Am Ende das Licht: der Freitag auf dem Oya Festival

Am Ende sitzen wir in einem ehemaligen Wassertank in einem Skulpturenpark irgendwo über dem Osloer Hafen und trauen unseren Augen nicht: Zwei Räume sind es, durch die wir geführt werden: Im ersten treiben einen ganz langsame Farben, die nicht auszumachende Wände beleuchten und aus Lichtquellen kommen, die man nicht sieht, recht schnell in so eine Art Zeitlupenwahnsinn. Im zweiten kann man sich auf den Boden legen und durch eine Öffnung in den Sternenhimmel gucken. Der Raum ist warm, plötzlich werden alle müde, und niemand kann so recht erklären, warum. Ach, Festival-Rahmenprogramm! Was an diesem Abend nach dem letzten Konzert mit einem für mit der Geschichte des Landes und der Wikinger nicht vertraute Besucher womöglich etwas irritierenden Auftritt eines Folk-Musikers (Mittelalterkostüme! Fackeln! Lagerfeuer! Eine Laute!) begann, endete also in einem Skyspace des Künstlers James Turrell. Einatmen. Ausatmen. Runterkommen. Ein schöner Abschluss für den Tag mit dem besten Headliner des diesjährigen Oya.

Irgendwie war klar, dass Beck abliefern würde. Aber mit der Intensität, mit der er das tat, rechnete wohl keiner. Andererseits: Der Amerikaner ist seit über 20 Jahren erfolgreich im Geschäft und hat einen Backkatalog, aus dem sich ein hervorragendes Konzertprogramm destillieren lässt, was vielleicht auch erklärt, warum sein Auftritt eher im Gedächtnis bleibt als der von Florence + The Machine oder Alt-J. Beck spielt sich an diesem Abend nicht nur durch seine eigene Biografie, sondern auch durch die der meisten Besucher. Er fängt mit „Devil’s Haircut“ an, vielleicht seinem größten Hit, und zeigt dann in eineinhalb Stunden, wer er während seiner Karriere so alles war bzw ist. Der Typ, den man zunächst als One-Hit-Wonder für die Alternative Nation begriff – interessant ist dabei, dass „Loser“ auch nach über 20 Jahren noch alle Energie verströmt. Der Funkster. Der Folkie. Der sohlenflinke Superdancer. Der weirde Crooner, der seine Gedanken mit dem Publikum teilt. Er covert Donna Summers „I Feel Love“ und sperrt am Ende die Bühne mit Polizeiband ab, um kurz darauf im blütenweißen Anzug wiederzukommen, sich aufs Schlagzeugpodest zu lümmeln und einen etwa viertelstündigen Jam auf Basis von „Where It’s At“ zu zelebrieren. Ein riesengroßes Vergnügen.

Auch der Nachmittag steht im Zeichen sogenannter Gitarrenmusik. Da sind zum Beispiel Hookworms aus Leeds, die mit ihrem einerseits freien, andererseits von Bass und Schlagzeug recht konkret durchstrukturiertem Fuzz nicht unbedingt einfachen Zugang bieten. Trotzdem verdoppelt sich während des Konzerts die Masse vor der Bühne, es macht einfach Riesenspaß, denen beim Ausflippen zuzusehen, dabei, wie sie ihren Noise stetig neu austarieren und dabei, wie sie stoisch mit zwei Nebelmaschinen den klaren Sommerhimmel befeuern. Schicht auf Schicht legen sie und zeigen damit, dass Psychedelic eben auch brutal klingen kann, dass da nicht jede Note gesetzt sein muss. Später dann Future Islands: Samuel T. Herring ist vielleicht der interessanteste Frontman des Tages. Während die Band ihre irgendwo zwischen Disco, Synthpop und Indie verorteten Songs spielt, klingt er abwechselnd staatstragend und -zersetzend. Vor allem schöpft er aus einem interessanten Bewegungshaushalt. Mal scheint er der in die Jahre gekommene Discoboy zu sein, mal tänzelt er wie ein Messerstecher, und oft scheint er auf einer Welle zu surfen, die wohl nur er sieht. Wir sind einigermaßen beruhigt, dass er später im Backstagebereich wieder ganz normal wirkt.

 

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