Konzertbericht

Apache 207 live in Berlin: Er hat sich seinen Block auf die Bühne geholt

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Wer Apache 207 kennt, weiß, was für eine Erscheinung der Rapper ist: Eine Körpergröße von mehr als zwei Metern, lange schwarze Haare und eine Sonnenbrille, die fast nie abgenommen wird. Für einen Wiedererkennungswert ist definitiv gesorgt. Und auch musikalisch ist es quasi unmöglich, einen Apache-Song einem anderen Musiker zuzuordnen; zu distinktiv ist die Stimme des Mannheimer Rappers, die fließend zwischen Rap und wehmütigem Gesang changieren kann. So ist es zwar kein Wunder, dass sich Apache 207 in den vergangenen drei Jahren zu einem der erfolgreichsten Rap-Künstlern Deutschlands entwickelt hat – ein bisschen irritierend ist es dennoch, in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena unter kreischenden Fans auf einen Musiker zu warten, der erst vor vier Jahren seinen allerersten kleinen Auftritt auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg hatte.

Als Apache 207, der mit wirklichem Namen Volkan Yaman heißt, an diesem Abend die Bühne betritt, jubeln die Fans, strecken die Hände nach ihm aus, als wollten sie ihn noch näher bei sich haben. Nicht nur er selbst, auch sein Bühnenbild ist gigantisch. Hinter ihm thront eine detailgetreue Replika des Hauses, in dem er aufgewachsen ist – „sein Block“, wie er später erklären wird. Nach den ersten drei Songs spielt er zwei seiner älteren Tracks, darunter „Roller“, der im Jahr 2019 sein erster Nummer-1-Hit wurde. Er bezeichnet ihn als „Oldie“.

Volkan Yaman wurde 1997 in Mannheim geboren, wuchs jedoch in Ludwigshafen auf. Sein Vater verließ die Familie früh, seine zwei Geschwister und er waren mit der Mutter weitestgehend auf sich alleine gestellt. Erste musikalische Aufmerksamkeit erhielt Apache 207 im Jahr 2018 für seine Debütsingle „Kleine Hure“, nur ein Jahr später kam der Record-Deal mit dem Label „Four Music“, bei dem unter anderem auch der Rapper Bausa gesignt ist. Apaches Debütalbum TREPPENHAUS erreichte den ersten Platz der deutschen Charts.

Wie sehr sich der Rapper noch immer mit seiner Heimat Ludwigshafen verbunden fühlt, wird während der Show in der Mercedes-Benz-Arena deutlich: In einem Video, das während einer kurzen Pause abgespielt wird, sieht man Apache ein Konzert verlassen und von einem Fahrer zur nächsten Show chauffieren. Nach einem Blick aus dem Fenster bittet er seinen Fahrer, kurz anzuhalten. Er steigt aus und läuft zu einem Haus, bleibt davor stehen und zündet sich eine Zigarette an. Es ist das Haus, in dem er großgeworden ist. „Ich wünschte, ich könnte hier spielen“, sagt er. Und auf einmal ist er wieder auf der Bühne – und breitet die Arme vor dem nachgebauten Haus auf. Er hat sich seinen Block auf die Bühne geholt.

 

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Apaches Musik ist ein Konglomerat aus Street Rap und 80s-Pop – eine Mischung, die ihm in kürzester Zeit Fans aus unterschiedlichsten Genres verschaffte. Das zeigt sich auch beim Konzert: Anstatt ausschließlich jungen weiblichen Fans (wie man es bei einem Apache-Konzert erwartet hätte), gibt es hier keinen demographischen Durchschnitt. Junge Männer, ältere Frauen, Väter und ihre Töchter, die gleichermaßen mitsingen – hier sind alle vertreten. Und sie alle jubeln gleichermaßen, als Apache 207 die größte Überraschung des Abends präsentiert: ein gemeinsamer Track mit niemand anderem als Udo Lindenberg. Am Ende seiner anderthalbstündigen Show verlässt der Rapper die Bühne für eine „kurze Raucherpause“, wie er zu dem Publikum sagt. Daraufhin zeigt ein Video, wie Yaman mit einem Fahrstuhl aufs Dach fährt, dort auf Udo trifft und den gemeinsamen Song „Komet“ anstimmt. Als Apache nach dem Musikvideo zurück auf die Bühne kommt, erklärt er: „Ihr wart die ersten, die das so spektakulär sehen durften. Und ich soll euch eine Sache ausrichten: Udo wollte eigentlich auch kommen, aber er wurde leider von einer leichten Grippe erwischt. Aber keine Panik – um es in seinen Worten auszudrücken – der kommt natürlich wieder topfit auf die Füße.“

 

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