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Anna Calvi im Interview: „Wut kann auch Spaß machen“

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Mit Kopfhörern in der Gegend herumschlendern und sich in den eigenen Gedanken verlieren: So hört Anna Calvi am liebsten ihre Herzensplatten. Und das sind vor allem Art-Rock-Klassiker. Diejenigen, die auch mal ins Bizarre gehen, für Unruhe im Kopf sorgen und in prägenden Zeiten für sie da waren.

Nach vier Alben seit 2011 brachte die britische Musikerin zuletzt mit „Hunted“ eine EP mit Neuinterpretationen einiger Songs ihrer 2018er-Platte HUNTER heraus. Dafür arbeitete Calvi mit Courtney Barnett, Joe Talbot von Idles, Charlotte Gainsbourg sowie einer ihrer absoluten Lieblingsmusikerinnen zusammen: Julia Holter. Doch so leidenschaftlich sie auch über Holter und andere Vorbilder spricht, so leise und zurückhaltend ist sie durch das Telefon zu hören. Erst auf die Frage, welche Art von Musik sie zum Aufwärmen vor ihren Konzerten auflegt, wird ein Grinsen hörbar: „Madonna für die gute Laune und Nick Cave, wenn ich darauf vorbereite, eine ernsthafte und wirklich unheimliche Performerin zu sein.“

Bevor Anna Calvi Euch ihre Lieblingsplatten vorstellt, seht hier ihren Auftritt bei unserer Preisverleihung – der nächste IMA kommt bestimmt!

Anna Calvi, Christine And The Queens, Billy Porter | 
IMA – International Music Award in der Verti Music Hall in Berlin am 22.11.2019

Anna Calvis Lieblingsplatten:

Julia Holter – HAVE YOU IN MY WILDERNESS (2015)

Es gibt sonst niemanden, der solche Arrangements hat. Wie Julia die Instrumente miteinander kommunizieren und dabei ihre Texte mal in den Fokus rücken und wieder herausfallen lässt, ist einzigartig. Mit einer Zeile wie „It’s impossible to see who I’m waiting for in my raincoat“ in „Feel You“ regt sie meine Vorstellungskraft an. Sie liefert ein Bild, einen Teil der Antwort, aber nie alles. Auch wenn unsere Musik sich sonst nicht ähnelt, so sind wir dahingehend gleich, dass wir beide etwas Mysteriöses mit unseren Stücken erzeugen wollen. Die Zusammenarbeit für „Hunted“ war ein weiteres Beispiel für ihre endlose Kreativität. Ich fragte sie, ob sie in „Swimming Pool“ singen möchte, und sie kam mit einem völlig überraschenden Arrangement um die Ecke.

Sascha Baumann


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