es nicht, jedoch: Blue Angel sind too late for the party. Ein Riesenschritt für Lauper ist die Platte dennoch: Die meisten Stücke hat sie zusammen mit Turi selbst geschrieben, darunter mit „Maybe He’ll Know“ ein Lied, das vieles von dem andeutet, was da noch kommen wird. Zufrieden ist Lauper mit dem Album dennoch nicht. Sie mag das Cover nicht („ich sehe aus wie Bibo“), ist von den Verkäufen enttäuscht („ich hoffte, die Platte wird zu Gold, aber sie lag wie Blei in den Läden“). Und sowieso: Wenn eine Sängerin ihre Band so sehr überstrahlt, dann kann das nicht gutgehen.

Eine Solokarriere ist bereits beschlossene Sache, als Blue Angel versuchen, zu retten, was zu retten ist. Weil die Vertragslage undurchdringlich ist, kommt es zu einem ärgerlichen Gerichtsprozess mit einem Ex-Manager, dessen Forderungen Lauper nicht nur einiges an Geld kosten, sondern ihr auch die Nerven rauben. Ist das das Scheitern, vor dem man sie warnte? Bei einem Gelegenheitsauftritt in einer Bar trifft sie David Wolff, einen schnittigen Typen, der in jedem Film über den Mythos Rock’n’Roll die perfekte Besetzung für einen Musikmanager wäre. Wohl auch deshalb ist er tatsächlich ein solcher geworden. Er übernimmt den Managementjob, bald werden die beiden auch privat ein Paar. Es vergehen ein paar Monate, dann vermittelt er Lauper an Epic Records. Es ist Frühling 1983. Sie geht auf die 30 zu. Es wird höchste Zeit, dass die Party beginnt. Bevor sie auch solo zu spät dran ist.

Party like it’s Nineteeneightythree

1983, Apokalypse trifft Zukunft: Der Dritte Weltkrieg steht vor der Tür, die erste CD wird produziert, das erste Mobiltelefon ist käuflich zu erwerben, und im Internet gibt es nicht nur mehr Zahlenkolonnen, sondern auch Domains. Die besten Popsongs des Jahres begleiten diesen Wahnsinn. Kommentieren ihn. „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ von den Eurythmics, „Let’s Dance“ von David Bowie, „1999“ von Prince, „Beat It“ von Michael Jackson, „Do You Really Want To Hurt Me?“ von Culture Club und natürlich auch Nenas „99 Luftballons“ und „Major Tom (Völlig losgelöst)“ von Peter Schilling: Die Musik verbindet Eskapismus und Dekadenz mit soziokultureller Kommentarfunktion. Und Lauper ist voll dabei.

Ihr Stil ist bis heute Matrize für die Mode dieser Dekade, kopiert in Retro-Filmen, auf Kirmeskarussells, für Karnevalskostüme. Der große Unterschied: Lauper sieht nicht verkleidet aus. Sie ist das Original, wirkt mit ihrer postmodernen Kombination aus Punk und Hippie, aus traditionellen Kleidern und futuristischen Outfits wie eine Zeitreisende, die in jeder Epoche zugleich fremd und heimisch wirkt. Lauper weiß auch um die popkulturelle Bedeutung der queeren Community im Jahr 1983, und sie hat lange genug unter ihrem Stiefvater gelitten, um Feminismus nicht nur zu denken, sondern in die Tat umzusetzen. Daher ist sie schockiert, als sie hört, welches Stück das Label für ihre erste Solosingle im Sinn hat: „Girls Just Want To Have Fun“, geschrieben 1979 von Robert Hazard aus der Pubrock- und New-Wave-Szene von Philadelphia.

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Der Song ist ein Relikt der Siebzigerjahre: Ein Typ beschreibt Mädchen, die Spaß haben wollen. Wobei sie diesen Spaß zusammen mit Typen haben. Die dann wiederum auch ihren Spaß haben. Lauper identifiziert sich null mit dieser Perspektive. Für ihr Label ist das zunächst kein Argument, schließlich geht’s für diese Leute um Plattenverkäufe, nicht Identitätsstiftung. Doch Lauper besteht darauf, dass sie den Song ändern darf. Im Original ruft in der ersten Strophe nachts der Vater an, um von seinem Sohn zu erfahren: „My boy, what do you want from your life?“. Dieser antwortet: „Vater, du gehörst zu den Glücklichen.“ Denn: Mädchen wollen ihren Spaß. Bei Lauper ist es in der ersten Strophe so, dass sie spät nachts nach Hause kommt, die Mutter sie fragt, wann sie gedenke, ein richtiges Leben zu führen, und Lauper erwidert: „Oh, momma dear, we’re not the fortunate ones / And girls, they wanna have fun.“

Cyndi Lauper bürstet den Song quer, indem sie aus einer Fantasie über passive Frauen, die Männer beglücken, ein Stück über aktive Frauen macht, die Spaß haben wollen. Und: Sie wendet das Stück auch musikalisch. Hazards „Girls Just Want To Have Fun“ klingt nach lässigem Pubrock. Es ist kein übles Stück, hätte gut auf das erste Album von Blue Angel gepasst. Nun aber schlägt die Stunde des Popjahrs 1983 – und die Lauper fordert, dass ihre erste Single nach Pop klingt, nach fun, nach der puren Freude in einem Freizeitpark, nach Bubblegum und Seifenkistenrennen, mit grellen Synthies und einer „gated Snare“, dem charakteristischen Drumsound der Dekade. Später in den 90ern verhasst, ab den Nullern dann wieder Sehnsuchtsklang jeder Indie-Schlafzimmer-Produktion.

Cyndi ringt sie alle nieder

An „Girls Just Want To Have Fun“ stimmt alles. Doch als die Single veröffentlicht wird, passiert zunächst einmal nichts. Beim Label macht sich Unruhe breit. Man kommt auf die Idee, gleich eine zweite Single hinterherzuschieben, die Ballade „Time After Time“ bietet sich an. Lauper hat sie zusammen mit Rob Hyman geschrieben, Gründer der Hooters, der auch die Background-Vocals übernimmt. Der Song ist ein Lied über die erodierende Beziehung zwischen Lauper und Manager David Wolff, über die Momente, wenn die Erkenntnis reift, dass sich die gemeinsame Zeit dem Ende nähert. Lauper weiß um das Potenzial des Songs. Aber als erste Single will sie „Time After Time“ partout verhindern. Weil sie weiß: Ist der erste Solo-Hit eine Ballade, landet man in diesem Fach. Und kommt nie wieder heraus. Was also tun? Erneut zeigt Lauper, dass sie die Gegenwart versteht. Die Bedeutung der Aufmerksamkeitsökonomie erkennt. Der Macht der Bilder. Und das Comeback des Wrestlings.

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Das uramerikanische Kampfsportspektakel erlebt in den Fünfziger- und Sechzigerjahren eine erste Goldene Ära. Dann sinkt der Stern. Bis Anfang der 80er eine neue Generation übernimmt – und die Inszenierung auf die Spitze treibt. Ganz im Sinne von MTV, denn der Kabelsender zeigt damals nicht nur Musikvideos, sondern auch Wrestling-Events als eine drastische Art von Pop-Inszenierung. Neue Kämpfer wie Hulk Hogan werden zu Stars. Zudem öffnet sich Wrestling auch für Kämpferinnen. Eine von ihnen: Wendi Richter. In einer Storyline ist Lauper ihre Managerin, die Sängerin ist großmäulig im Ring zu sehen, zusammen mit Hulk Hogan als ihrem persönlichen Bodyguard, über die Boxen läuft „Girls Just Want To Have Fun“. Für die Single wirken die Bilder wie ein Boost, mit Lou Albano holt sich Lauper einen Wrestler in ihr Video. Eine bessere Cross-Promotion kann es nicht geben. Nicht für das Stück, das durch die Decke geht. Und nicht fürs Wrestling, das aus der Schmuddelecke in den Pop rückt.

Mit ihrem Albumdebüt SHE’S SO UNUSUAL in den Top-Fünf der Charts ist Lauper Dauergast in den Late-Night-Shows, tritt dort als Frau auf, die wegen ihrer gespielt hohen Sprechstimme für viele männliche Zuschauer zunächst einfältig wirken mag – bis sie Johnny Carson oder David Letterman mit ihren Antworten in Verlegenheit und sogar zum Schweigen bringt. Lauper hat Spaß an ihrem Erfolg. Sie weiß aber auch: Die Sache hat eine gewisse Halbwertszeit. Als 1986 das zweite Album TRUE COLORS erscheint, haben die 80er ihre Ausrichtung bereits geändert.

Die große Party ist vorbei. Pop wird ernster, muss sich mit dem Tod beschäftigen, den vielen Opfern der AIDS-Pandemie. Auch Lauper trauert: Gregory Natal, der auf sie aufgepasst hat, als sie als Mädchen von zu Hause abgehauen ist, stirbt an den Folgen des HI-Virus. Nur wenige Tage nach seinem Tod hört sie einen Track, den das Songwriter-Duo Billy Steinberg und Tom Kelly ihr anbietet: „True Colors“. Im Original eine Gospel-Ballade als Andenken an Steinbergs gerade verstorbenen Mutter. In Laupers Version ein Dreampop-Song als Mutmacher für alle Menschen, die ihr wahres Ich verstecken, weil sie sich vor Diskriminierung fürchten: „I see your true colors, and that’s why I love you / So don’t be afraid to let it show.“ Heute ist „True Colors“ ein Trademark der weltweiten LGBTQ+-Community. Als Titel eines Videospiels mit LGBTQ+-Charakteren. Als Name für Begegnungszentren und Kollektive. Als Safe-Space-Signal in den USA, wo sich die Community durch den rechtskonservativen Backlash der zweiten Trump-Administration alten Bedrohungen in neuen autoritären Kleidern gegenübersieht.

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Musical Saves The Radio Star

Es ist eine von mehreren schönen Wendungen der Geschichte von Lauper, dass ihr Standing in der LGBTQ+-Community dafür sorgt, dass sie nicht zu einem Nostalgie-Act wird. Die Gefahr bestand, denn die 90er und Nuller gestalten sich schwierig. Zwar ist sie mindestens so änderungsfreudig wie Madonna, die zweite Königin des Pop, doch ihr fehlen die Hits. Und so kommt es zu den üblichen Dingen: Weihnachtsalbum, Akustikplatte, gedrosselte Version von „Girls Just Want To Have Fun“ mit Reggae statt Rummelplatz.

An einem Tag Ende der Nullerjahre, während sie gerade dabei ist, den Abwasch zu erledigen, klingelt das Telefon. Es meldet sich ihr alter Bekannter Harvey Fierstein, Schauspieler und erfolgreicher Musical-Autor. Er sagt ihr, gerade an einer Broadway-Adaption des Films „Kinky Boots“ zu arbeiten, die wahre Geschichte eines Mannes, der von seinem Vater eine alte Schuhfabrik erbt und der Pleite entgeht, indem er High-Heel-Boots für Männer entwickelt. Ob Lauper nicht Lust hätte, die Songs zu schreiben? Hat sie! Drei Jahre später gewinnt sie bei den Tony-Awards den Preis für die „Beste Originalmusik“.

Wer sie heute ist? Bitte keine Ikone, sagt sie in der Doku über ihr Leben. Lieber eine Frau, Künstlerin – und Polit-Aktivistin. Dort, wo Politik harte Arbeit ist, zum Beispiel bei Anhörungen vor dem Kongress, wo sie sich dafür einsetzt, etwas gegen die grassierende Obdachlosigkeit junger LGBTQ+-Menschen zu unternehmen. Am 30. August 2025, so will es der Tourplan, endet in Los Angeles die finale Runde ihrer finalen Tour. Zeit für ein paar Tränen? Dass sie nie wieder singen würde, habe sie ja nicht gesagt, sagte sie im vergangenen Jahr der „SZ“. „Ich werde bloß keine Koffer mehr durch die Gegend schleppen.“ Im Herbst dieses Jahres kommt ein neues Musical mit Musik von Lauper auf die Bühne, „Working Girl“, die Adaption des Films, der 1988 in Deutschland unter dem Titel „Die Waffen der Frauen“ in den Kinos lief. Zudem hat sie vor gut einem Jahr große Teile ihrer Musikrechte an das schwedische Unternehmen Pophouse verkauft, bekannt geworden durch die virtuelle ABBA-Show VOYAGE mit den ABBAtaren. Die Ungekünstelte als Hologramm? Vielleicht. Aber nicht nur. Denn es gibt da diesen einen Moment, sagt sie in der Filmdokumentation, „wenn sich eine Tür öffnet und die Welt, in der du dich körperlich befindest, mit der Welt, die von deinen Gefühlen bestimmt wird, zu einer einzigen vereint“. Das passiere nicht immer, wenn sie singe, Gott bewahre. Aber wenn es mal passiert … dann gibt’s nichts Besseres.

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