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Review

„Alita: Battle Angel“-Kritik: Schaut ihr in die Augen

Man spürt förmlich, wie sehr Superregisseur James Cameron hier im Hintergrund die Fäden zieht. Zwar ist Cameron derzeit mit dem Dreh seiner vier (!) „Avatar“-Fortsetzungen beschäftigt, die Verfilmung des Manga „Alita“, immerhin sein Wunschprojekt seit fast zwei Jahrzehnten, wollte er dafür dennoch nicht aufgeben. Also engagierte er den ehemals für „Sin City“ gefeierten und mittlerweile nahezu irrelevanten Robert Rodriguez, um Camerons Vision brav umzusetzen.

Alita ist eine Figur, die am Computer entstand. Zwar wird sie am Set via Motion-Capturing von Rosa Salazar gespielt, der Zuschauer blickt am Ende aber nur in gigantische Augen, einen Metallkörper und leicht glänzende CGI-Haut. Eine solche Hauptfigur stellt immer ein großes Risiko dar, vor allem wenn sie in echte Sets eingefügt wird und von echten Darstellern angespielt wird. Bei „Alita“ sind es Schwergewichte wie Christoph Waltz, Jennifer Connelly und Mahershala Ali.

James Cameron (.) und Robert Rodriguez.

In Robert Rodriguez‘, also James Camerons Science-Fiction-Spektakel findet ein von Waltz gespielter Wissenschaftler das Robotermädchen auf einem Schrottplatz. Alita wird reanimiert und erkundet für sich und den Zuschauer die düstere Welt, in der sie nach jahrhundertelangem Ruhemodus leben muss. Oben im Himmel schwebt eine gigantische, reiche Stadt. Darunter, in Iron City, kämpfen Tagelöhner, Kopfgeldjäger und Kleinkriminelle ums tägliche Überleben. Alita erwacht in einer herzlosen Welt, findet aber schnell Freunde, die erste Liebe und den Schlüssel zu ihrer Vergangenheit, in der sie anscheinend die gefährlichste Soldatin in einem intergalaktischen Krieg war.

Kooperation

Aber von der zerstörerischen Kraft des Mädchens ist zu Beginn des Films noch nicht viel zu sehen. Es darf die Vermutung angestellt werden, dass Regisseur Rodriguez, bekanntermaßen ein Fan von Actionszenen ohne viel Einleitung, Alita am liebsten nach wenigen Minuten in neue Schlachten geschickt hätte. Aber da kommt eben der mächtige Produzent Cameron ins Spiel und tritt auf die Bremse: Mehr als eine halbe Stunde lang lässt er Alita ihre neue Umgebung erkunden, sie Schokolade essen und mit den Teenies aus der Nachbarschaft spielen. Und sich verlieben natürlich. Cameron nutzt abermals sein erprobtes Rezept: Auch ein Actionfilm muss laut dem finanziell erfolgreichsten Regisseur im Kern eine Liebesgeschichte sein. Siehe „Avatar“ und „Titanic“.

Keean Johnson spielt Hugo, der mit Alita anbandelt und praktischerweise auch in allen Action-Szenen etwas zu tun hat, meist aber von seiner neuen Freundin beschützt werden muss. Genauso wie Christoph Waltz, der mit einem Raketenhammer um sich schlägt, sobald mordende Roboter angreifen und dabei genauso lächerlich aussieht wie man sich das vorstellt. Zum Glück beschränkt sich Waltz allerdings die meiste Zeit auf aufmunternde und erklärende Gespräche mit seiner Ziehtochter aus Metall. Auch Mahershala Ali und die restlichen menschlichen Figuren rücken nach und nach in den Hintergrund, weil „Alita“ mit zunehmender Laufzeit den gesamten Film an sich reißt.

Überraschend menschlich

In dem zunächst unsicheren Mädchen erwacht nach und nach die Kriegerin, die nicht nur die Schurken in Iron City vermöbelt, sondern auch in einer fiktiven Sportart auf Rollschuhen zum Superstar aufsteigt. Champion in diesem Sport zu werden ist nämlich die einzige Chance, Iron City zu entkommen und ein neues Leben in der Stadt am Himmel zu beginnen. Diese mysteriöse Stadt bekommen die Zuschauer nicht zu Gesicht, Cameron hebt sie sich für Fortsetzungen auf, die eventuell nie kommen werden, weil Alita schon vor dem Kinostart als Flop gilt.

Schade drum, denn man mag Alita wirklich, würde die düstere Zukunft gern noch weiter erkunden und weitere spektakuläre (und brutale) Kämpfe zwischen Robotern sehen, deren Gesichter halbwegs bekannten Schauspielern entliehen sind. Und die dadurch viel menschlicher wirken, als es eigentlich der Fall sein dürfte. Was übrigens auf den gesamten Film zutrifft.

„Alita: Battle Angel“ startet am 14. Februar in den deutschen Kinos.  Es ist einer der wenigen Filme, bei denen sich sogar das 3D-Ticket lohnt. 

Fox

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