Christian Stolberg über: Art Garfunkel – Angel Clare

Seit nicht mehr durch alle Fußgängerzonen dieser Welt erbärmliche Busker-Versionen alter Simon & Garfunkel-Songs schallen, ist das Duo ja weitgehend rehabilitiert. Das Solo-Oevre von Paul Simon genießt ohnehin allenthalben Respekt. Nur das Image-Problem seines goldlockigen Partners „Artie“ Garfunkel scheint unlösbar. Der Schöngeist und Teilzeit-Filmstar aus dem New Yorker Stadtteil Queens hat mit der seifigen Hasentod-Hymne „Bright Eyes“ und Spätwerken wie „Lefty“ oder der klingenden Family-Soap „Songs From A Parent To A Child seinen Ruf nachhaltig torpediert und wird wohl auf ewig als Edelschnulzier gelten. Dabei hatte er mal einen Solo-Lichtblick: Sein Debüt „Angel Clare“ zeigte Garfunkel 1973 als geschmackssicheren Interpreten, der mit seinem glockenhellen Tenor an Songs von Van Morrison. Randy Newman und Jimmy Webb die hohe Schule der Balladenkunst zelebrierte.

Mit dem Vibe unserer Zeit hat das nix mehr zu tun – mit Ausnahme von Ol‘ Blue Eyes und seinen wieder entdeckten Rat Pack-Gesellen finden coole Kenner keine „schönen“ männlichen Stimmen mehr okay. Doch ich bekenne: Ein, zwei Mal im Jahr, nach stressigen Reisen oder harten Arbeitstagen, verlangen meine von Mike Patton, Fred Durst oder Lemmy strapazierten Ohren nach einer Prise Wohlklang. Dann schlägt zu Hause auch mal die Stunde von Engelchen Art…

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